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Donnerstag, 14. November 2024

Yosemite 2024

 


Es war wieder mal Herbst und auch dieses Jahr stand das Yosemite auf dem Plan. Ich war zwar etwas skeptisch ob die Motivation 2 Jahre hintereinander groß genug ist, aber es hat sich halt so ergeben.
Dieses Mal war ich mit dem Australier Zac Vertrees unterwegs mit dem ich bereits 2014 Golden Gate geklettert hatte.
Da es letztes Jahr Anfang Oktober noch zu heiß war und wir nur im Schatten klettern konnten entschieden wir uns erst Mitte Oktober im Valley aufzuschlagen. Dies war auch die richtige Entscheidung, denn der gesamte Oktober war noch wärmer als im Jahr zuvor.
Wir hielten uns nicht lange mit Einklettern auf, denn wir hatten großes vor. Bereits die 2. Route war 600m lang und heißt Daddy Issues 5.13d am Middle Cathedral Rock.

Daddy Issues geht auf der rechten Seite des Middle Cathedral Rocks hoch und teilt die ersten 9 SL mit Father Time


 

Vor der Crux ist warmmachen emopfehlenswert, denn die Kletterei ist fast wie am Campusboard. Weite Züge ohne Tritte.

Nur noch 5 SL bis zum Gipfel

Topo Daddy Issues


Trotz der nicht allzu schlechten Fitness mussten wir bald erkennen, dass unser eigentliches Ziel die Magic Mushroom zu probieren unrealistisch war. Zum einen mit der knappen Zeit, weil viele Längen geputzt werden mussten zum anderen wegen der großen Menge an Wasser und Essen was dafür die Wand heraufgezogen werden musste.

Da es nicht unser einziges Ziel war gingen wir zum nächsten Ziel über.


Sieht klein aus der Rucksack hat aber alle Haken, Hammer und Bohrer also 35 kg.


Die Orangenen Linie (Mirage) wollten wir frei versuchen.



Jedes mal wenn ich in den letzten Jahren die Westseite des El Capitan besucht habe fiel mein Blick auf die Wand links von Lurking Fear. Es ging auch das Gerücht im Valley herum, das in dieser Wand noch eine Freikletteroute sein könnte , welche jedoch viele Bohrhaken erfordern würde.
Der Plan war also, eine Freikletterlinie in dieser 600m Wand zu suchen und ich war mir sicher wenn die ersten 300 m gingen würde der Rest auch schon gehen, denn dort waren deutlich mehr Strukturen vorhanden als unten. So einfach wie manche Sachen klingen sind sie jedoch nicht. Im Yosemite sind Bohrmaschinen verboten und das Handbohren eines Hakens ist anstrengend und dauert ca. 30 Minuten bei den im Valley üblichen 3/8" Bolts. Bei 60- 80 Haken die so eine Wand mindestens benötigen würde wären das 30 - 40 Stunden reine Bohrzeit. Ein unvorstellbarer Aufwand bei dem man innerhalb kürzester Zeit Überlastungserscheinungen haben würde falls man dies vorher nicht trainierte. Doch wo gab es bei uns in Sachsen Granit um das perfekte Gewicht für den Hammer sowie das Bohren zu testen. Ein Gartennachbar gab mir den Tipp einen alten Grabstein zu verwenden und gab mir auch gleich einen dazu.
Um es realistisch zu üben zog ich den 120kg schweren Stein an einem unsere Bäume im Garten hoch und spannte ihn mit einer Ratsche am Baum fest. So experimentierte ich und bohrte über 20 Löcher per Hand bis alles passte. Die verschiedenen Bohrertypen und Anschliffe der Bohrer testete ich natürlich auch und stoppte die Zeit die ein Loch jeweils benötigte. So fühlte ich mich gut vorbereitet für unser Vorhaben.


Bevor man so etwas in einer größeren Wand im Yosemite macht muss natürlich das ganze Material an die Wand geschleppt werden sowie eine benachbarte Aidroute bzw. Technotour zu einem Punkt hochgeaided werden, dass man die Wand nach den freiklettebaren Strukturen durchsuch. Später, also mit Seil von oben, versuchten wir diese Features zu verbinden. Das ist was ganz anderes als bei unseren bisherigen ground-up Erstbegehungen wo man von unten mit Bohrmaschine auf dem Rücken einsteigt. Da folgt man den kletterbaren Strukturen nach oben. Wenn man in eine Sackgasse gerät geht man ein Stück zurück und probiert es etwas weiter links oder rechts noch mal. So etwas passiert gelegentlich aber eher selten. Die natürlichen Strukturen der Felsen zeigen einem den richtigen Weg. In den über 25 Jahren die ich bereits Erstbegehungen mache endete weniger als 2% der Wege in einer Sackgasse die sich nicht auflösen ließ.  

Nicht so wenn man von oben kommt, da ist es etwas verwirrender. Es kann es sein das man irgendwann fast am Wandfuß angekommen ist aber die ersten 10m fehlen. Oder das man in der Mitte feststellt, dass es nicht weitergeht. Da muss man erneut von oben anfangen zu suchen. Es ist also fast wie ein Puzzel zu Lösen ohne das Gesamtbild zu kennen.

Persönlich finde ich, das Einbohren von oben ist der falsche Lösungsansatz für eine Erstbegehung. Zum einen weil die Haken beim anständigen einbohren von unten genau an der stecke stecken wo der Erstbegeher auch einen Haken benötigte. Ach hat der Wiederholer fast die gleichen Bedingungen wie der Erstbegeher. Aber wer möchte schon wochenlang Löcher mit der Hand bohren um dann festzustellen, dass er mehrere bestehende Routen verändert hat und trotzdem nichts zum Freiklettern dabei rausgekommen ist. Auch historisch gesehen ist das im Valley die übliche Erschließungsmethode, denn erst die vielen Aidrouten haben den El Capitan überhaupt erst freikletterbar gemacht doch das ist eine andere Geschichte die ich hier nicht erzählen werde.

Beim rumpendeln in der Wand von Mirage.


Leider fehlten bei unserer Idee an mindestens 3 Stellen 5 - 6 Meter wo es keine Strukturen gab. Also war alles umsonst gewesen selbst eine dieser Stellen hätte schon gereicht die Idee scheitern zu lassen. Es ist zwar schade das man 580m Kletterei ausschließt, weil wenig Meter nicht gehen, aber so viel Aufwand für eine 99% Freikletterroute dazu hatten wir keine Lust. Also 400m Seile, Haken, Bohrer, Hammer, Friends, Keile usw. wieder runterschleppen und einen Haken an das ganze Projekt gemacht. Leider!!

Als Notnagel wollten wir die Route Premuir am El Capitan probieren. Bis auf 4 Seillängen kannte ich diese Weg bereits durch die 2. Begehung der Shaft vor 10 Jahren. Das waren bei 33 Längen jetzt nicht so viele neue Längen aber besser als nichts. Beim ersten Mal machte uns das Wetter einen Strich durch die Rechnung und wir seilten mit dem ganzen Gepäck nach 20 SL wieder ab. Beim 2. Mal war es ein unangenehmer Sturz von Zac der in einer schmerzenden Schulter und zwei großen Beulen am Kopf der uns eine Länge und eine Woche später erneut abseilen ließ.

Mit viel Gepäck ging es 2 mal in die Wand

Bei der 12b Länge weg vom Pharao Ledge fiel Zac kopfüber runter.

Die 12d Länge zu den Grey Ledges.

 

Nach so vielen Rückschlägen war zwar noch nicht das Ende des Urlaubs, aber das Ende der Motivation erreicht und wir entschieden uns das Yosemite vorzeitig zu verlassen.

 


Vielleicht war ich bei meinen letzten Besuchen im Valley zu sehr verwöhnt, weil immer sehr viele Routen glückten, vielleicht ist auch nicht mehr so viel übrig was ich noch nicht kenne und der Rest ist eher etwas speziell.

Samstag, 25. Mai 2024

Die 100. Mehrseillängenroute 8a oder schwere.

Eine Collage aus über 300 Bildern von diesen 8er Routen und den Leuten mit denen ich dies erlebt habe bzw. die es erst möglich gemacht haben. Da die meisten Wege davon im Yosemite waren der El Capitan als Motiv.




Beim letzten Verdontrip kam das Erstbegehen  leider etwas zu kurz. Die Wände passten einfach nicht zu dem Wetter. So wurde etwas mehr geklettert und weniger gearbeitet.
Auch gut, so bekammen wir ein paar neue Sektoren zu sehen.
 

Zudem kam ich so zu einem Jubiläum der besonderen Art. Unterstützt von Julian, kletterte ich mit "Les Points sur le Y" 8a+ am Le Tellion meine 100. Mehrseilenlänge ab 8a aufwärts Rotpunkt. Die Route kann durchaus als gute Zusammenfassung vieler anderen Route gesehen werden den bei den 260m war wirklich alles dabei:

Es gab einen zeitigen Start, eiskalte Finger & Füße, geniale Plattenstellen, Hängestände, Ausdauerlängen, tolle Fingerlöcher, fehlende Bohrhakenlaschen, gerade so Durchstiege, brüchiger Passagen, gruselig und bewachsener Fels, nasse Griffe, scharfe Seilzerfressende Kante, weite Hakenabstände, Steinschlag, schmerzende Füße, blutige Finger, zugewachsene Risse und der Griff in Grass, weil nichts anderes zum Festhalten da war.
Für wen das alles gut klingt, dem sei das Wiederholen selten begangener Routen ans Herz gelegt.

Der Tellion ist ca 30 min von der Verdonschlucht entfernt und 260m hoch.

Die Crux der 100. Route im franz 8. Grad war 8a+

 

Als ob Julian geahnt hat wie besch... einige leichte Längen werden, hat er sich fürs Jümarn entschieden. Dies war nur bei 3 der 100 Routen der Fall und ich fühle mich jedesmal geehrt, dass Freunde dies zur Unterstützung für mich machen.



Hier noch eine kleine Zusammenfassung der 100 Routen:
Sie wurden innerhalb von 24 Jahren auf 5 verschiedenen Kontinenten geklettert. Die längste Route hatte 42 Seillängen die kürzeste nur 3. Am längsten benötigten wir 12 Tage für eine Route.
6 waren Erstbegehunge von uns und 6 am El Capitan insgesamt 14 (>5.13b) waren im Yosemite.
Die meisten gingen wir mit einem kleine Rucksack an also leichtem Gepäck an bei einer  zogen wir 150kg die Wand hinauf.
Bei einer benötigte ich für den Durchstieg der Schlüssellänge 3 Tage bei einer anderen kletterte ich die Crux im Flash. Bei einer Route musste 6x der französische 8. Grad an einem Tag geklettert werden bei anderen war es nur eine einzelne Länge. Eine Route hing über 100m über andere waren fast senkrecht. Bei einer Route war der Zustieg weniger als eine Minute bei einer anderen hatten wir früh 4h & 2000 Höhenmeter im Zustieg und Nachmittags das gleich im Abstieg. Bei den meisten Routen mussten wir extrem zeitig aufstehen um das ausbouldern und Durchsteigen an einem Tag zu schaffen bei anderen konnte man wegen der Sonne erst nach dem Mittag einsteigen. Bei einer Route steckten nicht mal am Stand ein Bohrhaken andere waren komplett gebohrt.
Bei einer Erstbegehung versuchten wir so wenig wie möglich Haken zu setzen und Helden zu spielen bei einer anderen versetzen wir einige Haken nach dem Erstbegehen von unten noch einmal um den Klettergenuss und nicht die obligatorische Schwierigkeit hervorzuheben.

So verschieden die Wege sind, hatten sie alle ein gemeinsam. Am Anfang war nie sicher ob ich die Route schaffen kann und der Erfolg stand fast immer auf Messers Schneide. Egal ob wegen mentaler oder physischer Ermüdung bzw. wegen Zeitmangel oder Wetterumschwung. Alle waren für sich ein bleibendes Erlebniss was in der Summe mehr war als nur Klettern im Klettergarten.
Ob es noch mal so viele schwere  Routen bis zu meiner Kletterrente werden wage ich zu bezweifeln aber man sollte ja niemals nie sagen. Mal sehen wie lange mich die hohen Wände noch reitzen bevor mich die altersbedingte Höhenangst packt.

Falls sich doch Jemand für ein paar Namen Interessiert hier eine kleine Auswahl:

Hotel Supramonte 8b, Delicatessen 8b, Jolie Fleur...8b, Ultime Demence 8b, Karma 8b, Direct Line 8a/b, El Corazon 8a, El Nino 8a+, Golden Gate 8a, Alibaba 8a++, Dame Cookie 8a+, Arbre magique de rêve 8a+, Lalan'i Mpanjaka 8a+, Slab Dance 8a+, L'Ora de Gada 8a /8a+, Via della Cathedrale 8a+, Super Cyril 8a+, Le Grand Ecran 8a, Giallo Dream 8a, Donnafugata 8a, Zeichensprache 8a, Cleopatra 8a,... und viele mehr.

Eine nicht ganz vollständige Sortierung nach den Gebieten gibt es hier: --> http://kayakandclimb.blogspot.com/search/label/Ticklist

Danke noch mal an alle die das möglich gemacht haben, es waren echt geile Erlebnisse von denen ich noch im Altersheim träumen kann. 

 

Da viele Leute Fragen wie Verdon war: Wie immer Beeindruckend.

Auch Julian kam nicht zu kurz, er kletterte seine erste 8a in einer Mehrseillängenroute und überhaubt. Danach folgte noch eine 8a im Sportklettergebiet und eine auf dem Rückweg durch Franken.

Der Obere Teil der Verdonschlucht.
Im Unteren Teil der Verdonschlucht gibts eine etwas brüchige Wand direkt überm Wasser.




Erst einmal 1,5 h vor der Sonne versecken ehe es los ging.mit Klettern.

Und dann ging es endlich los.



Samstag, 11. November 2023

Zusammenfassung Yosemite 2023

 

Es war wieder mal schön.

Die Zeit im Yosemite war wieder mal schön, wenn nicht sogar ganz schön anstrengend.
Hier ein Zusammenfassung unserer 5,5 Wochen:

125 Seillängen (Sl) wurden geklettert davon waren
23 Sl x 5.13
30 Sl x 5.12
und über 50h Zu- und Abstieg

Wet Lycra Nightmare 5.13d ( 8.Begehung)
Karma 5.13d ( Erste freie Begehung)
Blue Colar 5.13c (wahrscheinlich 3. Begehung)
The Light Hearthed 5.13b (2. Begehung)
The Nexus 5.13a/b
Misty Wall 5.13a
Dream Team 5.13a
Eye of Sauron 5.13a ( letzten 3 Sl weggelassen, schlechteste Route diesen Urlaub)
Mama 5.12a

Also es war mal wieder ein richtiger Aktivurlaub und ich freue mich wieder auf meine Lieben zu Hause und auf ein paar körperlich entspannendere Bürotage.


Donnerstag, 2. November 2023

Free Karma on Half Dome

 

Die Südseite des Half Dom bekommt man nur nach mehrstündigen Fußmarsch zu sehen.


 Die Tritte sind winzig und glatt und die Griffe sind nur 2mm Leisten für 2-3 Finger. Trotzdem muss die volle Last drauf sonst geht die Route nicht frei. Der Fuß rutscht und ich stürze. Nach weiteren Fehlversuchen glückt die Einzelstelle zum ersten Mal, ob das noch einmal gelingt ist fraglich. Also konzentriert dranbleiben und voll auf die Füße stellen. Es folgen noch einige windige Trittwechsel und entweder der Stützer von Olis Variante oder eine 2mm Leiste bis zum Bauch durchlaufen. Ich bleibe bei meiner Variante und erreiche gerade so den Zielgriff. Voll aufgespannt angele ich überkreuz den nächsten kleinen Tritt und schiebe mich auf die größer werdenden Felsader. Juhu! Es ist geschafft, die Route geht frei zu klettern. Der Rest der 40m Seillänge geht wie in Trance. Ich balanciere auf der Felsader mit traumwandlerischer Sicherheit dem nächsten Stand entgegen.

 

Wir planten 5-6 Tage am Half Dom zu verbringen. So hatte jeder von uns mit Essen und Kletterzeug einen 26kg Rucksack. Die gesamt 27 Litter Wasser würden 1,5 h vor dem Einstieg dazukommen.

Das klingt alles nicht wie typische Yosemite Kletterei, wir sind aber immer noch hier. Nachdem es endlich etwas kühler wurde, sind wir mit Portaledge und Essen für 5-6 Tage zur Südwand des Half Dome gelaufen. Dort wurde im Juli 1986 mit der Route "Karma" von Dave Schulz & Ken Yager & Jim Campbell eine der beeindruckensten Felsformationen erstbegangen. Eine Felsader (englisch Dike), die sich diagonal durch die Wand zieht. 

 

Bei der 5. Sl war die Dike das erste mal unterbrochen und Kletterei sowie Reibungsklettern für 13a war notwendig für die freie Behehung.

Die 6. Seillänge wurde 13b und bringt uns langsam zum steilstenTeil der Wand. Dadurch ist es trotz der breiten Felsader kaum möglich darauf zu stehen ohne rauszukippen.

Von den 14 Seillängen sind nur die letzten drei ohne Felsadern. Manchmal ist die Dike kaum zu erahnen, manchmal so breit, dass man bequem darauf laufen kann. Die Einstufung der Route nach der Erstbegehung ist der blanke Hohn. 5.11d und viele Stellen A0 stehen im Topo. Dave Schulz ist ein begnadeter Reibungskletterer, welcher im selben Jahr die Nachbarroute "Southern Bell" 5.12d R erstbegangen hat. Das R nach der Schwierigkeit steht für "runout" und bedeutet sehr anspruchsvolle Absicherung. Für "Southern Bell" kehrte er 1988 zurück und holte sich mit Scott Coscrove die erste freie Begehung. Die Route "Karma" war da ein ganz anderes Kaliber. Über 10 Jahre lang kehrte er zusammen mit Brooke Sandahl immer wieder zu "Karma" zurück um diese freizuklettern. Dabei steckten beide viel Liebe in die Route und ersetzten viele alte Haken durch neue oder schlugen zusätzliche Haken zur besseren Absicherung.

 

So sah das einzige verfügbare Topo der Route aus, nadem ich die verbalen nach der Ergänzungen die von Brooke eingearbeitet hatte. Es waren quasi 3 Seillängen die noch nicht durchgestiegen waren. Bei 2 davon waren die Einzelzüge noch nicht gelößt.

 Auch Brooke ist beim amerikanischen Klettern kein unbeschriebenes Blatt. Die erste Freie Begehung vom "South Face" am Mt. Whatkins geht auf sein Konto und er war damals zusammen mit Lynn Hill an der "Nose" aktiv. Aus Mangel an Zeit und Wasser gab Brooke seine Ambitionen in der "Nose" auf, damit Lynn die erste freie Begehung holen konnte. Vor 6 Jahren waren Brooke und Dave zum letzten mal am "Karma-Projekt" wie er die Route mitlerweile nannten. Dabei erlitt Dave einen Herzinfakt und nur durch sehr umsichtiges Handeln seines Partners überlebte er dies in dieser abgeschiedenen Region ohne Handyempfang. Seitdem versuchte Brooke immer wieder mich zu überzeugen das "Karma-Projekt" zu probieren und dort sind wir jetzt. Bisher konnten wir alle Längen durchsteigen und es gab bisher (also bis zur 9. Sl) nicht eine einzige ohne diese abgefahrenen Felsadern, denoch ist die Kletterei recht anspruchsvoll. Zum Einen sind 4 x 5.13er sehr anspruchsvoll zum Anderen quert die Felsader oberhalb eines großen Überhanges was das Abseilen irgendwann unmöglich macht. Also hat man nur die Möglichkeit sich voll auf die Route einzulassen und mit Portaledge einzusteigen. Der Auszug vom Beginn des Postes war am Abend des 2. Tages. Die letzte und schwerste der 5.13er war das letzte Puzzelteil was noch zum Duschstieg fehlte. An dieser Stelle war die Dike durch Errosion fast komplett verschwunden. Dieses Stück musste für den Weiterweg überbrückt werden. Wir boulderten jeder mehrere Stunden, doch es fehlten immer 1 oder 2 Züge. Wir versuchten es mit allen unseren Kletterschuhen und Oli zog sogar extra die Socken in den TC Pro an um einen klitzekleinen Vorteil auf den winzigen Tritten zu haben. Ich blieb bei meinen eingekletterten Miura VS Women, denn die neuen standen einfach noch nicht so gut auf den darauf folgenden Reibungstritten.


 

Die Wahl der Kletterschuh war das entscheidente Quäntchen.


Wenn man mal wieder einige Züge an der Dike gehangen hat ist man froh wieder darauf balancieren zu dürfen.

Am Morgen des 2. Tages lag wieder mal ein Teil der Quarzader vor uns der schwer werden würde.

 

Die Crux, 4-5 Meter die es in sich haben.

 

 Der aufmerksamme Leser wird sich jetzt fragen wie viele paar Kletterschuhe wir den 7 Meilen langen Zustieg hochgeschleppt haben. Die Antwort ist einfach Ich 3 Paar und Oli 2,5 Paar. Bei Routen wie diesen ist die Wahl der Schuhe erfolgsentscheidend. Im nächsten Versuch glückte mir die Einzelstelle zum ersten Mal und da dies direkt vom Stand weg war, kletterte ich weiter. Da ich mir die extrem wackelige 2. Crux am 2.BH gut angesehen hatte, glückte mir der schnelle Durchstieg. Somit war Oliver an der Reihe. Als es bei im etwas dauerte, weil die neuen TC Pro eine halbe Nummer größer ausfielen als die alten, habe ich in der zweiten Crux noch den alten 6mm Bohrhaken durch modernes Material ergänzt. 

 

An der 2. Crux noch einen neuen Haken.

Leider war Oli an diesem Abend der Durchstieg nicht mehr vergönnt und so schlugen wir unser Nachtlager bzw. das Portaledge genau an dem Ort auf wo wir uns befanden damit er am nächsten Tag weiter probieren konnte. Es wurde eine kühle aber klare Vollmondnacht. Das Little Yosemite lag zu unseren Füßen und Liberty Cap und Mount Brodenik leuchteten silbern im Mondschein.

Der Mond ging auf und da es ziehlich windig und kalt war haben wir das Rainfly in der ersten Nacht übers Portaledge gezogen.

Diese Aussicht sieht im Mondlicht noch schöner aus. Vorne Mt Brodenik und Liberty Cap und im letzten Sonnenlicht Liberty Bell.

Eigentlich hätte es die perfekte Nacht sein sollen, aber mir ist am Morgen aus versehen meine nagelneue Daunenjacke vom Portaledge gefallen. So wie es aussah lag diese genau am Einstieg der Nachbaroute und dort kletterte wärend des Tages eine andere Seilschaft. Also musste ich auf dem Rückwege einen Umwege von über 1h in Kauf nehmen, um diese wieder einzusammeln.  Am nächsten Morgen ließen wir uns von der Sonne aufwärmen und es war der wärmste Tag seit wir in der Wand waren. An den Fingern war es noch nicht zu warm, aber die Füße in den Kletterschuhen begannen zu Schmerzen. Oli probierte fleißig weiter und hatte die erste Schlüsselstelle bestimmt 10 mal geklettert. Jedoch die 2. Stelle warf ihm immer wieder ab. Wir hatten das Portaledge aufgebaut gelassen um Oli eine bessere Ruhemöglickeit zu geben.

 

Nach der 2. Nacht in der Wand direkt von der Crux aus fotografiert.


 Als die Sequenz der 2. Crux noch mal überarbeitet wurde und mittendrin eine winzige Stelle zum beruhigen der Nerven gefunden war, glückte Oli der Durchstieg. Die Freude war groß und wir konnten uns auf den Weiterweg machen.

Die Crux ist kurz aber dafür hatte sie es in sich.

 

 Es waren noch 5 Sl bis zum Gipfel und es waren auch noch 2 mal 5.12er dabei. Was ich aber am problematischsten empfand, war, dass die Wand nun extrem liegend und strukturiert war. Das ist für das Ziehen der Haulbags eher schlecht. So entleerten wir 10l von unserem Wasser, um leichter zu werden und beeilten uns zum Gipfel zu kommen bevor es dunkel wurde. Immerhin war noch der fünfstündige Abstieg am gleichen Tag geplant. Gegen 16:00 Uhr erreichten wir geschafft und zufrieden den Gipfel.  Am Gipfel wurde gleich das Handy eingeschalten und es war wieder Empfang. Oli hatte in der Heart Route die Telefonummer mit Alex Honold getauscht, weil er ja ein ganzes Jahr in Nordamerika bleiben würde. Jetzt kam eine SMS von Alex, dass sie in der Nachbarroute geklettert sind und meine Daunenjacke am Einstieg gefunden haben. Er hatte sie mitgenommen und ich könnte sie im Tal bei ihm abholen. So hat Alex mir einen großen Umweg ersparrt. Auch bekam Brooke gleich die Mitteilung per SMS "We did it!".

Geschafft, zumindest die Kletterei. Doch der 17km lange und anstrengende Abstieg runter ins Tal liegt noch vor uns.

 

Das aktuallisierte Topo nach unserer freien Begehung wird im nächsten Führer von Erik Sloan erscheinen.


Freitag, 27. Oktober 2023

Free Heart Route

 

Eine Aktualisierte Version des Topos von Erik Sloan. Er arbeitet gerade am neuen Führer und ist froh über Korrekturen.

Unsere Kletterlinie ( grün) am El Cap und Die markante Herzformation die der Route ihren Namen gab.

 Wir sind immer noch im Yosemite und es ist immer noch zu warm in der Sonne.
Über 30°C sind die Vorhersagen und an der Wand fühlt es sich mindestens wie 45°C an. Da kann man sich gut vorstellen wie sich ein Ei & Schinken in der Pfanne fühlen. Nur das in der Pfanne keins von beiden Kletterschuhe an den Füßen hat und auf Reibung stehen muss. Also es waren nicht die besten Bedingungen aber wir wollten trotzdem endlich am El Capitan einsteigen. Unser Ziel war die Free Heart Route, aber in der 6. Sl gibt es eine 2,5m abwärts und Seitwärtsdynamo welcher uns zu verlzungsträchtig war und wir deshalb einen anderen Einstieg wählten und die Route als "The light hearted" klettern wollten. (Einer der beiden Erstbegeher Brad Gobright wählte ebenfalls diesen Weg, weil er nach mehreren Jahren immer noch zu klein für den Sprung war) 

 

Nur abends wenn die Sonne an intensität verliert und früh zeitig wenn der Fels noch kühl ist kann man an den heißen Tagen am El Cap klettern.

Um die guten Bedingungen, die nur einen Tag anhalten sollten, für die mittleren Cruxlängen nutzen zu können, mussten wir an den heißesten Tagen einsteigen. Wir kletterten zwar einiges mit Stirnlampe, aber spätesten ab Mittags versteckten wir uns hinter den Daunenschlafsäcken vor der Sonne. Dabei glühte die Wand hinter uns deultich mehr als jede Sitzheizung die ich kennlernen durfte. Ja was soll ich sagen, die ersten Tage waren eine Qual nicht nur wegen dem vielem Wasser was wir wegen der Hitze haulen mussten. Wir hängten unser Portaledge genau unter dem großen Überhang im Herz, welcher der Route den Namen gab. Ab hier beginnt mit 3 x 5.13b der schwerste Teil der Route. 

 

Auf dem neuen 3kg Portaledge versteckten wir uns den halben Tag vor der Sonne hinter unseren Daunenschlafsäcken.

Erst im dunkel ist Oli vom auscheken der ersten Crux zurück. Fazit: Unten anstrengend aber ok, in der mitte schwer und oben keine Ahnung wie die Fingerrißspur gehen soll.

Ein weiterer Tag neigt sich dem Ende zu. Am mirgen kann ich einen Blick auf due erste 5.13 werfen.

Früh und Abends erfolgten kurze Sessions in der ersten der 5.13er Länge, aber diese war echt schwer. Erst ein sehr anstrengender überhängender Riß und dann eine Rißspur wo kaum die Finger reinpassen. An einer Stelle konnte ich nur den Zeigefinger in die Risspur stopfen um auf einer Minileiste aufzustehen. Dieser Griff hat mir später im Durchstieg den rechten Zeigefinger gehäutet. Deswegen gab ich mich später mit einem Rotkreis an dieser Stelle zufrieden. In der Mitte des Tages gesellten sich die beiden Hausmeister des El Capitan Tommy Caldwell und Alex Honold zu uns. Wir probierten die Länge zusammen und gaben uns gegenseitig Tipps.
 

Ab jetzt wird es eng an den Standplätzen.

Tommy Caldwell und Alex Honold nutzen unser Statikseil was bereits am nächsten Stand befestigt ist um die oberen Längen anzuschauen.

Bei der Gelegenheit bekommen wir auch mal ein paar Seillängen geputzt und die Griffe angechalked.

Es wurde ein gemütlicher Abend, wobei wir an den einzigen 2 Bolts hingen und Alex und Tommy an 3 mobilen Sicherungsmitteln und einem Baum.
So erfuhr ich auch, dass die Unterschrift auf meinem Edelrid Portaledge nicht nur aufgedruckt war sondern tatsächlich von Tommy stammt.

Aufwärmen wenn es gleich im ersten Tageslicht schwer wird. Mein Sitzbrett hat dafür extra eine Griffbrett- Leiste bekommen und als Toilette ist es auch sehr praktisch. 


Am nächsten Morgen ging es sehr zeitig los und Oli stieg die 13b im ersten Tageslicht durch. Das war zwar ein Kaltstart aber immer noch besser als die Hitze und die pralle Sonne, in der ich mich am Tag zuvor hochkämpfte. Die Schnapperzüge an den Auflegern ware dennoch grenzwertig.

Tommy Caldwell bei der ersten und schersten der 3 x 5.13b Längen. Ab da wird mehr nach dem nächsten Griff geschnappt als man eigentlich möchte.


Die nächste 5.13 startete mit einem Faustriß. Es folgte ein Quergang in eine sehr anstrengende Fingerißhangel und technische Wankletterei. Das Problem war nur, dass man oben so gepumpt war, dass sich die Wandkletterei anfühlte als versuche man mit einem 20kg Rucksack auf dem Rücken zu klettern. Im Durchstieg war es bei uns allen 4 sehr knapp aber es gab schöne Fotos von oben da Alex und Tommy unmittelbar hinter uns kletterten. Es war auch interessant zu sehen wie unterschiedlich die beiden die Routen auscheckten. Wenn wir auf winzige Details beim Ausbouldern achteten machten die anderen beiden lieber 2 Durchstiegsversuche mehr. Aber an Kraft und Ausdauer mangelte es ja bei den beiden nicht. Alex fragte mich im Scherz, ob ich die Route zwecks einer Solobegehung so gründlich ausbouldere. Er konnte nicht verstehen, dass ich das mache, um im Durchstieg Kraft zu sparen.



Oli im Nach- und Durchstieg der mittleren 13b dem Elevator Shaft. Nach oben wird es immer schwerer

Alex ist uns knapp auf den Fersen und machte einige wilde Schmapper.

Oben vor dem Stand gab es wilde Stützzüge. Da staunt der Laie und der Fachmann wundert sich.


Die letzte der 3 x 5.13er war eine scharfe und sehr raue Kante. Da die Bohrhaken rechts der Kante steckten und man diese sehr unsicher nach links abhangelte, hatten wir Angst, dass im Falle eines Sturzes das Seil beschädigt wird. Deshalb entschieden wir uns im Durchstieg zwei Seilenden, also Doppelseiltechnik zu verwenden. Auch hier wurde es knapp, aber auch das gelang uns beiden. 

 

Alex in der letzten 5.13, extrem raue Kantenkletterei.


Es folgte 2 mal 5.11 aber leider an hohlen Rippen. In der 2. Länge löste sich bei Oli eine Schuppe als er sie anfasste, weil sie nur lose im Riß steckte. Als sie auf die straff gespannte Expessschlinge, 2 Sicherungspunkte weiter unten fiel, durchtrennte sie diese mühelos. Der Schreck war groß aber zum Glück war nichts weiter passiert. So kletterten wir erleichtert weiter und dachten wir hätten das schwerste hinter uns, doch da sollte ich mich täuschen.

Ab dem nächsten Stand waren wir in der Route "Golden Gate" und richteten uns für die Nacht ein. Auch verbrachten wir hier den folgenden Tag als Ruhetag in der Wand.
Der Platz war toll und am Morgen kletterten Alex und Tommy an uns vorbei die verbleibenden 13 Längen zum Ausstieg. Ich war erstaunt, dass Tommy im Nachstieg recht lange in der "The Move" Länge rumboulderte. Auch das irische Team (Freja und George) war bis 14:00 Uhr mit nur dieser Länge beschäftigt. Ich dachte mir nichts weiter dabei, weil ich "Golden Gate" bereits 2010 geklettert hatte.

So schön kann Bigwall Klettern sein, zumindest in der Nacht hat man seine Ruhe.

Und ist es nicht ein Traum sich im Schlafsack umzudrehen und die 700m Luft unter einem zu genießen? So was wünsche ich mir öfters.

Die zwei Gipfelstürme Alex und Tommy ziehen mit leichtem Gepäck an uns vorbei.

Stau im Golden Gate die nächste 4er Seilschaft wartet hinter uns wärend wir hinter den Iren.

Ein entspannter Tag neigt sich dem Ende zu und wir haben uns keinen Meter bewegt.


Ich war ja schon immer ein Frühaufsteher, aber am 6.Tag in der Wand kam das böse Erwachen für mich in "The Move". Die Länge ist als 5.13a eingestuft und es ist auch bekannt, dass Aspiranten unter 1,70m deutlich mehr zeigen müssen als andere (ab 1,90m wirds ganz leicht). Das was hier von mir verlangt wurde war jedoch unmöglich. Es fehlte ein kompletter Zug und ich hatte keine Idee wie der gehen sollte. Vielleicht war eine der Leisten kleiner geworden oder ich war schon zu lange in der Wand oder dies oder jenes. Ich probierte so lange bis mir fast schlecht wurde von der Sonne, die auf mich niederbrannte. Irgendwann gab ich auf, denn wir mussten weiter zum nächsten Schlafplatz am "Tower to the People". Wir kletterten noch die darauf folgende Länge, aber meine Kraft und meine Motivation waren am Ende. Ich war niedergeschlagen und vollkommen ausgebrannt.
Es lag sicherlich nicht nur an der Sonne aber wenn man sieht, dass die Mühe und die Arbeit der letzten 6 Tage "umsonst" waren kann man schon mal durchhängen. Wir hatten noch Essen und Wasser für 2-3 Tage doch was sollten wir tun? Da die nächste Seilschaft unter uns wartete und Oli auch nicht länger als nötig in der Wand verbringen wollte, hatte er die rettende Idee.

Schönes Ambiente aber bedrückende Stimmung in mir. Was ist wenn ich " The Move" morgen wieder nicht schaffe?


Am kommenden Morgen seilten wir im dunklen 3 Sl zurück und ich hatte erneut die Möglichkeit 2h "The Move" noch dazu im Schatten zu probieren. Es ging etwas besser und nach über 1h zunageln von kleinen Leisten und dem Schultergriff gelang der Zug zum ersten mal seit 13 Jahren. Das war der Funke Hoffnung, den ich benötigt hatte und obwohl ich leider keine nagelneuen Schuhe dabei hatte, gelang es mit nochmal im Rotkreis. Alles was wir die letzten Wochen geklettert hatten, erschien jetzt viel leichter als diese kurze Zugfolge. Vielleicht war der äußere und innere Druck an dieser Stelle auch zu hoch als dass die Kletterbewegungen richtig fließen konnten. Der Druck auf den Schultergriffen war jedenfalls so immens, dass das Aufstehen auf dem einen Fuß sich meist unmöglich anfühlte. Diese Blockade im Kopf zu überwinden war viellecht die härteste Crux.

Die Seilschaft unter uns freuen sich am Tower to People schlafen zu können und richten sich für eine Regennacht ein. Wir klettern dem Ausstieg entgegen und hoffen vor dem Regen aussteigen zu können.

Es war kalt, windig und es roch nach Niederschlag. Hoffentlich kommen wir vor dem Regen aus der Wand.


Jetzt war der Weg frei für den Weiterweg, aber viel Kraft war bei mir nicht mehr da. Auf dem Zahnfleisch kriechend stieg ich auch noch die "A5 Traverse" und die restlichen Längen durch. Keine 2h nach dem wir Ausstiegen fing es an zu regnen.

Nicht nur ich war gerührt, auch das Yosemite weinte nach meiner 10. Freikletteroute am El Capitan.

Oli Am Ausstieg. Hinter ihm  neben dem Baum ist der letzte gebohrte Stand von Golden Gate.



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