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Donnerstag, 13. September 2012

Valle Bavona (Tessin) - Topos and Overviews

The amount of the bolts in Super Cyrill got reduced over the time so better bring more small gear.

 Whenever I had time to go climbing in the Alps and the weather was bad on the northern side of the alps we went to Tessin. The little Valle Bavone is a mystival place and its 1h drive from Locarno. Well known for it's route "Super Cyrill" and the boulder "Of the Wagon" there are multiple serious multipitch routes.

I collected the topos from different websites that dues not exist anymore or created themself.

Here the link to the Topos:

https://www.dropbox.com/sh/q2kl1ylh0qdiuoe/AAAAOqzQCRqVlvlq5DzyaW18a?dl=0

Enjoy and keep the valley clean. 

Dienstag, 11. September 2012

Saga di Valle Bavona

Das idillische Valle Bavona auch Tal der Steine genannt
 (Foto Tobias Wolf)

Saga di Valle Bavona



Wer eine Reise macht der hat was zu erzählen. So ist es auch bei uns und es die Geschichte handelt von einer 200m hohen Wand im Tessin,  welche es für uns zu bezwingen galt.
Stephan Isensee aka Issy (Foto Stephan Isensee)

Am besten beginne ich vom Anfang. Als ich vor über einem Jahr mit Stephan Isensee (aka Issy) 
zum Klettern in die Wenden fahren wollte war uns das Wetter leider nicht hold. Der Ausweg hieß Tessin wo ich bereits 2010 das Glück hatte "Super Cyril" klettern zu können. Wir kletterten einige Reibungsplatten und als wir das Tal auf dem Weg nach Hause verließen sahen wir auf der rechten Seite bei einem Wasserkraftwerk eine über 200m hohe Wand. Beim späteren Blick in den Führer wurde diese Wand nicht einmal erwähnt war also Neuland. Ich behielt sie im Hinterkopf, denn es gab einige imposante Linien an dieser Wand.




Was ich zu dieser Zeit nicht wusste das diese Felsformation "Gendarme de Gramüséd" heißt und das der Italiener Matteo Della Bordell zeitgleich die erste Route an diesem Felsen eröffnete. "Il Mieto della caverna" (Der Mythos der Grotte) ist die Vollendung eines alten Projektes. Der Weg folgt einer sehr markanten Verschneidung welche extrem überhängt und in Wandmitte ausläuft. Der „Mythos..“ ist mit 8a (7c obl.) bewertet und wird nach oben moralisch immer anspruchsvoller. Sehr auffällig ist dies ab dem Teil wo Matteo die Route übernommen hat.
Im Frühsommer gelang mir mit Issy diese Route zu durchsteigen. Dabei wurden wir auf eine Linie von vagen Rippen und Verschneidungen weiter links aufmerksam. Wir nutzten die seitliche Perspektive und versuchten die vorhandenen Strukturen in Gedanken zu verbinden. Die Idee war geboren und wir wollten so bald wie möglich wiederkommen... .



Topo von "Il mieto della caverna" (Topo und Foto Matteo della Bordella)


Es war Anfang September als ich mich diesmal mit Kerstin, Leopold und Issy auf den Weg ins "Valle Bavona" machte. Da das Tal der Transumanza, kulturell und landschaftlich eine wahre Augenweide ist vergleiche ich es gerne mit dem Auenland. Ins Valle Bavona und weiteren Hochtälern wanderten die Transumanza mit ihren Schafherden, um die die heißen Sommer des Tessins zu überstehen. Dabei bauten sie Natursteinhäusern die z.T. noch heute erhalten sind. Das Tal ist mit seinen Wasserfällen und diversen Seitentälern noch immer nahe am Urzustand. Es gibt keinen elektrischen Strom und das Trinkwasser kommt von den klaren Bergbächen. Lediglich die Straße und etwas Tourismus ist hinzugekommen.


Kerstin und Leopold (Foto Tobias Wolf)
Wir reisten am Freitag spät abends an und alles war bereit am Samstag zeitig aufzubrechen. Als der Wecker um 6 Uhr klingelte war es nicht nur dunkel sondern es regnete auch noch. Also war abwarten angesagt, denn der Reibungseinstieg war bei Nässe unkletterbar. Ungeduldige 3h später versuchten wir unser Glück und schleppten das Material die 30 Min zum Einstieg. Die Reibung war zu unserer Freude trocken und so legte ich los. Der schwarze Gneis, welcher nur schmutzig aussah, war sauber,  griffig und gelegentlich von Grassbändern unterbrochen. Obwohl ich versuchte zügig zu Klettern fing es noch bevor das Seil ausgestiegen war an zu regnen. Der nasse Fels wurde eisglatt und ich beeilte mich zu einem Band unter einem Überhang zu gelangen. Etwas feucht erreichte ich dieses und Issy quälte sich im Nachstieg die entstandene Rutschbahn hinauf. Im trockenen sitzend aßen wir Mittag und trotz Regen mussten wir weiter zum Glück teils überhängend.
 



Issy in der 3.SL von "Saga die Valle Bavona" (Foto Tobias Wolf)

Wir waren mittlerweile in der 3.Sl weil unser Strategie war es die Standplätze erst beim abseilen mit dem verbleibenden Strom der Akkus zu bohren. So bohrte Issy in der 3.Sl seine ersten beiden Haken. 


Dazu gibt es zu bemerken das Issy eine wahre Heldentat vorlegte und die Haken die Sicherung nicht verbesserte sondern nur fehlende Friends ersetzte. Dazu kam, dass eine sehr gruselige hohle Rippe angehangelt werden musste mit Aufschlagsgefahr auf ein Band. Diese Länge ist zwar noch immer die unschönste der Route, wurde aber mit 3 nachträglichen Haken entschärft endet jedoch an einem perfekten Standplatz.



Die folgende 4.Sl ist eine kurze  Verschneidung welche komplett mit Friends abzusichern ist. Es folgt  ein bockiger Stand am Fuße einer glatten nach rechts versetzten Verschneidung. Damit hatten wir trotz des Regens unsere persönliche Mindesthöhe für heute erreicht. Um die verbleibende Zeit zu nutzen bohrte ich noch die ersten 3 BH der 5.Sl bis wir unser Vorstiegsseil und ein altes 50 m Seil  als Fixseil hängen ließen und abseilten. Beim schräg abseilen rutschte ich auf dem nassen Fels aus und ruinierte ich auch noch meine schöne Regenjacke.

Tobias Wolf in der 4.Sl von "Saga di Valle Bavona" (Foto Stephan Isensee)


Mit gemischten Gefühlen ging es ins Tal zu Kerstin und Leopold zurück. Einerseits waren wir froh schon einiges geschafft zu haben anderseits waren die Längen bis jetzt ok aber nicht ganz nach dem Maßstab welcher mir vorschwebte. Zudem waren noch viele wichtige Fragen offen auf deren Antwort wir heute gehofft hatten. So schliefen wir mit der Hoffnung ein, dass sich das Dach am Ende der Verschneidung überklettern läst und das es eine kletterbare Verbindung zu den angestrebten Hangelrippen gibt. 


Der Sonntag sollte uns um einiges klüger machen. Früh ging es zeitig und ohne Regen los. Der Akku war geladen und wir waren volle Tatendrang. Mit Steigklemmen erreichten wir unseren letzten Stand vom Vortag. Etwa gegen 10 Uhr stieg Issy in die Verschneidung ein an deren Ende wir auf eine Antwort hofften. 

Issz in der 5.Sl der Verschneidung. (Foto Tobias Wolf)


Vor Ungeduld mehr zu erfahren hielt ich es kaum noch am Stand aus. Leider dauert Erstbegehen länger als normales Klettern und so stieg die Spannung während der 3h ins unermessliche. Am Ende der Länge überwand Issy das Dach rechts und machte darüber Stand. Jetzt durfte ich mehr erfahren. Ich versuchte so schnell wie möglich zu klettern und stellt nebenbei fest wie genial die Felsqualität eigentlich war. Die letzten Meter zum Stand hatten es noch einmal in sich was Issy auch so lange aufgehalten hatte. 


 Tobias Wolf am Ende der 5.Sl (Foto Stephan Isensee)
  Endlich sollte ich erfahren, wie es nach dem Dach aussieht und ob sich die 5m bis zu den Rippen überbrücken lassen. Am Stand angekommen schaute ich hoch und ein breites Grinsen ging über mein Gesicht. Es gab Strukturen um an die Rippen zu gelangen, doch die Rippen sahen sehr dünn aus.
Tobias Wolf in der 6.Sl, (Foto Stephan Isensee)



Inständig hoffte ich das diese nicht hohl oder lose seien und mich gruselte vor der Vorstellung an so etwas klettern zu müssen. Es half aber alles Bangen nichts, denn jetzt war meine Initiative gefragt.Das Material war schnell getauscht  und los ging es. Die ersten Meter zur Rippe waren fest und die Rippe hielt. Um kein Risiko einzugehen und einen Friend hinter die Struktur legen zu müssen bohrte ich ein Loch und schlug einen BH. Ich muss immer wieder erstaunt feststellen, das eine Loch im Tessiner Gneis zu bohren nur eine Frage von 10 Sekunden ist und eine Akku der Bohrmaschine locker 20 BH schafft. (Danke noch einmal an dieser Stelle an Robert für die Bohrmaschine) Der Weiterweg sah glatt aus und die Rippen um einiges dünner. Die Sorge lößte sich in Luft auf, den die Rippe war fest and der Wand angewachsen doch erstmalig wurde es sehr knapp.




Tobias Wolf in der 6.Sl (Foto Tobias Wolf mit Zeitautomatik)
Ein erneuter BH sicherte die Stelle ab. Mittels Leisten die neben der Rippe die glatte Stelle überbrückten und mit mehreren weiten Zügen ging es zu einer guten Struktur. Nach 6m kam wieder ein BH. Es folgten ein genialer Überkreuzzug und ein Schnapper auf ein Band. Mittels Skyhook wurde der Weiterweg mit einem Haken versehen. Eine dünne Rippe hing über mir und diesmal klang sie richtig hohl. Ich konnte nicht einschätzen wie fest sie tatsächlich war. Aus Angst diese Schuppe aus der Wand zu reißen und damit das Seil zu kappen ließ ich den Zug erst einmal weg und überspannte die Stelle mit Hilfe des Bolts. Im Nachstieg wenn das Seil von oben kommt und nicht mehr von der herabfallenden Schuppe durchtrennt werden konnte wollten wir diese erst einmal vorsichtig belasten. Eigentlich hatte ich vor mich zu beeilen aber leichter gesagt als getan. Die Wand brach unter mir ab und die natürliche Struktur zog nach Links. Leider war die Verschneidung stumpf und als Griff untauglich. Einzig ein paar Tritte waren über dem Überhang zu sehen. Ich schob mich von der Verschneidung weg auf die Tritte und stützte nach Links. Weitere geniale Züge später registrierte ich, dass ich bereits mehrere Meter vom Haken entfernt war, an Seitgriffen hing und mir die Kraft ausging. Ich versuchte die Flucht nach vorne aber kam nicht an die nächste Struktur. Ein Dynamo wäre noch möglich aber wenn der Zielgriff nichts ist würde ich weit fallen. Dann doch lieber an den Seitgriff mit dem Cliff hängen und einen BH setzen. Was für eine Alternative wo ich mich bei so etwas immer selten ungeschickt anstelle. Ja es wurde auch wie immer ein Akt doch irgendwann saß der Haken und der Weiterweg sah besser aus. Die Verschneidung wurde etwas griffiger und nach über 3h war ich auf einem Band und bohrte den Standplatz. 40m geniale, ausgesetzte und schwere Kletterei lagen hinter mir und ich war total geschafft. Leider war es auch schon sehr spät und es fehlten noch eine oder zwei Seillängen. Damit unser Zeitplan aufgeht war das Ziel die Route heute fertig zu bohren. Selbst dann haben wir mit dem Tag für den Durchstieg die Hälfte der Klettertage des Urlaubs für die Erstbegehung aufgebraucht. Issy fackelte aus diesem Grund im Nachstieg nicht lange und beeilte sich. Wie ausgemacht kletterte er die Züge an der
hohlen Schuppe. Sie bewegte sich zwar aber hielt problemlos. Schon erstaunlich wie elastisch dünne Schuppen aus Gneis oder Granit seien können. 


Tobias Wolf in der 7.Sl (Foto Stephan Isensee)

Bei mir angekommen übernahm Issy die Führung. Der Weiterweg war undurchschaubar aber das Foto vom Einstieg zeigte links von unserem Überhang eine scharfe Kante. Schrieb ich am Anfang das Issy auf Grund seiner fehlenden Erfahrungen beim Erstbegehen langsam war, so ließ er mich jetzt wie einen Anfänger aussehen. Wie ein Wirbelwind kletterte und bohrte er die nächsten 35m. Noch mehr verwundert war ich, als er sagte er ist bereits ganz oben und wir brauchen den Haulbag nicht nachziehen. Dann ist ja alles bestens freute ich mich. Im Nachstieg genoss ich die schöne ausgesetzte messerscharfe Kante und bewunderte Issys Leistung. Wir waren zwar oben aber noch nicht fertig.

Endlich oben. (Foto Tobias Wolf mit Zeitautomatik)


Bei uns stellte sich langsam das Gefühl ein eine wirklich geniale Route Erstbegangen zu haben. Deswegen entschlossen wir uns beim Abseilen noch einige Haken nachträglich sowie die restlichen Stände zu bohren auf das viele Leute diese Linie klettern können. Der Name stand durch schon durch die Schönheit und die Lange Geschichte für uns fest und so nannten wir sie "Saga di Valle Bavona".
 

Mit freundlicher Unterstützung von Metolius (Foto Tobias Wolf)


Stephan Isensee in der 6.Sl (Foto Tobias Wolf mit Zeitautomatik)






Die zwei bestehenden Routen am "Gendarme diGramüsèd" (Foto Tobias Wolf)
Topo Saga di Valle Bavona






(Nach Meinung von  Luca Auguadri (2.Beg 06/2013) ist unsere Route  6b / 6a+ / 6c+ / 6b / 7b+ / 7c / 6b (7b! obb) mal sehen was andere denke)
Nach einem Ruhetag kletterten wir die Route Rotpunkt und bewerteten die einzelnen Längen. Das Ergebnis ist 7c+/8a (7a obligat.)

(Foto Tobias Wolf)
Das war das Ende unsere Geschichte aber noch nicht unseres Urlaubs. Die verbleibenden 4 Tage nutzten wir um mit Kerstin und Leopold in ein malerisches Hochtal zu wandern sowie die uralten Natursteinhäuser zu besichtigen.
 


Zeitzeugen einer längst vergangenen Zeit (Foto Tobias Wolf)
Kerstin und Leopold idyllischen Tessin (Foto Tobias Wolf)


Auch Kerstin wünschte sich, dass wir nicht mehr ganz so weit weg von ihr klettern würden. So lag das Ziel am nächsten Tag in Sichtweite vom Auto. Die Route heißt „Profumo di Puttanone“ wo ich mir die erste Rotpunktbegehung des Abschlußdaches mit 8a+ holte. Dies sind echt abgefahren Züge wo ich gerne etwas größer wäre damit es etwas besser geht. Das Beste allerdings war ein Knieklemmer an der Dachkante um darüber auf die Platte zu gelangen. Ich verausgabte mich mal wieder im Durchstieg und viel einmal im Dach und einmal beim letzten schweren Zug an der Dachkante. Der entscheidende Durchstieg war dann richtig knapp. Aus diesem Grund denke ich, dass dies die schwerste Seillänge in diesem Urlaub war. 


 Bergdorf mit "Profumo di Puttanone"im Hintergrund  (Foto Tobias Wolf)
Topo "Profumo di Puttanone"

Die Verbindung von Familie und Mehrseillängenrouten (Foto Kerstin Wolf)



Um noch näher an Kerstin und Leopold zu sein und nicht auf den Genuss des Kletterns zu verzichten entschieden wie in Sonlerto in der „La Scrimmia Nuda“ was so viel heißt wie „Nakte Affen“ zu klettern. 




Issy in der 2.Sl von "La Srimma Nuda" (Foto Tobias Wolf)
Dank des 50m Zustieges waren wir selbst am Ausstieg der 200m Route nie weiter als 300m vom Auto entfernt. Auch Leopold war mit von der Partie und machte nicht nur seinen Mittagsschlaf am Einstieg der Route. Da sagt noch jemand, dass große Wände und Familie nicht in Einklang zu bringen sind. Leider gibt es an der Wand nur 2 Routen und die habe ich nun beide geklettert. Als kleinen Bonus bei den Nakten Affen gab es noch die erste freie Durchsteigung zu holen. Bisher gab es in 2 Seillängen Stellen wo der Haken durchgezogen wurde. Dank eines Tipps von Matteo Della Bordella, dass diese Stellen frei zu klettern gehen wurde ich erst auf die Route aufmerksam. Nach Matteo wäre jedoch in 3 Längen im achten Franzosengrad verlangt. Deshalb stiegen wir sehr früh ein um genug Zeit zu haben die harten Stellen zu knacken.
Die einzelnen Längen erscheinen zum Teil extrem schwer und erst nach dem Ausbouldern was bis zu einer Stunde pro Länge dauerte fand sich eine Variante die Durchstiegstauglich war. Meine Bewertung ist natürlich für die leichteste Variante welche ich gefunden habe. So vorab die Warnung für Wiederholer der erste Eindruck täuscht da die Route extrem technisch ist.
Die genialste Länge war die 6. Seillänge eine Kante mit einer Rißspur welche sich wie eine Doppelkante klettern ließ. Als sich der Tag dem Ende neigte hatten wir es geschafft. Gleichfalls waren wir aber so erschöpft, dass wir den Rückweg zum Auto gerade noch schafften. Da alle bestehenden Topos falsch sind und die Schwierigkeiten ebenso habe ich von der Wand ein neues Topo erstellt. Anzumerken ist, dass beim Topo die letzten Stände der Super Cyril eventuell falsch seien könnten da meine Begehung schon 2 Jahre her ist.


Tobias Wolf in der 6.Sl (Foto Stephan Isensee)


Topo "La Srimma Nuda und Super Cyrill" (Foto und Topo Tobias Wolf)


Obwohl wir am Abend nicht an Klettern denken konnten und schon gar nicht an Sonne nahmen wir uns für den Folgetag die sehr inhomogene Route „Filo A Piombo“ vor. Eigentlich in der aber es fehlten uns die Alternativen.
Topo "Filo a piombo" (Topo Luca Auguadri)
Laut Topo die längste Route in diesen Urlaub aber auch nicht länger als 220m. Das Interessanteste war die Schlüssellänge die mir glücklicherweise im o.s. gelang. Erst ein überhängender Riß der zum teil schmerzhaft war und dann eine Hangel wo die Tritte fehlten und die Finger nicht in den Riß passten. Eine sehr schwere 7b+ war mein empfinden. Später erfuhr ich von Matteo, das eine Rippe abgebrochen sei und somit das Ganze nur noch für 7c/7c+ zu haben ist. Das erklärt immerhin, warum ich die Hangel nur durch einen wilden Schnapper noch zum Durchstieg überzeugen konnte. Als danach die Sonne in die Wand kam, war Schluss mit lustig und selbst die Sandalen fingen an zu drücken. Wanderfreunden sei auf jeden Fall die Wanderung ins „Val di Foioi“ zu empfehlen. Die Natursteintreppen sind an manchen Stellen echt beeindruckend und auch für Kletterer im Abstieg noch ein Erlebnis.

So ging der Urlaub leider zu Ende aber ich war auch etwas geschafft und freute mich mal auf etwas anderes.

Bemerkung:
weitere Topos vom Tessin (leider nur auf italienisch) gibt es unter:
http://www.bigwall.altervista.org/Newtopos.html

Ein Topo in Englisch mit Beschreibung und Zustieg ist verfügbar./ An english topo including the approach is available under:
http://www.bigwall.altervista.org/topo/sagabavona.pdf



Montag, 20. August 2012

Ein langes Wochenende (aka „Baston la Baff“)

Wenn man durch Beruf und Familie weniger Zeit hat um seine Leidenschaft zu frönen, gibt es verschiedene Lösungsansätze. Einer davon ist die jede Möglichkeit die sich einem bietet so gut es geht zu nutzen. Das ist auch die von mir präferierte Lösung. Es war einmal eine normale Arbeitswoche, eigentlich nichts Ungewöhnliches mit Besprechungen und Terminen. Einer davon fiel auf den Montag den 20.08 um 13 Uhr in der Nähe von Pforzheim. Nichts Ungewöhnliches wie man denkt. Zeitlich so gelegen das man wenn man zeitig losfährt die 6 h Anreise problemlos am gleichen Tag meistern kann. Doch mir offenbarte sich hier eine Gelegenheit, eine Chance nach einer Mehrseillängenroute in den Alpen. Die Wetterprognose war stabil aber viel zu warm.

Mit Paul Sass fand ich den richtigen Partner für verrückte Ideen, denn was ist schon eine Leidenschaft die man mit niemand teilen kann. Paul ist da genau der richtige Mann für so etwas. Mann sagt von Paul, dass er erst so richtig an seine Grenze gehen kann wenn der Fels brüchig und nass ist. Einzige Möglichkeit dies noch zu steigern ist, wenn dabei die Absicherung schlecht ist. Vielleicht liegt das auch an dem sagenumwobenen Fakt, das Paul den Wodka schon mit der Muttermilch getrunken hat weshalb ihn viele liebevoll den „russischen Bergfreund“ nennen.
(Paul Sass aka "russischer Bergfreund", Foto Paul Sass)
(Das Ziel,Scheideggwetterhorn Nordwand, Foto Paul Sass) 

Das Team stand und mit ca. 60h auch das Zeitfenster nur das Ziel fehlte noch. Wegen des Wetters musste es eine Nordwand sein. Für mich schön, schwer und lang sowie für Paul alpin, wild und fast unmöglich zu schaffen. „Baston la Baff“ am Scheideggwetterhorn war die Lösung, ein 1100 m hohe Nordwand mit Schwierigkeiten bis 7c. Eigentlich ein realistisches Ziel aber in dieser kurzen Zeit??? Einen Versuch war es wert.
(Topo von "Baston la Baff" von Nicolas Zambetti) 

Nach 900 km Anreise erreichten wir nach Mitternacht den Parkplatz der Großen Scheidegg bei Grindelwald. Wir hatten vorsorglich ein Matratzenlager gebucht um problemlos auf dem Parkplatz am Hotel parken zu dürfen. Nach einer viel zu kurzen Nacht ging es los. Frühstücken, Rucksack packen usw. Gegen 8:00 Uhr stiegen wir ein und die Zeit läuft. Aus Zeitmangel haben wir uns entschieden die ersten 4 liegenden SL wegzulassen und die Route „Niedermann“ solo zum ersten Band zu klettern.
(Tobias Wolf am Einstie, Foto Paul Sass)

 Das war nötig um unser Tagesziel nach der Länge 18 realistisch erscheinen zu lassen. Also ging es bei uns mit der 5.SL los. Genialer fester Fels und ausreichend Absicherung waren anzutreffen. Ungewöhnlich war nur, dass die Arme extrem schnell dick wurden. Ob das an der langen Anreise, dem fehlenden Schaf oder an der Höhenluft lag ist schwer zu sagen. Sicher ist nur eins, dass dies fast den ganzen Tag anhielt. Wir kamen gut über das erste Steilstück und auch der Haulbag war mit nur 9 Liter Wasser nicht zu schwer. Frohen Mutes versuchten wir bei den liegenden Längen Zeit zu gewinnen hatte aber mit der Routenfindung etwas zu kämpfen.
(Die 5. Sl 7a+, Foto Paul Sass) 

Mehr als einmal fanden wir den Stand nicht und sorgten uns dadurch über das Abseilen. Auch war der Zeitdruck was dies angeht eher hinderlich. Als das Seil in der 10. Sl schon fast ausgestiegen war und Paul den ersten Bohrhaken der 11. Sl einhängte passierte es dann. Es war eine dieser Kleinigkeiten, welche man schneller bereut als man denkt. Beim Einhängen des Bohrhakens hatte sich Paul auf eine 40 x 40 cm große Platte gestellt. Sie war lose, lag aber auf felsigen Untergrund. Was Paul nicht wusste war, dass in dieser extrem glatten Schieferartigen Felsschicht die Reibung der Platte gerade so ausreichte, um ihr Eigengewicht zu tragen. Durch Pauls Zusatzgewicht kam diese in rutschen und nahm Fahrt auf. Durch einen Aufschwung zwischen uns konnte ich nichts erkennen hörte aber etwas Großes die Wand herunterscheppern und war wie versteinert. Paul, der rechtzeitig von der Platte gesprungen war, schrie „Stein“ und konnte nur zusehen wie die Steinplatter genau auf die Stelle zustürzte wo die Seile hinter der Stufe verschwanden und mein Stand war. Ich sah nichts und hörte nur das Donnern. Ich überlegte kurz mich auszubinden damit ich seitlich auf der Reibung weglaufen könnte entschied mich aber dagegen. Schließlich ging ich soweit nach rechts wie es meine 2 m Seil zuließen kauerte mich hin und wartete ängstlich. Das Getöse wurde lauter und dann kamen die Steine auch schon geflogen. Die Größte Platte traf genau den Standplatz wo ich eben noch gehangen hatte. Kleinere Steine trafen mich zwar aber diese verursachten nur blaue Flecke. Danach banges Schweigen. Keiner konnte den Anderen sehen. Der Donner verhallte und ich atmete auf. Glück gehabt das hätte ins Auge gehen können. Mit zitternden Knien kletterte ich zu Paul. Der Schreck steckte uns noch in allen Knochen und ich begann mich vor dem Abseilen zu fürchten doch wir wollten weiter. Wir einigten uns das Tempo etwas zu drosseln besonders wenn der Fels brüchig war um zu verhindern, dass durch das Seil Geröll ins Rutschen gerät, denn davon gab es auf den Bändern mehr als genug.

(Die 8.Sl 6a, Foto Paul Sass)

 Ohne weitere Zwischenfälle erreichten wir „Mur de Ceüse“ eine kompakte steile Wand mit großen Löchern. Paul kämpfte sich o.s. durch die erste Länge, welche für 7a+ sehr anstrengend war. Alle großen Löcher waren nach unten flach und die Reibung des Kalkes eher gering. Mit sehr dicken Armen stieg ich nach und schaute skeptisch auf die 17 Sl. „Ob man das für 7b+ klettern kann“, fragte ich mich und stieg ein. Ich bekam immer noch schnell dicke Arme und war kurzatmig. Also nutzte ich jeden Schüttelpunkt und versuchte die Route so gut es ging zu lesen. Zögernd fand ich meinen Weg und schlich mäandernd über die Reibung dem Stand entgegen. Die Freude war groß hatte ich doch die erste Schlüssellänge gemeistert. Trotz des mäßigen Tempos erreichten wir gegen 16:00 Uhr die Länge „Full Gaz“, unser eigentliches Tagesziel.

(Die 16. Sl "Mur de Ceüse 7a+, Foto Tobias Wolf) 

(Die 17. Sl "Mur de Ceüse" 7b+, Foto Paul Sass) 

Vielleicht lag unser schnelles vorankommen daran, dass wir den Haulbag parallel zum Sichern des Nachsteigers nach oben zogen. Sobald man also als Vorsteiger am Stand ankam ging der Stress los. Es hieß Seil einziehen, mit dem Reverso den Nachsteiger sichern und nebenbei den ca. 20 kg Haulbag raufziehen. Wenn dann der Nachsteiger am Stand ankam, mussten alle Seile sortiert und alles zum Weiterklettern vorbereitet sein. Erst wenn man den Seilpartner wieder im Vorstieg sicherte hatte man etwas Zeit die Aussicht zu genießen. Dieses straffe Programm macht durchaus Sinn, den bei 20 Sl am Tag nur 5 Minuten am Stand vertrödelt sind das 100 Minuten Verlust am ganzen Klettertag. Zurück zur Route. Wir standen am Fuß der 21.Sl mit dem Namen „Full Gaz“ eine spiegelglatte senkrechte Platte mit Seit- und Untergriffen. Die Sonne schien mittlerweile in die Wand und brannte auf uns hernieder. Entrinnen gab es keines und unser Wasser war knapp kalkuliert. Warten und Zweifeln half alles nichts und so nahm ich die Länge in Angriff. Delikate technische Züge führten zur Crux mit scharfen Griffen. Viel Zeit zum suchen blieb mir nicht, den mir liefen die Arme zu. Ich entschied mich für eine Linie abseits der Haken und ergriff die Flucht nach vorne und zwar mit Vollgas. Ich schnappte mehrfach aber es glückte. Ich kam an einen schlechten Ruhepunkt sondierte den Weiterweg und drehte noch einmal voll auf. Mit seht dicken Armen und halb dynamisch erreichte ich den Außstiegshenkel und freute mich wie ein Kind die SL 21. geschafft zu haben. Jetzt war der Weiterweg frei um eventuell noch das Biwak nach der 24. Sl zu erreichen. Doch es fehlte noch der „Fissure Baston“. Da Paul schon von dieser genialen 60m Rißlinie schwärmte, gab es für ihn nur den Vorstieg und immerhin wusste der Riß das auch, denn er war in der Mitte patschnass. Also nahm Paul alles Material und stieg ein. Ich versuchte hinter dem Haulbag etwas Schatten zu finden während Paul sich hochkämpfte. Die nasse Stelle war auch gleich die Crux und so war Paul voll in seinem Element. Jetzt kam der russische Bergfreund erst richtig in Fahrt. Der „Fissure Baston“ ist mit 7b schon nahe an Pauls o.s. Limit und wir hatten bereits 16 Sl und viele Meter haulen hinter uns. Trotzdem oder gerade deshalb ließ sich Paul nicht lumpen und stieg die Länge schnaufend wie eine Dampflock durch. Im Nachhinein meinte er, „es wäre nur der Rißbonus, weshalb es hier 7b gibt“. Ich denke jedoch die Bewertung passt schon, da die Länge anhaltend und steil ist. Ich musste mich im Nachstieg auch ganz schön quälen um mit den engen Kletterschuhen und schmerzenden Füße in den Riß zu treten. Es half aber alles nichts ohne ging es nicht.

(Biwak nach Länge 24, Foto Paul Sass)

 Gegen 20:30 Uhr waren wir endlich nach 20 Sl Kletterei am Biwakband. Es war zwar schmal aber eben. Erst jetzt hatten wir Zeit die Landschaft in aller Ruhe zu betrachten und den Sonnenuntergang zu genießen. Trotz Daunenjacke und warmen Essen war mir vor Erschöpfung ganz kalt. Ich hatte mir die Waden in der Sonne verbrannt und war todmüde. Doch es half alles nichts essen mussten wir jetzt und zwar so viel wie möglich. Noch ehe ich es mich versah lag Paul im Schlafsack und ich machte es mir auf den Haulbags bequem. Ich hatte aus Gewichtsgründen auf eine normale Isomatte verzichtet und schlief auf den 2 Haulbags. Doch von Schlafen kann keine Rede sein, denn es tropfte uns die ganze Nacht ins Gesicht. Die Nacht verging in einem unruhigen Schlaf und beim Aufstehen hatte keiner von uns das Gefühl überhaupt geschlafen zu haben. Immerhin mussten wir die Nacht weder klettern noch haulen was an sich ja schon mal angenehm war. Die Vorfreude auf den vo uns liegenden Tag wurde noch Größer mit dem Wissen, dass der große Haulbag (90 l) am Biwak bleibt und es nur mit dem kleinen Haulpack (20 l) weiter geht. Dank der morgendlichen Kälte gab es ein romantisches Frühstück im Bett und Paul berichtete mir von seinen nächtlichen Abenteuern als er in Socken ungesichert vom Band kletterte um sich zu entleeren. Respekt!

(Tobias Wolf im Biwak, Foto Paul Sass) 

Die erste Länge stellt mit 7c die Crux der gesamten Route da was am Morgen aus der Kalten sehr unschön ist. So kletterte ich die vorhergehende Sl noch einmal im Toprope und freute mich über die kalten und gefühllosen Finger. Das Gefühl des Kitzels steigert die Durchblutung und danach werden die Hände nach meiner Erfahrung nicht mehr so kalt. Ohne weitere Verzögerung ging es also los. Die Cruxlänge „Gänsegeier“ erst einmal fing gut an und war bis zum letzten BH in der Mitte des Überhanges noch dankbar. Dort ging es aber richtig los. Ich entschied mich nach Links zu queren stellte jedoch bald fest das dies nicht optimal war. Meine Arme waren aber bereits so dick, dass es kein zurück mehr gab und ich ergriff die Flucht nach vorne. Auf Reibung stehend und mit Untergriffen querte ich zur Verschneidung. Meine Unterarme waren so dick, das ich nicht weiß wieso ich hängen geblieben bin. Die Züge hatten auch nichts mit 7a obligatorisch zu tun. Ich schaffte es gerade noch rechtzeitig mich auf die Reibung zu Retten und hätte mich fast vor Erschöpfung übergeben. Am Stand war die Freude groß, denn das war endlich die Crux. Hoffentlich hatte ich mich nicht zu sehr verausgab denn das Gefühl der Erschöpfung hielt weiterhin an.

(Tobias Wolf in "Intifada", Sl 28 6a+, Foto Paul Sass)

 Die Angst jetzt noch zu scheitern war fast greifbar. Ich versuchte meine Erwartungshaltung so gering wie möglich zu halten und zählte die verbleibenden Längen rückwärts. Einerseits fürchtete ich das große Unbekannte was noch vor mir lag, andererseits Trieb uns die schier unstillbare Neugier nach dem Unbekannten voran. Dazu kam die Angst vor dem Abseilen, vielleicht das gefährlichste überhaupt. Am Ende siegte die Logik das begonnene zu vollenden. Paul durfte den „russischen Bergfreund“ ausleben und bekam eine Länge mit brüchigen Fels und die sehr anstrengende Länge „Splash“ die ihm im ebenfalls o.s. gelang und schon stand ich vor der allerletzten Hürde dieser Felsmauer „Al Quaida“. Sehr schwer zu lesen und scharfe Griffe charakterisieren die letzte und alles entscheidende 7b+ Länge.

(Paul Sass in Sl 31, "Splash" 7a+, Foto Tobias Wolf)

 Es dauerte schier endlos die richtigen Griffe zu finden. Einigen Griffen wäre ich sogar beinahe in die Tiefe gefolgt, doch ich hatte auch hier wieder einmal viel Glück. Der Rest war Formsache. Gegen 16:30 Uhr standen wir auf dem Gipfel und freute uns über die gelungene Begehung. Das dies für mich komplett im o.s. bzw. flash ging war eine echte Krönung. Laut Gipfelbuch hatten wir die 3. Begehung und wirklich Glück mit dem Wetter. Doch die Freude dauerte nur kurz denn wir mussten schnell abseilen um die Stände noch im bei Tageslicht zu finden. Gegen 21:30 Uhr war es dann vollbracht wir waren wieder am Wandfuß schleppten uns zur Hütte, duschten kurz und nahmen noch ein paar Kalorien zu uns.

(Am Ausstieg, Paul Sass und Tobias Wolf)
 Das war also ein langes Wochenende für uns nach 3h Schlaf war für uns die Nacht zu Ende damit Paul rechtzeitig am Flughafen in Basel eincheken konnte und ich fuhr weiter auf Arbeit. Die Bilanz dieses Wochenendes:
  • 2 zufriedene Kletterer 
  • 1100 Klettermeter 
  • 1100 Abseilmeter 
  • 1200 Km Auto fahren