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Samstag, 25. Mai 2024

Die 100. Mehrseillängenroute 8a oder schwere.

Eine Collage aus über 300 Bildern von diesen 8er Routen und den Leuten mit denen ich dies erlebt habe bzw. die es erst möglich gemacht haben. Da die meisten Wege davon im Yosemite waren der El Capitan als Motiv.




Beim letzten Verdontrip kam das Erstbegehen  leider etwas zu kurz. Die Wände passten einfach nicht zu dem Wetter. So wurde etwas mehr geklettert und weniger gearbeitet.
Auch gut, so bekammen wir ein paar neue Sektoren zu sehen.
 

Zudem kam ich so zu einem Jubiläum der besonderen Art. Unterstützt von Julian, kletterte ich mit "Les Points sur le Y" 8a+ am Le Tellion meine 100. Mehrseilenlänge ab 8a aufwärts Rotpunkt. Die Route kann durchaus als gute Zusammenfassung vieler anderen Route gesehen werden den bei den 260m war wirklich alles dabei:

Es gab einen zeitigen Start, eiskalte Finger & Füße, geniale Plattenstellen, Hängestände, Ausdauerlängen, tolle Fingerlöcher, fehlende Bohrhakenlaschen, gerade so Durchstiege, brüchiger Passagen, gruselig und bewachsener Fels, nasse Griffe, scharfe Seilzerfressende Kante, weite Hakenabstände, Steinschlag, schmerzende Füße, blutige Finger, zugewachsene Risse und der Griff in Grass, weil nichts anderes zum Festhalten da war.
Für wen das alles gut klingt, dem sei das Wiederholen selten begangener Routen ans Herz gelegt.

Der Tellion ist ca 30 min von der Verdonschlucht entfernt und 260m hoch.

Die Crux der 100. Route im franz 8. Grad war 8a+

 

Als ob Julian geahnt hat wie besch... einige leichte Längen werden, hat er sich fürs Jümarn entschieden. Dies war nur bei 3 der 100 Routen der Fall und ich fühle mich jedesmal geehrt, dass Freunde dies zur Unterstützung für mich machen.



Hier noch eine kleine Zusammenfassung der 100 Routen:
Sie wurden innerhalb von 24 Jahren auf 5 verschiedenen Kontinenten geklettert. Die längste Route hatte 42 Seillängen die kürzeste nur 3. Am längsten benötigten wir 12 Tage für eine Route.
6 waren Erstbegehunge von uns und 6 am El Capitan insgesamt 14 (>5.13b) waren im Yosemite.
Die meisten gingen wir mit einem kleine Rucksack an also leichtem Gepäck an bei einer  zogen wir 150kg die Wand hinauf.
Bei einer benötigte ich für den Durchstieg der Schlüssellänge 3 Tage bei einer anderen kletterte ich die Crux im Flash. Bei einer Route musste 6x der französische 8. Grad an einem Tag geklettert werden bei anderen war es nur eine einzelne Länge. Eine Route hing über 100m über andere waren fast senkrecht. Bei einer Route war der Zustieg weniger als eine Minute bei einer anderen hatten wir früh 4h & 2000 Höhenmeter im Zustieg und Nachmittags das gleich im Abstieg. Bei den meisten Routen mussten wir extrem zeitig aufstehen um das ausbouldern und Durchsteigen an einem Tag zu schaffen bei anderen konnte man wegen der Sonne erst nach dem Mittag einsteigen. Bei einer Route steckten nicht mal am Stand ein Bohrhaken andere waren komplett gebohrt.
Bei einer Erstbegehung versuchten wir so wenig wie möglich Haken zu setzen und Helden zu spielen bei einer anderen versetzen wir einige Haken nach dem Erstbegehen von unten noch einmal um den Klettergenuss und nicht die obligatorische Schwierigkeit hervorzuheben.

So verschieden die Wege sind, hatten sie alle ein gemeinsam. Am Anfang war nie sicher ob ich die Route schaffen kann und der Erfolg stand fast immer auf Messers Schneide. Egal ob wegen mentaler oder physischer Ermüdung bzw. wegen Zeitmangel oder Wetterumschwung. Alle waren für sich ein bleibendes Erlebniss was in der Summe mehr war als nur Klettern im Klettergarten.
Ob es noch mal so viele schwere  Routen bis zu meiner Kletterrente werden wage ich zu bezweifeln aber man sollte ja niemals nie sagen. Mal sehen wie lange mich die hohen Wände noch reitzen bevor mich die altersbedingte Höhenangst packt.

Falls sich doch Jemand für ein paar Namen Interessiert hier eine kleine Auswahl:

Hotel Supramonte 8b, Delicatessen 8b, Jolie Fleur...8b, Ultime Demence 8b, Karma 8b, Direct Line 8a/b, El Corazon 8a, El Nino 8a+, Golden Gate 8a, Alibaba 8a++, Dame Cookie 8a+, Arbre magique de rêve 8a+, Lalan'i Mpanjaka 8a+, Slab Dance 8a+, L'Ora de Gada 8a /8a+, Via della Cathedrale 8a+, Super Cyril 8a+, Le Grand Ecran 8a, Giallo Dream 8a, Donnafugata 8a, Zeichensprache 8a, Cleopatra 8a,... und viele mehr.

Eine nicht ganz vollständige Sortierung nach den Gebieten gibt es hier: --> http://kayakandclimb.blogspot.com/search/label/Ticklist

Danke noch mal an alle die das möglich gemacht haben, es waren echt geile Erlebnisse von denen ich noch im Altersheim träumen kann. 

 

Da viele Leute Fragen wie Verdon war: Wie immer Beeindruckend.

Auch Julian kam nicht zu kurz, er kletterte seine erste 8a in einer Mehrseillängenroute und überhaubt. Danach folgte noch eine 8a im Sportklettergebiet und eine auf dem Rückweg durch Franken.

Der Obere Teil der Verdonschlucht.
Im Unteren Teil der Verdonschlucht gibts eine etwas brüchige Wand direkt überm Wasser.




Erst einmal 1,5 h vor der Sonne versecken ehe es los ging.mit Klettern.

Und dann ging es endlich los.



Sonntag, 14. Mai 2023

Die 8 Sandsteinheiligen

 

Wer das Bilderrätsel löst ist eine Local.

Passend zum Ende der Eisheiligen hier eine witzige Anekdote zu den 8 Sandsteinheiligen.
Nein hier geht es weder um Kletterfüherautoren, berümte Erstbegeher oder die Halter des Speedrekords der Alle-Gipfel-Besteiger. Es geht um kleine Detail die über den Erfolg oder Misserfolg beim Sandsteinklettern entscheiden.

Wenn vor 50 Jahren persöhnliche Bestleistungen erreicht wurden war meist der ganze Club dabei. Bei der anschließeden Feier fanden die 8 Sandsteinheiligen weniger Beachtung. Deshalb möchte ich sie hier kurz vorstellen:


Die Motivation.
Die Motivation ist genau dann am größten, wenn man die am wenigsten Zeit mit dem Klettern verbringt. Also im Frühling und im Winter hoch und im Sommer und im Herbst niedrig. 

Jeder hat einige Kletterpartner mit denen er besonders Motiviert ist. Bei mit ist das Thomas Hering hier im Degen RP 9c am Domwächter


Die Erwartungshaltung.
Dieser Geselle ist alles andere als ein berechenbarer Kandidat. Wenn man denkt, es ist leicht und geht gut wird es schwer, oder es funktioniert überhaupt nicht. Wenn man denkt, es ist schwer, erlebt man sein wahres Wunder, und es klappt besser als gedacht.

Ein super Beispiel der Erwartungshaltung für mich. Zum ersten und letzten Mal vor 20 Jahre gekletter und als sehr schwer und moralisch in Erinnerung gehabt. mit dieser Einstellung bin ich dieses Jahr eingestiegen und es lief einfach gut. Wenn die Einstellung "Das ging gut das letzte Mal" gewesen wäre hätte ich mich die Rohnspitze hochgekrampf. Dir NW-Kante RP 10a.


Das Felsgefühl
Dies ist ein sehr eigensinniger Geselle. Wenn man mal 4 Wochen nur in der Halle oder in einem anderen Gebiet Klettert macht es sich aus dem Staub. Das fehlende Felsgefühl spürt man besonders auf der Reibung wenn die Arme dick werden. Dann kann man fit sein wie ein Turnschuh, aber man bekommt die Kraft einfach nicht an die Wand.

 
Moral
Um es mal mit den Worten von Dave MacLeod zu sagen: " Stürzen gehört zum Trainings- und Kletteralltag dazu". Wer es verlernt, der Klettert unentspannt und verschwendet viel Kraft. Ähnlich ist es mit dem Vorstieg. Das beste Training für den Vorstieg ist der Vorstieg. Wer eine X Vorsteigen will sollte bereits sehr viele IXer vorgestiegen sein. Was vielen hilft ist den Weg kennen den sie vorsteigen, das schafft Sicherheit. Aber auch etwas Disziplin gehört dazu. Auch ich habe schon oft nach einer AF-Begehung gesagt: "Das geht nie im Durchstieg". Wer es nicht versucht ist bereits gescheitert und hat kurz vor dem Ziel aufgegeben. Tatsächlich hat man den schlimmsten Teil der "Arbeit" bereits hinter sich. Man hat sich die Route hochgekämpft hat den einen oder anderen Sturz hingelegt, gezittert und gebangt. Sich jetzt die Züge noch mal in Ruhe mit Seil von oben anschauen und einen Versuch machen schult das Gedächtniss und stärkt das Vertrauen ins Sandsteinklettern.


Besonder im Kopf saustark ist Michael Meyer hier in Gelber Nebel RP 9a


Die Kraft.
Um mit einem Zitat zu beginnen, bediene ich mich Wilhelm Buschs. Mit der Kraft ist es ähnlich wie mit dem Gleichgewicht. … „wenn man es braucht, dann hat mans nicht.“ Hat man zu viel davon, Bouldert man schlecht aus und fällt im Durchstieg raus. Die andere Alternative ist das man am Schüttler oder nach der Crux die Griffe zuballert bis einem die Puste ausgeht.

Zielwahl
Im Winter versucht man den Wind zu meiden im Sommer und im Frühling sucht man ihn. Wären es in dem einen Sektor schleimt sind woanders gute Bedingungen.
Am Pfaffenstein hat man über 15°C kaum noch Spaß, weil der Fels keinen Schweiß aufnimmt jedoch in Rathen geht auch bei über 30°C noch etwas.

In der Sonne Klettern das geht ja gar nicht! Im Wind schon, wenn im Frühling die Nordseiten noch feucht sind. Deswegen habe ich mich hier am Dompfeiler in die Sonne getraut. Hurengebräu RP 10b


Die Haut
Die Sandsteinhaut ist sehr speziell. Sie ist sehr fest und hart. In der Kletterhalle hat man wenig Spaß mit ihr. Genauso verhält es sich andersrum. Die weiche und geschmeidige Indoorhaut ist super auf Plasteslopern, aber reist viel zu schnell auf im rauen Sandstein. Zudem verweilt sie gerne in großen Flappern auf kleinen Sandsteinleisten oder an scharfen Lochrändern. Dadurch beenden sie den Klettertag leider viel zu oft und fast immer zeitiger als gedacht.

 

Die richtigen Bedingungen
Zu kalt zu warm, es schmiert und rutscht. Die Fingerkuppen sind zu dünn für den Durchstieg. Hier hilft nur eins, wer viel draußen ist erwischt auch mal gute Bedingungen.




Michael Meyer in Engelsflügel RP 9c am Doppelturm.



Das alle Punkte passen, also Fitness, Ziel, Motivation & Moral, Haut ,Felsgefühl und die Bedingungen stimmen ist schwer. Deswegen fühlen sich die Route meist schwerer an als woanders.
Da es beim Sandsteinklettern selten so ist das alles passt,  also Fittnes, gute Bedingungen, Motivation, Hornhaut und vor allem die richtige Einstellung,  hier ein paar Tipps als Poesie. 😄😃


Die Moral von der Geschicht,
geh einfach raus, verzagen nicht.
Steige mit Demut und Respekt,
die Wege sind nicht abgespeckt.
Auch die Haut muss sich gewöhnen,
der Fels tut sie nicht gerad verwöhnen.
Suche den Schatten meide die Sonne dann ist das Klettern eine Wonne.
Stürze oft auch mal ins Seil,
denn mit weniger Angst ists einfach geil.
Klettere im Wind, genießt den Tag,
nur so wirst du im Sandstein stark.

Hier waren viel der 8 Sandsteinheiligen zu Besuch. Tage des Donners RP 11a. 17 Jahre nach den ersten Versuchen endlich der Duchstieg.

 

Donnerstag, 22. September 2016

Das Ende vom Sommer


Im Tal gibt es keine Elektrizität weshalb alles noch sehr ursprünglich ist.

Es ist Mitte September und es sind in Dresden über 30°C. Das allein ist schon ungewöhnlich, aber die Großwetterlage über ganz Europa sieht so aus. Die Nullgradgrenze in den Alpen liegt über 4000 m und das ganze schon seit über einer Woche. Damit ich mit Thomas auch mal wieder ein Wochenende in die größeren Wände komme, haben wir uns Mitte September ein 3 Tage Wochenende freigeschaufelt und bei dem Wetterbericht kann ich mich vor Kletterzielen kaum retten.
Eine alte Kletterweisheit lautet: Wer zeitig (abends) plant, plant doppelt erfüllte sich vollends. Genau zum Beginn unseres Wochenendes bricht das hoch zusammen und die Alpen versinken in Sintflutartigen Niederschlägen. Da bleibt mal wieder nur das schöne Tessin als Ausweg doch auch dort ist das Wetter eher durchwachsen angesagt, das heißt im Klartext mindestens ein ganzer Tag Regen und der Rest so naja. Doch so schnell lassen wir uns nicht entmutigen und fuhren trotzdem los und fuhren mal wieder in märchenhafte Valle Bavona im Tessin und es sollte in der Tat eine Zeitreise der besonderen Art werden.

Der Waserfall in Froglio

Della Funvia 7b/7b+
Wie der Wetterbericht und prophezeit hatte regnete es am ersten Tag aber unser Ziel war eine neuere Route am Ende des Tales wo die ersten 7 Seillängen so steil sind, dass man sich keine Sorgen machen muss was für ein wetter herrscht. Der Niederschlag der letzten Nacht lief noch stundenlang am Fels herunter, aber wir konnten die ersten Längen Problemlos klettern. Das Gestein war zwar durch den Wassermangel etwas staubig und die Erstbegeher konnten den echt tollen Standplatzbändern nicht wiederstehen und so waren die längen recht kurz. Alles in allem eine schöne Sache auch wenn wir nur die halbe Route geklettert haben. Wir fanden die Längen im unteren Bereich leichter als eingestuft aber das tut der Route nicht weh. Da ab der 8. Sl Duschen angesagt war versuchten wir unser Glück mit dem überhängendem Abseilen direkt zum Boden. mit 2 x 70m Seilen reicht es gemütlich mit einem 60 m Seil und einem 70m Seil muss man ein bisschen tricksen. Schönes Erlebnis mit nur 10 Min Zustieg. Ein Lob an die Erstbegeher.



6. SL Della Funivia

7. SL Della Funivia


Nel Dubbio Sali 8a, 180m (7a+ obl)

Der Wetterbericht und unsere Wetterfee aus Dresden behielten recht und der Samstag war der schönste Tag von allen. Das war auch gut so, denn für diesen Tag hatten wir nicht nur einen fast 3 stündigen Zustieg vor uns sondern eine wahre Zeitreise. Wir stiegen in Valle di Foioi auf den Spuren der Transhumanz (der Stufenwirtschaft) welch vor über hundert Jahren dafür sorgte das die höheren Regionen in den Tälern von Tieren abgegrast werden konnten denn Futterplätze waren in den engen Tälern knapp. Von diesen längst vergangenen Zeiten zeugen immer noch die Natursteintreppen die weit in die Berge hinaufreichen und die Häuser die man nach mehrstündigem Fußmarsch im dichten Esskastanienwald findet. Der Zustieg war anstrengend aber wunderschön. Immer wieder waren wir erstaunt auf Stufen zu treffen selbst da wo wir dachten, dass dieser Weg nur von den ERstbegehern begangen wurde. Leider verpassten wir nach einer Natursteinmauer links den Hang hoch zu steigen und folgten einem falschen Steinmann zu einem weiteren Haus. 

Tolle Natursteintreppen.

Endliche sehen wir die Wand

100m nach dieser Maer geht es links den Hnk im Gras hoch. Der Weg ist schwer zu sehen wird aber bald besser.
So stiegen wir über glitschige Reibungsplatten und feuchtes Gras um nach über 3h endlich am Einstieg der Wand zu stehen. Diese war nicht so steil wie erwartet aber die Felsqualität war ausgezeichnet. Nach einer leichten länge folgte die erste Crux der Route. Eine tolle technische platte mit Leisten und Untergriffen vom feinsten. Zum Abschluss kam ein Daumenstützmantler wo ich gerade so am Zielgriff ankam. Na das würde im Durchstieg echt spannend werden. während ich mich ausruhte war Thomas an der Reihe und er stieg tatsächlich auf Anhieb durch. Als ich an der Reihe war wurde es trotz der guten Schuhe echt knapp denn die kleinen Leisten forderten ihren Tribut von meinen Unterarmen. Um so mehr war ich von Thomas seinem flash beeindruck. Es wurde auch nicht wirklich leichter und selbst in der Rechtsvariante warteten immer wieder sehr weite Züge auf mich und es folgte eine geniale Stützverschneidung die für 7a sehr garstig bewertet war. Als ich wieder an der Reihe war gab es noch einmal eine 7c Hangelrippe, welche mit einem Schmakerl des Nervenkitzels aufwartete. Das Seil verhing sich entweder nach dem ersten Haken im Riß oder lief über eine Messerscharfe Kante. Da macht Klettern echt keinen Spaß mehr und die unsicheren Hangelzüge werden echt zum K(r)ampf. Nach viel zu kurzer Pause stieg ich durch und Thomas konnte wieder im ersten versuch punkten strengte sich aber gewaltig dafür an. Die nächsten 2 Längen waren schmutzig und die letzte durchaus etwas gesucht. Zufrieden aber ziemlich müde stiegen wir wieder ins Tal ab und waren zur Dämmerung wieder am Auto. Da wir auch in der Dämmerung aufgebrochen waren hatten wir den Tag optimal genutzt und die Nudeln schmeckten besonders gut.
Endlich oben.

Samt unserem hängenden Imbiss gehts Talwärts



Vai col Blues 7c+, 260m (6b obl)
Der Monte Eus ist im Verzasca und damit bereits eine Stunde näher an zu Haus. Das Gestein ist weiterhin Gneis, aber die Strukturen sind sehr abwechslungsreich. von Felsadern über Löcher, Überhänge und Reibungsplatten gibt es alles. Wir hatten zwar eine Andere Route geplant aber leider verpassten wir im Zustieg einen Abzweig und verloren so 1,5h. Ja es war ein richtiges Wanderwochenende aber auch ich komme in die Jahre. Das war auch der Grund für die leichteste Route an der Wand die entweder in der 2. Länge 1 mal A0 geklettert wird oder die einen Plattenboulder mit 7a+ bloc auffährt. Selten stand ich sowohl in der Armspanne als auch mit beiden Füßen so weit ausgespreizt da, dass ich beim Versuch diesen Zug aufzulösen 5 oder 6 mal chancenlos abtropfte. Nach einer längeren Pause hatte Thomas wieder mal kurzen Prozess mit der Stelle gemacht düsten wir die nächsten 220 Klettermeter im Sauseschritt nach oben. Das Wetter hielt erstaunlicherweise und die paar Regentropfen die aus dem Himmel fielen störten uns nicht. Gegen 4 Uhr traten wir die Heimfahrt an und waren sehr erfreut trotz schlechten Wetterbericht alle 3 Tage etwas geklettert zu haben.
Man merkte das das Laub bereits von den Bäumen viel und somit der Herbst als schönste Jahreszeit des Jahres vor der Tür steht. Hoffentlich gibt es noch mal richtig schönes Herbstwetter.

Echt lecker das Wasser in der Schweiz

Freitag, 18. Dezember 2015

Klettern in Schweden und Norwegen (Bohuslän, Flatanger, Harbak, Vingsand und Bergflødt)


Viele Jahre bin ich um die halbe Welt gereist zu weit entfernten Orten um beeindruckende Natur und tolle Felsen zu erleben. Ich dachte Europa hat nicht mehr viel beeindruckendere Natur zu bieten als die Alpen oder die Sächsische Schweiz. Doch weit gefehlt ich war noch nie in Skandinavien und Norwegen ist wirklich das Land der Gegensätze und da haben wir noch lange nicht alles gesehen. Auf kürzesten Distanzen liegen Meer und über 1000m hohe Berge zusammen. Nich das die Fjorde und die unzählige Wasserfälle die auf die Fjorde herabstürzen schon beeindruckend genung sind, tummeln sich auch noch gigantische Kreuzfahrtschiffe über 100km vom offenen Meer entfernt zwischen den Bergen. Ja Norwegen ist echt toll sowohl als Tourist als auch aus der Sicht von jeanden der lebende Geschichte in Museen mag. Sowohl Oslo mit dem Fram-, Wikingerschiff- und Kon Tiki-Museeum als auch Lillehammer mit Maihaugen als belebtes Häusermuseum. Das alles ist schon recht viel für ein Land mit etwas mehr als 5 Millionen Einwohner aber gibt es auch tolle Felsen zum Klettern? Die Antwort ist ein klares und deutliches ja. Es gibt wenige große und viele kleinere Gebiete welche fast alle Granitkletterei sind. Dazu sollte gesagt werden das nach südfranzösischen Verhältnissen mit Bohrhaken gespickte Routen eher eine Seltenheit sind. Deshalb findet man immer wieder Trad-Routen gemischt mit Sportkletterouten nebeneinander in friedlicher Koexistenz. Da wir leider nicht alle Gebiete besuchen konnten und dies Familienurlaub war blieben die bekannten Klettergebiete für Mehrseillängen außen vor. Trotzdem müssen die Lofoten, Rogaland und Setestal genannt werden und auf einen späteren Besuch warten denn dieses mal waren 5 ander Gebiete dran.

Bohuslän (Schweden,Trad, etwas Sportklettern, etwas Bouldern)
Hallinden der Tollste Sektor in Bohuslän mit Routen bis 60m


Wer nach Norwegen fährt kommt meist durch Schweden gefahren. Da bietet es sich an in Schwedens größten Riß- und Trad-Klettergebiet eine Zwischenhalt einzulegen. Dies ist auch gleich der richtige Ort sich an das skandinavische Bewertungssystem zu gewöhnen welche anfänglich wie UIAA-Grade aussehen. Der Unterschied wird einem in Bohuslän sehr schnell deutlich ( Skand 7+ entspricht Franz 7a, Skand 8 entspricht Franz 7b+ und Skand 9- entspricht Franz 8a) Dabei kommt erschwerend dazu, das im Führer das von mir zur Verdeutlichung verwendete Kürzel "Skand" nicht existiert und das in Bohuslän bei allen Routen tiefgestapelt wird. Obwohl alle Grade Rotpunkt Einstufungen sind sagt man unter der Hand, dass es heißen soll die Einstufung ist die Bewertung der schwersten Einzelzüge. Das man bei Tradrouten auch schnell in gefährliche Situationen kommen kann und das Klettern im Top Rope in Bohuslän bei schweren Routen der am meisten verbreiteste Kletterstiel ist sollte man jede Route vorher genau einschätzen ob sie für ein on sight geeignet ist. Ich hoffe das dies als Warnung reicht. Bei den meisten leichten und viel begangenen Routen ist diese Warnung allerdings überflüssig. Es ist sehr zu empfehlen zwei 6m Seilstücke im Rucksack zu haben den bei sehr vielen Routen dient lediglich ein Baum oder Felsblock als Umlenker. So nun endlich mehr zum Klettern. Bohuslän ist genau das richtige Gebiet wo man Meer, Familie und Tradklettern miteinander vereinen kann. Die Wände sind zwar im Durchschnitt nur 20m - 25m hoch aber es gibt ein paar Ausnahmen mit bis zu 40m-60m. Genau diese Ausnahmen haben es mir besonders angetan. Das ist zum einen mein absoluter Favourit Hallinden, weil es eine geniale Rißlinie nach der andern gibt. Hier kann man schwere Risse on sight klettern ohne sich ernsthaf zu verletzen. Es klingt zwar etwas erbärmlich aber ich bin auf meine 4 Skand 8er im on sight stolzer als auf die 3 Sportkletter 8a's in Flatanger. Dies liegt sicherlich nicht nur am selber absichern sondern an den bereits erwähnten harten Einstufungen.


Ob beim Klettern, Angeln oder Baden mit Familie, das Meer ist nie weit weg.

Sektor Vrångarö in der Route Thriller, Steil, 40m lang und direkt am Meer.


Goa Brunetter in Hallinden, hier erfuhr ich zum ersten mal wie hart die Einstufung hier wirklich sein kann.


Thorster am Ausstieg des Sektors Vrångarö. Innerhalb von 12h incl. Fährzeit von Berlin in eine andere Welt

Tiega för Guld im Sektor Ulorna

Und ich Dachte Verschneidungen liegen mir aber in Ibes Book aka Superdiedre im Sektor Ulorna erfuhr ich das Gegenteil. Beim ersten mal hochklettern fühlte ich mich wie mit Rollschuhen auf der Reibung.
Fazit: Tolles Tradgebiet mit Abenteuercharakter, aber nichts zum Nummern abhaken.

Nach vielen Jahren ist seit Sommer 2015 endlich der lang erwartete Führer "Klättring i Bohuslän" erhältlich. Er beschreibt ca. 1500 Routen an 100 verschiedenen Wänden.
  Flatanger (Sportklettern + Trad )

Gleich hinter der Scheune beginnt der Zeltplatz und dahinter gibt es reihenweise liegende und leichte  Routen.


Wo soll ich anfangen, mir fehlen einfach die Worte diese gigantische, vielleicht weltweit größte Granitgrotte zu beschreiben. Die Grotte an sich ist so groß, dass keine der bis zu 60m langen Routen es schaft aus ihr herraus zu Klettern. Hier begegnen sich gleich mehrere Superlative. Nicht das es in dieser Grotte bereits die schwerste Route der Welt gibt, es heißt auch, das es noch ein 9c Projekt und etliche 9er Routen gibt. Zum Glück muß man nicht den französischen 9ten Grad Klettern um hier Freude zu finden. Es gibt einige 6er, viele 7er und etliche 8er und es ist auch nicht alles so furchtbar steil wie man es bei solch einer Grotte vermuten würde. Der Fels ist einfach genial und so läd der saubere, gut struckturierte, rauhe Granit einfach nur zum Klettern ein. Einzig die guten Strukturen ermöglichen es in diesem riesen Dach zu Klettern. Was man auch nicht vergessen sollte mitzubringen sind Kniepads für die vielen Knieklemmer welche nötig sind um sich für teilweise 200 Züge im Dach festzuhalten. Ja es gibt hier fast alles was man sich wünscht. Eine tollen Zeltplatz mit einem netten Besitzer und das fischreiche Meer keine 5 Minuten entfernt. Das einzige was zu einem Paradies noch feht ist ein Sandstrand. Ja und vielleicht noch eine Kinderfreundliche Grotte aka Santa Lina, denn für kletternde Eltern die ihre Kindern mit in die Hanshallarengrotte nehmen wollen ist sie leider nicht geeignet, denn es liegen überall scharfe Felsblöcke herum. Ja wir hatten einen tollen Sommerurlaub auch wenn das Wetter eher Frühlingshaft war. Aber im Frühling genießt man weningstens die Sonne richtig, dass ist zu Hause bei über 30 Grad schon schwerer. Es gelang mir nicht nur eine Verlängerung von "Massih Attack" ( Massiv Attack 8b/8b+) von unten Erstzubegehen und die schwerste Tradroute in der Grotte " Romsdoling pa tur" 7c+ o.s. zu Klettern. Nur bei "Nordic Plumber" 8c bin ich leider nach über 200 Zügen beim letzten schweren Zug gescheitert. Naja, da muss ich wohl noch mal wieder kommen


Bevor ich es vergesse, die Angel sollte man auf jeden Fall mitnehmen den einfacher und günstiger kommt man nirgends zu einem Abendessen.

Das ist die Hanshallarengrotte und wahrscheinlich die größte Granitgrotte der Welt. Wer hier Erstbegehungen macht braucht nicht erst zu bürsten. Nach erfahrungen anderer sind jedoch andere Grotten in der Gegend eher von schlechter Felsqualität.


Der linke Teil der Hanshalarengrotte ist weniger überhängend und fast jede Route ist genialste Granitkletterei mit genialen Strukturen..
Der Klassiker Nordic Flower 8b+ in der Grotte klettert nur einen kleinen Teil des gigantischen Dachs und auch die 8c Verlängerung ist 80m lang und geht noch lange nicht bis zum Ende der Grotte


Logistik:
Man braucht vor Ort kein Auto, es klappt gut mit dem Flug nach Trondheim (Norwegian Airlines) und danach gibts für ca 30-40 Euro einen Bus. Wichtig ist, das man so zeitig wie möglich in Trondheim ankommt ( bzw. so spät wie möglich wieder abfliegt), denn auf dem letzten Stück (45 km) gibt es kein Bus. Dafür aber ein staatlich subventioniertes Taxi. Dies fährt aber nicht mehr Abends oder noch nicht früh zeitig. Am besten Olav, den netten Besitzer des Zeltplatzes kontaktieren der hilft gerne bei der bestellung des Taxis, den die Internetseiten dazu sind nur in Norwegisch.
Das Aktuellste Topo liegt auf dem Zeltplatz aus und wird regelmäßug ergänzt. Zudem ist ein aktuelles Topo in
"Climb Norway" enthalten.
Da es noch keine Internetseite gibt hier eine Infomöglichkeit via Facebook.
http://www.google.de/url?q=https://m.facebook.com/ClimbFlatanger%3Frefsrc%3Dhttps%253A%252F%252Fwww.facebook.com%252FClimbFlatanger&sa=U&ved=0CAsQFjAAahUKEwjI7ff6tNrHAhWE1hoKHbxjDRw&usg=AFQjCNE2skhhjDPV8-SalA9AZKGOSyy0yA


Harbak (Bouldern + Trad)

Örtlich deutlich konzentrierter als Vingsand ist Harbak (gleichfalls Name des gleichnamigen Ortes und leicht via Google Maps zu finden) das wohl bekannteste Bouldergebiet Norwegens. Von Dachproblemen bis hin zu tollen überhängen gibt es von allem ein wenig. Das Ambiente ist wie immer toll, nur das manche Blöcke im Sumpf stehen ist etwas schade.
Die meisten boulder befinden sich 300m vor dem Ortseingang Harbak auf der rechten Seite unterhalb eines Felsüberhangs ( Hulla) in dem auch bei Regen gebouldert werden kann. Es gibt einen kleinen Boulderführer welcher leider vergriffen ist. Am Wochenende trifft man aber vielleicht mal einen Local.
Im Umkreis von 30 min zu Fuß gibt es auch etliche Tradroute welche im Führer für die Umgebung von Trondheim "Trønder Rock" beschrieben sind.


Man ist gefühlt am Ende der Welt aber nach 10 min laufen gibt es ein paar erlesene Boulder.

Täglich kommt die Hurtigrouten auf der gleichnamigen Route vorbeigefahren und läßt selbst hier alles klein aussehen.





Wenn es nicht gerade zu sumpfig ist haben selbst die ganz kleinen hier was zum Spielen.



















Vingsand ( Bouldern)
Bouldern ist ja im Sommer nicht so meine Lieblingssportart aber in dem Ambiente ist es echt schön auf dem Crashpad zu sitzen und die Landschaft auf sich wirken zu lassen. Der Vorteil von Vingsand jedoch ist, das es hier etliche Boulder gibt, welche mehr als 10 Züge haben ohne das man extrem hoch überm Boden ist. Auch die Felsstrukturen sind wirklich toll nur sehr viele Probleme gibt es nicht und weit versteut sind diese zudem noch. Was jedoch beim Suchen schön ist, man läuft durch eine schöne Heidelandschaft und ab Juli findet man zum Teil riesige schmackhafte Rotkappen.
Wie alle der hier genannten Gebiete ist man nie weit vom Meer entfernt und kann Abends noch schnell das Abendessen aus dem Meer angeln. Das einzige Manko von Vingsand ist das es keine Topos oder Zustieginformationen gibt. Dadurch rennt jeder etwas orientierungslos durch das Gebiet und sieht nur die Hälfte der Probleme. Eigentlich schade, deshalb habe ich mal zwei Skizzen der beiden Gebiete von Vingsand gemacht und in den Blog gestellt. Sie sollen nur eine Orientierungshilfe geben gleichfalls die Schwierigkeitseinstufung welche ich teils gehört und teils geschätzt habe.
Den Ort Vingsand findet man leicht mit Hilfe von Google Maps und es gibt grob zwei Sektoren. Den Sektor Harbour der wie der Name vermuten lässt in der Nähe des Hafen liegt und der Sektor Black Diamond, welcher 5-10 Autominuten von Hafen entfernt auf der anderen SeitendesnFjordes liegt. Also vielleicht hilft es ja jemanden. 


Die meisten Probleme wie hier die kleine Grotte (am 2.Hügel vom Sektor Harbor) sind regensicher und einfacher zu finden als die nahegelegene "Long Wall" welche man erst sieht wenn man 3m davor steht.

Idyllisches Parken am Sektor Harbor wo man auch wieder das Abendessen aus dem Meer holen kann.

Vingsand map sector Harbor

Vingsand map sector Black Diamond

Wir wird der Dorsch noch Traditionell an der Luft getrocknet und dient im Winter als Hundefutter.





Bergflødt ( Sportklettern und wenig Tradklettern)
Die 40m hohe östlich, ausgerichtete Wand ist ca. 40 km von Oslo entfernt und ein echtes Juwel. Der Granit ist rot, rauh, von Risspuren durchsetzt und hängt nut 1-2m über. Dennoch bietet es ausgezeichnette Hangelriß- und extrem technische Wandkletterei die aus Trittmangel die sehr pumpig ist. Die meisten Routen liegen im Schwierigkeitsbereich Franz 7c und schwerer. Dazu kommt, dass die Einstufungen wirklich so knallhart sind, dass man die Routen selbst im Yosemite nicht abwerten müßte. Die harte Bewertung ist scheinbar in Skandinavien üblich ( mit Ausnahme Flatanger natürlich) Leider ist die Wand nicht im Auswahlführer "Climb Norway" enthalten.
Eine unscheinbare Wand, aber tolle senkrechte bzw leicht überhängende Kletterei


Alle hier erwähnten Kletterführer sind in der Bibliothek des Sächsischen Bergsteigerbundes in Dresden auszuleihen.