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Mittwoch, 2. September 2026

Zu Besuch im Gesäuse

Die Steilabstürze des Hochzinödl sehen nur am späten Nachmittag etwas Sonne.



Ende August bot sich mal wieder die perfekte Gelegenheit, in den Alpen ein paar ordentliche Mehrseillängenrouten anzugehen. Der Haken an der Sache? Die anhaltende Sommerhitzewelle neigte sich dem Ende zu und das Wetter in den Bergen zeigte sich extrem instabil.
Besonders in den Westalpen waren die Vorhersagen extrem niederschlagsreich. Die Gebietsauswahl wurde also zur echten Knobelaufgabe. Da erinnerte ich mich an den Tipp eines Kletterfreundes: Das Gesäuse in der Steiermark. Der lokale Kletterführer ist zwar so dick, dass er ein klassisches Telefonbuch wie ein Taschenbuch aussehen lässt, aber er ist phänomenal informativ und absolut vollständig. Trotz des 2-Kilo-Wälzers ohne jegliche andere Vorabinformationen ging die Zielauswahl erstaunlich schnell.

Was man nicht an hat konnte beim Zustieg auch nicht Nass werden. Nur blöd das sich die Sonne an diesem Tag nur im Zustieg zeigte.

Am Ruhetag wurde fleißig geplant, der Rucksack gepackt und Gitarre spielen geübt.

Erste Klettermeter im Gesäuse


Aus logistischen Gründen setzten wir für den Start auf Ziele mit kurzen Zustiegen. Unsere Wahl fiel auf den „Covidpfeiler“ am Rinnerstein – mit 180 Metern eine knackige, kurze Route an der Südseite.
Obwohl es am frühen Morgen noch regnete, wollten wir den kühlen Tag nutzen. Die Zustiegswiesen waren klatschnass, ebenso die zweite und dritte Seillänge. Wir ließen uns nicht beirren: Die Absicherung war top und die Crux präsentierte sich steil und trocken. Allerdings hatte die Sache einen Haken: Die Länge war derart schmutzig, dass wir fast jeden Griff im Vorstieg putzen mussten. Ein sehr „spezielles“ Erlebnis.
Ähnlich erging es uns in der Route „Dailo, Dailo“. Hier seilten wir nach der Schlüssellänge entnervt ab. Unser Fazit: Die schweren Routen im Gesäuse bekommen wohl deutlich weniger Besuch als in anderen bekannten Klettergebieten. Zudem sammelt sich in den niedriger gelegenen Routen viele Schmutzpartikel welche aus darüberliegenden Bändern ausgewaschen werden.
Für uns stand fest: Wir müssen weiter rauf. Höher gelegene Ziele mit langen Zustiegen mussten her. Doch zuvor gönnten wir uns einen wohlverdienten Ruhetag mit Gitarre spielen, Herumalbern und Beine hochlegen.

Ab da wird die Crux von Daillo, Daillo schwer. Eigentlich tolle aber sehr weite Plattenzüge. Nach sehr ausgiebigen Putzen gings mit einem kurzen Hänger.

Daillo, Daillo zu begin der Cruxlänge.

Im Abstieg war der Einstieg unserer Route endlich trocken.

Die 6. Seillänge war nur zwischen 2. und 3. Haken Schwer danach war es nur noch pumpig.

Covidpfeiler die 3.und nasseste Seillänge. Der Führer hatte es auch vorhergesagt.



Das Hauptziel im Visier: Rosskuppe – „Superwix“ (9+, 9- obl., 400m)

Unser Plan für die nächsten Tage: Die Haindlkarhütte als Basecamp nutzen und von dort aus zwei große Routen klettern. Tag 1 hatte es logistisch direkt in sich: Der Zustieg zur Hütte musste mit komplettem Schlafzeug und Essen für drei Tage bewältigt werden – und von dort sollte es direkt weiter zum Einstieg gehen. Ein knackiger Fußmarsch von knapp drei Stunden, aber der Anblick der Wand war einfach genial.
Unser Tagesziel hieß „Superwix“. Zehn Seillängen klangen machbar, doch über die Hälfte davon bewegt sich im Neunten-Schwierigkeitsgrad. Da wir trotz des Aufstehens um 04:00 Uhr morgens nach erreichen der Wand nur noch rund 11 Stunden Tageslicht hatten, war das Zeitfenster extrem sportlich. Aber wer nicht wagt, der nicht gewinnt.

Sachen und Essen Packen für die Tage oben bei der Hütte. 

Nach der Hütte ging der Zustieg erst richtig los. Obwohl wir etwas gepäck an der Hütte gelassen hatten merkten wir die Höhenmeter.

Die nackten Fakten der Route: Superwix:

* Schwierigkeit: 9+ (9- obligatorisch)
* Wandhöhe: 400 Meter
* Die Seillängen: 8 | 8- | 9- | 9+ | 9+ | 9- | 8+ | 9

Eine zeitliche Punktlandung: Endlich Klettern.
Trotz der schattigen Nordwand war es 8:00 Uhr mogens bereits angenehm warm und der Fels sah gut aus. Die Motivation war riesig – auch wenn wir am Einstieg auf einem großen Grasband erst einmal direkt unter dem Standplatz einen riesigen Haufen Scheiße vorfanden. Kurzerhand bauten wir einen Steinmann darüber und legten los.
Schon die ersten Meter hatten es in sich: Nach etwas splittrigem Fels wurde es sofort extrem plattig, anspruchsvoll und zwingend zu klettern. Der Kalk war spiegelglatt, was auf den Tritten und weit über dem Haken für ordentlich Nervenkitzel sorgte. Issy, eigentlich duch nichts aus der Ruhe zu bringen ist, war bei der 1. Sl mehrfach voll auf Anschlag und ließ einige power-sceams hören. Bereits unten psychisch wie physisch extrem fordernd für den angegebenen Grad.

Von da unten sind wir heute früh losgelaufen und wir sind noch lange nicht da.

Der Begin der 3. Sl. Ab jetzt wirds steil und noch schwerer.

Der Kampf in den 9+ Längen

Nach einer weiteren 8er Länge war es das mit de. leichten Längen, den wir erreichten den steilen Wandbereich und die erste 9- Länge. Das Gelände war extrem unübersichtlich, weshalb Issy im On-Sight scheiterte. Nach kurzem Ausbouldern klappte es im zweiten Versuch. Dank seiner markierten Griffe konnte ich im Nachstieg direkt durchsteigen.
Jetzt war ich an der Reihe mit Ausbouldern in der ersten 9+ Länge. Acht Haken auf 40 Metern – das ist weder super gut noch extrem schlecht gesichert. Fakt war: In diesem unübersichtlichen, steilen Gelände musst du zwingend weite Strecken zwischen den Haken klettern. Um Kraft zu sparen, rastete ich an jedem Bolt. Ein paar Abflüge blieben dennoch nicht aus.
Der absolute Showdown kam kurz vor dem letzten Haken: Der Ausstieg aus einem Überhang auf eine glatte Platte. Mit völlig dicken Armen nach fast 40 Metern Kletterei visierte ich ein Loch unter dem Haken an. Es fehlten verdammt noch mal 20 Zentimeter! Mit letzter Kraft trat ich frontal an und schnappte dynamisch hinein. Treffer! Das Loch war gut. Um diesen psychischen Druck nicht noch einmal durchleben zu müssen, verlängerte ich den Haken mit einer langen Bandschlinge, markierte die Griffe und ließ mich zum Stand ab.
Issy lieferte im Anschluss eine absolute Glanzleistung ab und stieg die Länge im Flash durch – am Ende gab er 120 Prozent und war völlig am Limit. Über den verlängerten Haken war er mehr als dankbar.

Das Glatte Ende der zweiten 9+, auch im Nachstieg. Am Ende der Länge sollte man einen mittelgroßen Friend ( ca #.75) dabei haben oder über den Dingen stehen.

Das Ende luftige Ende der 1. 9+ länge im Nachstieg. Im Vorstieg hatten wir keine Hand frei fürs Selfi.

Der Stand nach der ersten 9+.

Wettlauf gegen die Uhr

Ich folgte im Nachstieg und direkt im Anschluss folgte die zweite 9+ an. Diesmal ging Issy ans Ausbouldern. Durch den Routenverlauf verschwand er schnell aus meinem Sichtfeld. Es dauerte wie auch bei mir,, bis er die Griffe fand und sich die 45 Meter hochgekämpft hatte. Mittlerweile stand die Sonne in der Wand und die Zeit wurde verdammt knapp.
Als Issy zurück am Stand war, startete ich meinen Flash-Versuch. Der untere Teil lief flüssig, aber die Beine und Arme spürten die Stunden seit 04:00 Uhr morgens deutlich. Je mehr schwere Züge mir auf Anhieb gelangen, desto mehr pumpten meine Unterarme auf. Die Crux lauerte natürlich ganz oben: Eine glatte, trittarme Platte als krönender Abschluss eines Überhangs. Gott sei Dank hatte Issy auch hier die Haken verlängert. Mit zitternden Knien schob ich mich auf den ersten großen Tritt. Geschafft! Puh, das war haarscharf.
Issy zog im Nachstieg nach, war aber komplett platt. Also übernahm ich die nächste 9-. Das Tageslicht schwand rasant. Wir hatten weniger als drei Stunden Licht für die verbleibenden 3 Längen. Mit nur eine einzige Stirnlampe und ein Handy für den gesamten Abseilweg und den Abstieg zur Hütte war im dunklen an Weiterklettern nicht zu denken. Die Devise war klar: Jeder Versuch musste jetzt sitzen.
Dieser Druck beflügelte mich regelrecht. Als ich einen Haken nicht clippen konnte, kletterte ich ohne Zögern einfach weiter. Das rettete den sofortigen Durchstieg, denn meine Ellbogen standen vom Pump schon waagerecht vom Körper ab. Es folgte ein glatter Riss, der sich deutlich härter anfühlt als die angegebenen 8+. Wir quälten uns hoch und standen vor dem Finale.

Die letzte Länge: ein 9er Länge im halbdunkeln
Vor uns lagen die letzten 50 Meter im 9. Grad. Nicht extrem steil, aber verdammt glatt und mit weiten Hakenabständen. Die Preisfrage: Reicht die Kraft noch?
Mehr schlecht als recht boulderte ich mich hoch und markierte die Schlüsselstellen. Bis zur Mitte ging es irgendwie, doch dann hing ich ratlos an einem Haken. Nach einem Überhang führte die Route auf eine Platte – es gab nur noch Seit- und Untergriffe und auf zwei Metern schlichtweg keine Tritte. Wie sollte das gehen?
Nach endlos erscheinenden zehn Minuten des Probierens riskierte ich eine Verzweiflungsvariante: Ich nahm eine Leiste weit rechts außen und brachte die Füße auf Handhöhe und schob mich darüber. Durch eine leicht konkave Wölbung der Wand ging der Plan auf – ich konnte blockieren und an den Seitgriffen aufstehen. Die letzten Meter zum Stand waren nicht mehr so schlim und das Ausbouldern war geschafft.
Die Sonne war weg. Issy stieg die Länge mit meinen Markierungen sofort durch, und ich folgte ihm im Nachstieg – mittlerweile bewaffnet mit der Stirnlampe. Juhu, es war vollbracht!

Noch ist der Ausgang ungewiß aber die Stimmung ust gut.

Noch 2 Längen, eine echte Durststrecke.

Durst, Durst, Durst und das verdiente Ende


Glücklich, aber mit staubtrockenen Kehlen machten wir uns ans Abseilen. Schon zwei Seillängen vor dem Top war uns das Wasser ausgegangen und die süßen Müsliriegel machteb den Rest. Auf dem Rückweg, etwa 45 Minuten vor der Hütte, war der Durst so unerträglich, dass sogar ein kleines Rinnsal an einer Felswand als Retter herhalten musste.
Als wir nach 23:00 Uhr an der Haindlkarhütte ankamen, war alles stockfinster. Um die anderen Bergsteiger nicht zu wecken, rollten wir unsere Schlafsäcke kurzerhand draußen auf dem Boden aus. Vorher wurde aber erst einmal ausgiebig getrunken und etwas Herzhaftes gegessen. Was für ein Tag!

Den nächsten Tag ließen wir extrem entspannt angehen, quatschten mit dem super netten Team der Haindlkarhütte und spürten jeden einzelnen Muskel. Da ich keine 30 mehr bin, tat der Ruhetag dem Körper verdammt gut. Eigentlich war der Plan, am darauffolgenden Morgen um 04:00 Uhr die nächste Mammut-Route anzugehen, doch der einsetzende Regen vereitelte das Vorhaben.
Das Fazit unseres Trips? Wir müssen wohl noch einmal wiederkommen. Aber es ist ja bekanntlich immer schön, noch Ziele zu haben!

Die Belohnung auf der Hütte am nächsten Tag war frisch gebackener Apfelstrudel.


Dienstag, 28. Juli 2026

Blåbærmonsteret - NeuDatour am Ufshomfjellet Di

 

Topo Blåbærmonsteret 9a am Ufshomfjellet 

„Blåbærmonsteret 9+“: Neues Testpiece im Nissedal eröffnet!

Mit „Blåbærmonsteret“ (Blaubeermonster) ist im norwegischen Nissedal eine spektakuläre neue Mehrseillängenroute geboren. Es ist die vielleicht schwierigste Linie des Gebiets, geprägt von extrem langen, anhaltend anspruchsvollen Passagen – und rein von den Kletterzügen her die wohl abwechslungsreichste Route die ich hier geklettert habe.

Ein völlig neuer Stil: Athletisch statt nur Plattenschleichen

Normalerweise ist das Granitklettern im Nissedal selten homogen. Die meisten Routen leben von einer harten Schlüsselstelle, nach der das Gelände schnell deutlich leichter wird. Nicht so beim „Blaubeermonster“: Hier warten gleich mehrere schwere Stelle die den Kletterer dauerhaft fordern. Schon beim Einbohren brannten mir die Unterarme – und das lag definitiv nicht nur an der Bohrmaschine auf dem Rücken!

Vom Charakter her lässt sich die Route am besten mit Urdviki vergleichen: technisch hochgradig anspruchsvoll und extrem kraftvoll. Der Kletterstil erinnert stark an die alpinen Sportkletter-Klassiker im Rätikon oder an den Wendenstöcken. Die Routenfindung ist knifflig, und zwischen den Haken muss man mental absolut bereit sein, sich voll und ganz auf die Züge einzulassen. Das ist kein reines Plattenschleichen mehr, sondern fast schon athletische Sportkletterei im steilen Fels.

Nervenkitzel bei der Erstbegehung von unten

Das Faszinierende am Erstbegehen von unten ist die absolute Ungewissheit. Einerseits hofft man auf eine echte Herausforderung, andererseits zittert man bis zum Schluss, ob die Linie überhaupt frei kletterbar ist – ob es also genug Griffe gibt, um ohne Unterbrechung vom Einstieg bis zum Ausstieg zu kommen. Die perfekte Wand für solche Ansprüche zu finden, ist schwer. Glücklicherweise bietet das Nissedal noch viel freie Felsflächen. Beim Bohren selbst stellte ich eine faszinierende Dynamik fest: Ich war so dermaßen fokussiert wie selten zuvor beim Klettern. Da blieb für Angst schlichtweg kein Platz.

Micha in der letztenl Länge, es sah schwer aus ging aber besser als gedacht. 


Noch so viel Platz. In dem gesamtenBereich bis nach rechts zum See gibt es nur 1 Route!

 

Materialschlacht, extreme Hitze und Spucke-Kühlung

Schon in der ersten Seillänge erlebten wir ein echtes Material-Drama. Noch bevor der zehnte Haken saß, war bereits der dritte Bohrer abgebrochen! Vor uns lagen noch über 200 Meter Wand und wir hatten nur noch zwei Bohrer im Gepäck. Normalerweise schaffen wir mit einem einzigen Bohrer 30 bis 60 Löcher, bevor der Durchmesser zu eng für den Schwerlastanker wird. Hier scherte die Hartmetallspitze nach nur wenigen Löchern ab – so etwas hatten wir noch in keinem Kletterurlaub erlebt.Der Grund: Die Bohrkrone war bei der neuen Charge flächig aufgelötet. Genau an dieser Nahtstelle brachen die Bohrer ab, einige liefen sogar blau an. Sie wurden in dem harten Granit schlichtweg blitzschnell zu heiß. Also hieß es improvisieren: Neben dem ohnehin schon anstrengenden Bohren aus der Kletterstellung nahm ich den Bohrer alle 10 Sekunden aus dem Loch, spuckte an die Wand und kühlte den Bohrer im Speichel. So holten wir mehr Löcher aus den verbleibenden Bohrern es dauerte aber auch länger.

 

Die 1. Länge von oben gesehen. Wo es schwer ist stecken die Haken dicht sonst etwas großzügiger.

Die 2. und erste schwere Länge ist leicht überhängend und es sind echt weite Züge.

Die 2. Länge sieht von oben so aus...

und das Ender der länge mit Rausschmeißer so.

Das Ende der 3. Länge.

Zusammen mit zwei Bohrern, die uns Götz Wichmann glücklicherweise lieh, konnten wir in der Route am zweiten Tag gegen Mitternacht den letzten Haken bohren. Das es so spät wurde, lag auch am fast schon zu perfekten Wetter. In der prallen Sonne kletterte das Thermometer auf über 40 °C. Da die Wand erst gegen 15:30 Uhr in den Schatten kam, konnten wir nicht einmal den halben Tag effektiv nutzen. Allein für die Crux benötigte ich fast vier Stunden für 13 Haken (+ 3 Verhauer und 2 Standhaken). Dies lag daran, weil die Orientierung im Fels extrem schwer war und die Strokturen erst erkannbar waren wenn man sie unter den Fingern spürte.

Die Cruxlänge, sieht anfangs nicht besonders spektakuläre aus aber dann war es doch knapp das es ging.

Die letzten Meter am Ausstieg. Es gibt einen Wanderweg nach unten, aber ich seile lieber ab.

 

Das Fazit

Benannt wurde die Route nach dem „Blaubeer-Monster“ – Michael Meyer, der maßgeblich an der Erschließung beteiligt war, aber an wirklich jedem Busch anhalten musste, um Heidelbeeren zu naschen. 

 

Das Blaubeermonster am Einstieg seiner Namensroute.

Ein riesiger Pluspunkt zum Schluss: Der Zustieg dauert gerade einmal extrem entspannte 5 Minuten. Ein absolut lohnendes Projekt für alle, die eine anhaltende, athletische Herausforderung im norwegischen Granit suchen!

Mittwoch, 15. Juli 2026

Jörmungandr - Erstbegehung am Hægefjell


Topo Jörmungandr am Hægefjell
Topo Jörmungandr am Hægefjell.

Jörmungandr: Die Midgardschlange am Hægefjell.

Hægefjell ist der Half Dome Norwegens und bietet genialen Granitfels zum Klettern. Nachdem Michael Meyer und ich dort bereits 2023 und 2025 zwei Routen eröffnet haben (Vinland Saga und Möllnir), fehlte uns noch eine ganz besondere Linie in einer der steilsten Wandpassagen. 
Letzte Woche haben wir das Projekt vollendet – auch wenn die Linie nicht ganz so gerade verlief, wie wir es uns gewünscht hätten. Sie schlängelte sich regelrecht durch die Seillängen. Am Ende stand der Name fest: „Jörmungandr“, die Midgardschlange.
Eigentlich benötigten wir das 200m Statikseil nicht aber wir dachten es wäre beim Sanieren für tressur Island nützlich, war es aber nicht.

Due 3. Sl wurde schon mal glatt und am Ende schwer. Da waren aber vor kälte meine Füße ftaub.

Micha in der 4. Sl.

 
Bei einer 450 Meter hohen Wand ist ein bisschen Zickzack-Kurs gar nicht so verkehrt. Wir hatten riesiges Glück, dass sich alles komplett frei klettern ließ. Der erste Tag war ziemlich kalt und windig. Das machte die Verständigung in der Wand extrem schwer, und die Akkus unserer Bohrmaschine waren viel schneller leer als gedacht.
 
Froh nicht wieder hoch zum Rucksack zu klettern weil der Ersatzschlüssel zu uns kommt ging es zum Auto.

Warum haben wir den Umlenkhaken im Chalkbag?? Tipp es hat was mi dem Wind zu tun.

Na we findet den Haulbag wo der Autoschlüssel drin ist?

Nach mehreren Stürzen war Michas und auch unser letzter Bohrmaschinenakku alle.

Micha an Anfang der 7.Länge.

Von oben siet es noch glatter 

Wo soll man hier nur lang klettern rechts oder links?

Micha hat die 6. Sl angefangen zu bohren und in der Mitte habe ich weiter gemacht.

Am Ende des Tages hatten wir fast 7 Sl Erstbegangen und am 6. Stand ließen wir unsere Rucksäcke zurück. Müde, aber glücklich seilten wir abends ab und kamen wieder am Wandfuß an. Unten sammelten wir erst einmal das Material auf, das uns tagsüber versehentlich runtergefallen war. Genau in dem Moment fragte mich Michael, ob ich eigentlich den Autoschlüssel aus dem Rucksack mit runter genommen hätte. Fehlanzeige, leider nicht. Da standen wir nun müde und hungrig am Boden – und der Autoschlüssel hing sechs Seillängen über uns in der Wand.

Rettung in der Not und Sandfliegen-Alarm

Zum Glück hatten wir unten am Wandfuß noch ganz schwachen Handykempfang. Wir riefen Götz Wichmann an, der auch auf dem Campingplatz am Nisser-See stand. Götz ist nicht nur der Autor des lokalen Kletterführers, er fackelte auch nicht lange: Er bot sofort an, die 30 Minuten zum Hægefjell hochzufahren und uns einzusammeln. Ein Riesenglück, denn wir hatten einen Ersatzschlüssel auf dem Campingplatz, den er uns mitbringen konnte.
Nach einem Ruhetag starteten wir sehr früh in die Route. Bereits um 14:00 Uhr hatten wir Unsere Neutour erfolgreich fertig gebohrt und durchstiegen. Es Stand aber noch mehr arbei an. Beim Abseilen sanierten wir "Treassure Island " was 30 Jahre die schwerste und anspruchsvollste eoute am Hægefjell war. Allerdings war dies bei der Hitze und ohne wind ein brutale Arbeit. Als sich in der 2. Sl beim Abseilen auch noch das Seil verhängte musten wir noch einmal einsteigen.
Der letzte Stand ist an der Kante und ein Haken zum bequemenS Sitzen

Geschaft unsere 3. Neutour am Hågefjell.

Die 9. Sl ging schnell

Unmittelbar nach dem 7. Stand wurde es noch mal kurz schwer.

DerStand der 7. Sl ist fast am Ende der glatten Wandzone. Hier wusten wir das wir fast sicher waren das die route frei geht.

Die Crux der 3. Sl kommt am Ende.

Micha arg gequält von den Sandfliegen am 2. Stand

Dort geht es los, der Start der 1. Sl

Jede Tageszeit hat Vor- und Nachteile. Tagsüber gab es weder Mücken noch Sandfliegen. Das war am Morgen noch anders gewesen.  Die Sandfliegen fraßen uns lebendig auf und folgten uns, bis wir endlich den Haulbag am 6. Stand mit dem Moskitonetz erreichten. Ab da konnten wir zumindest wieder atmen, ohne gleich hunderte von den Viechern zu verschlucken. 3,5 Längen wurden fertig gebohrt, das Seil abgezogen und durchgestiegen. Die letzte Länge on sight eingeboht. Wie das geht? Aus der Kletterstellung Bohren + Haken reinschlagen + Festziehen. Alles in allem sehr anstrengend für die Waden.
Short Facts:
 67 Bohrhaken in den Längen sowie wenige Friends + 20 BH an den Ständen machen das ganze sicher aber zu einem kleinen Abenteuer.
 
 Hier der Text vom Topo fall er schwer zu lesen ist:
"Jörmungandr" 9-  
(UIAA Grading, 7+ obl., 450m)
(Midgards Snake)

Location:           
Hægefjell ( Norway), In between "Hägar" and "Mjölnir".
                           
Approach:        
 From the parking walk left the dirt road and follow this till you are underneath the route. There is a path with stone cairn going to the Start of "Hägar" from there heading straight up the slab. The start is on  the right side of a formation of bushes and little trees, 20m higher than the base of the wall. There is a crack cutting true a  little vertical part of the wall.The name is written on the start.

Decent: 
Rappel down the route or hike/ traverse on the grassy ledge left as "Mot Sola" till you reach easy ground. Than take the hiking trail down on the left side of the cliff.

First Ascent:     Tobias Wolf & Michael Meyer
 
bolted 08./09.07.2026
RP 09.07.2026

Gear:                  2 x 60 m ropes 
                           16 quick draws (5-6 long ones)
                           Single set of cams BD #00- #0.5
 
1.Sl: 6 bolts,  58m 5+
2.Sl: 3 bolts,  50m 5-
3.Sl: 7 bolts,  40m 8- and gear
4.Sl: 5 bolts,  35m 6+ and gear
5.Sl: 4 bolts, 40m 7+ and gear
6.Sl: 11 bolts, 35m 9-
7.Sl: 11 bolts, 40m 8+
8.Sl: 9 bolts, 50m 8
9.Sl: 7 bolts, 35m 7- and gear
10.Sl: 4bolts, 25m 6+