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Dienstag, 28. Juli 2026

Blåbærmonsteret - NeuDatour am Ufshomfjellet Di

 

Topo Blåbærmonsteret 9a am Ufshomfjellet 

„Blåbærmonsteret 9+“: Neues Testpiece im Nissedal eröffnet!

Mit „Blåbærmonsteret“ (Blaubeermonster) ist im norwegischen Nissedal eine spektakuläre neue Mehrseillängenroute geboren. Es ist die vielleicht schwierigste Linie des Gebiets, geprägt von extrem langen, anhaltend anspruchsvollen Passagen – und rein von den Kletterzügen her die wohl abwechslungsreichste Route die ich hier geklettert habe.

Ein völlig neuer Stil: Athletisch statt nur Plattenschleichen

Normalerweise ist das Granitklettern im Nissedal selten homogen. Die meisten Routen leben von einer harten Schlüsselstelle, nach der das Gelände schnell deutlich leichter wird. Nicht so beim „Blaubeermonster“: Hier warten gleich mehrere schwere Stelle die den Kletterer dauerhaft fordern. Schon beim Einbohren brannten mir die Unterarme – und das lag definitiv nicht nur an der Bohrmaschine auf dem Rücken!

Vom Charakter her lässt sich die Route am besten mit Urdviki vergleichen: technisch hochgradig anspruchsvoll und extrem kraftvoll. Der Kletterstil erinnert stark an die alpinen Sportkletter-Klassiker im Rätikon oder an den Wendenstöcken. Die Routenfindung ist knifflig, und zwischen den Haken muss man mental absolut bereit sein, sich voll und ganz auf die Züge einzulassen. Das ist kein reines Plattenschleichen mehr, sondern fast schon athletische Sportkletterei im steilen Fels.

Nervenkitzel bei der Erstbegehung von unten

Das Faszinierende am Erstbegehen von unten ist die absolute Ungewissheit. Einerseits hofft man auf eine echte Herausforderung, andererseits zittert man bis zum Schluss, ob die Linie überhaupt frei kletterbar ist – ob es also genug Griffe gibt, um ohne Unterbrechung vom Einstieg bis zum Ausstieg zu kommen. Die perfekte Wand für solche Ansprüche zu finden, ist schwer. Glücklicherweise bietet das Nissedal noch viel freie Felsflächen. Beim Bohren selbst stellte ich eine faszinierende Dynamik fest: Ich war so dermaßen fokussiert wie selten zuvor beim Klettern. Da blieb für Angst schlichtweg kein Platz.

Micha in der letztenl Länge, es sah schwer aus ging aber besser als gedacht. 


Noch so viel Platz. In dem gesamtenBereich bis nach rechts zum See gibt es nur 1 Route!

 

Materialschlacht, extreme Hitze und Spucke-Kühlung

Schon in der ersten Seillänge erlebten wir ein echtes Material-Drama. Noch bevor der zehnte Haken saß, war bereits der dritte Bohrer abgebrochen! Vor uns lagen noch über 200 Meter Wand und wir hatten nur noch zwei Bohrer im Gepäck. Normalerweise schaffen wir mit einem einzigen Bohrer 30 bis 60 Löcher, bevor der Durchmesser zu eng für den Schwerlastanker wird. Hier scherte die Hartmetallspitze nach nur wenigen Löchern ab – so etwas hatten wir noch in keinem Kletterurlaub erlebt.Der Grund: Die Bohrkrone war bei der neuen Charge flächig aufgelötet. Genau an dieser Nahtstelle brachen die Bohrer ab, einige liefen sogar blau an. Sie wurden in dem harten Granit schlichtweg blitzschnell zu heiß. Also hieß es improvisieren: Neben dem ohnehin schon anstrengenden Bohren aus der Kletterstellung nahm ich den Bohrer alle 10 Sekunden aus dem Loch, spuckte an die Wand und kühlte den Bohrer im Speichel. So holten wir mehr Löcher aus den verbleibenden Bohrern es dauerte aber auch länger.

 

Die 1. Länge von oben gesehen. Wo es schwer ist stecken die Haken dicht sonst etwas großzügiger.

Die 2. und erste schwere Länge ist leicht überhängend und es sind echt weite Züge.

Die 2. Länge sieht von oben so aus...

und das Ender der länge mit Rausschmeißer so.

Das Ende der 3. Länge.

Zusammen mit zwei Bohrern, die uns Götz Wichmann glücklicherweise lieh, konnten wir in der Route am zweiten Tag gegen Mitternacht den letzten Haken bohren. Das es so spät wurde, lag auch am fast schon zu perfekten Wetter. In der prallen Sonne kletterte das Thermometer auf über 40 °C. Da die Wand erst gegen 15:30 Uhr in den Schatten kam, konnten wir nicht einmal den halben Tag effektiv nutzen. Allein für die Crux benötigte ich fast vier Stunden für 13 Haken (+ 3 Verhauer und 2 Standhaken). Dies lag daran, weil die Orientierung im Fels extrem schwer war und die Strokturen erst erkannbar waren wenn man sie unter den Fingern spürte.

Die Cruxlänge, sieht anfangs nicht besonders spektakuläre aus aber dann war es doch knapp das es ging.

Die letzten Meter am Ausstieg. Es gibt einen Wanderweg nach unten, aber ich seile lieber ab.

 

Das Fazit

Benannt wurde die Route nach dem „Blaubeer-Monster“ – Michael Meyer, der maßgeblich an der Erschließung beteiligt war, aber an wirklich jedem Busch anhalten musste, um Heidelbeeren zu naschen. 

 

Das Blaubeermonster am Einstieg seiner Namensroute.

Ein riesiger Pluspunkt zum Schluss: Der Zustieg dauert gerade einmal extrem entspannte 5 Minuten. Ein absolut lohnendes Projekt für alle, die eine anhaltende, athletische Herausforderung im norwegischen Granit suchen!

Mittwoch, 15. Juli 2026

Jörmungandr - Erstbegehung am Hægefjell


Topo Jörmungandr am Hægefjell
Topo Jörmungandr am Hægefjell.

Jörmungandr: Die Midgardschlange am Hægefjell.

Hægefjell ist der Half Dome Norwegens und bietet genialen Granitfels zum Klettern. Nachdem Michael Meyer und ich dort bereits 2023 und 2025 zwei Routen eröffnet haben (Vinland Saga und Möllnir), fehlte uns noch eine ganz besondere Linie in einer der steilsten Wandpassagen. 
Letzte Woche haben wir das Projekt vollendet – auch wenn die Linie nicht ganz so gerade verlief, wie wir es uns gewünscht hätten. Sie schlängelte sich regelrecht durch die Seillängen. Am Ende stand der Name fest: „Jörmungandr“, die Midgardschlange.
Eigentlich benötigten wir das 200m Statikseil nicht aber wir dachten es wäre beim Sanieren für tressur Island nützlich, war es aber nicht.

Due 3. Sl wurde schon mal glatt und am Ende schwer. Da waren aber vor kälte meine Füße ftaub.

Micha in der 4. Sl.

 
Bei einer 450 Meter hohen Wand ist ein bisschen Zickzack-Kurs gar nicht so verkehrt. Wir hatten riesiges Glück, dass sich alles komplett frei klettern ließ. Der erste Tag war ziemlich kalt und windig. Das machte die Verständigung in der Wand extrem schwer, und die Akkus unserer Bohrmaschine waren viel schneller leer als gedacht.
 
Froh nicht wieder hoch zum Rucksack zu klettern weil der Ersatzschlüssel zu uns kommt ging es zum Auto.

Warum haben wir den Umlenkhaken im Chalkbag?? Tipp es hat was mi dem Wind zu tun.

Na we findet den Haulbag wo der Autoschlüssel drin ist?

Nach mehreren Stürzen war Michas und auch unser letzter Bohrmaschinenakku alle.

Micha an Anfang der 7.Länge.

Von oben siet es noch glatter 

Wo soll man hier nur lang klettern rechts oder links?

Micha hat die 6. Sl angefangen zu bohren und in der Mitte habe ich weiter gemacht.

Am Ende des Tages hatten wir fast 7 Sl Erstbegangen und am 6. Stand ließen wir unsere Rucksäcke zurück. Müde, aber glücklich seilten wir abends ab und kamen wieder am Wandfuß an. Unten sammelten wir erst einmal das Material auf, das uns tagsüber versehentlich runtergefallen war. Genau in dem Moment fragte mich Michael, ob ich eigentlich den Autoschlüssel aus dem Rucksack mit runter genommen hätte. Fehlanzeige, leider nicht. Da standen wir nun müde und hungrig am Boden – und der Autoschlüssel hing sechs Seillängen über uns in der Wand.

Rettung in der Not und Sandfliegen-Alarm

Zum Glück hatten wir unten am Wandfuß noch ganz schwachen Handykempfang. Wir riefen Götz Wichmann an, der auch auf dem Campingplatz am Nisser-See stand. Götz ist nicht nur der Autor des lokalen Kletterführers, er fackelte auch nicht lange: Er bot sofort an, die 30 Minuten zum Hægefjell hochzufahren und uns einzusammeln. Ein Riesenglück, denn wir hatten einen Ersatzschlüssel auf dem Campingplatz, den er uns mitbringen konnte.
Nach einem Ruhetag starteten wir sehr früh in die Route. Bereits um 14:00 Uhr hatten wir Unsere Neutour erfolgreich fertig gebohrt und durchstiegen. Es Stand aber noch mehr arbei an. Beim Abseilen sanierten wir "Treassure Island " was 30 Jahre die schwerste und anspruchsvollste eoute am Hægefjell war. Allerdings war dies bei der Hitze und ohne wind ein brutale Arbeit. Als sich in der 2. Sl beim Abseilen auch noch das Seil verhängte musten wir noch einmal einsteigen.
Der letzte Stand ist an der Kante und ein Haken zum bequemenS Sitzen

Geschaft unsere 3. Neutour am Hågefjell.

Die 9. Sl ging schnell

Unmittelbar nach dem 7. Stand wurde es noch mal kurz schwer.

DerStand der 7. Sl ist fast am Ende der glatten Wandzone. Hier wusten wir das wir fast sicher waren das die route frei geht.

Die Crux der 3. Sl kommt am Ende.

Micha arg gequält von den Sandfliegen am 2. Stand

Dort geht es los, der Start der 1. Sl

Jede Tageszeit hat Vor- und Nachteile. Tagsüber gab es weder Mücken noch Sandfliegen. Das war am Morgen noch anders gewesen.  Die Sandfliegen fraßen uns lebendig auf und folgten uns, bis wir endlich den Haulbag am 6. Stand mit dem Moskitonetz erreichten. Ab da konnten wir zumindest wieder atmen, ohne gleich hunderte von den Viechern zu verschlucken. 3,5 Längen wurden fertig gebohrt, das Seil abgezogen und durchgestiegen. Die letzte Länge on sight eingeboht. Wie das geht? Aus der Kletterstellung Bohren + Haken reinschlagen + Festziehen. Alles in allem sehr anstrengend für die Waden.
Short Facts:
 67 Bohrhaken in den Längen sowie wenige Friends + 20 BH an den Ständen machen das ganze sicher aber zu einem kleinen Abenteuer.
 
 Hier der Text vom Topo fall er schwer zu lesen ist:
"Jörmungandr" 9-  
(UIAA Grading, 7+ obl., 450m)
(Midgards Snake)

Location:           
Hægefjell ( Norway), In between "Hägar" and "Mjölnir".
                           
Approach:        
 From the parking walk left the dirt road and follow this till you are underneath the route. There is a path with stone cairn going to the Start of "Hägar" from there heading straight up the slab. The start is on  the right side of a formation of bushes and little trees, 20m higher than the base of the wall. There is a crack cutting true a  little vertical part of the wall.The name is written on the start.

Decent: 
Rappel down the route or hike/ traverse on the grassy ledge left as "Mot Sola" till you reach easy ground. Than take the hiking trail down on the left side of the cliff.

First Ascent:     Tobias Wolf & Michael Meyer
 
bolted 08./09.07.2026
RP 09.07.2026

Gear:                  2 x 60 m ropes 
                           16 quick draws (5-6 long ones)
                           Single set of cams BD #00- #0.5
 
1.Sl: 6 bolts,  58m 5+
2.Sl: 3 bolts,  50m 5-
3.Sl: 7 bolts,  40m 8- and gear
4.Sl: 5 bolts,  35m 6+ and gear
5.Sl: 4 bolts, 40m 7+ and gear
6.Sl: 11 bolts, 35m 9-
7.Sl: 11 bolts, 40m 8+
8.Sl: 9 bolts, 50m 8
9.Sl: 7 bolts, 35m 7- and gear
10.Sl: 4bolts, 25m 6+ 


Freitag, 29. August 2025

100. Erstbegehung von unten

 

Bernd Großer in "Baatzillus Spiller " RP 10b

Letzte Wochenende hatte ich das Glück meine hundertste Erstbegehung zu beenden.

Wir haben die Route an der Feiertagswand (Sváteční stěna) im Kamnitzgrund "Baatzillus Spiller" getauft und mit 10a RP 10b bewertet.
Der Name kommt von den beteiligten Personen an diesem Jubiläum. Bernd Großer aka "Baatzillus" und Chris Jan Stiller der nicht nur unsere handwerklichen Misgeschicke ausgemerzt hat, der König des Skyhooks ist, die bequemsten Schuhe in schweren Längen trägt, eine unglaubliche Geduld hat, mit Bohrmaschine auf dem Rücken einfach alles Klettern kann und der auch mal eine lose Rippe mit Spillen vor dem abbrechen sicher macht.
Welche seiner hervorragenden Fähigkeiten beim Jubiläum eingesetzt wurde kann der aufmerksame Leser vom Namen ableiten.


Wie auch bei den vorhergehenden Routen wird ein sehr vielseitiges Programm geboten: Weite Züge, Leisten, Löcher, Untergriffe und Reibungstritte geben sich gegenseitig die Klinke in die Hand. Oben gibt es nach der ganzen schöne old-school-Kletterei ein sehr modernes Ende. Mangelnde Körpergröße und Armspanne muss mittels eines Toehooks zu einem schlechten Aufleger gezogen werden. So was gibt es heute fast in jeder Boulderhalle aber in einer senkrechten Wand selten.
Alles in allem eine gute 100. Erstbegehung die mitlerweile auch von Kletteren aus Böhmen wiederholt und nicht abgestuft wurde.


Zudem spiegelt sie auch die 99 vorangegangen Erstbegehungen wieder. Ich war nie ein Freund der Masse was Erstbegehungen es angeht es hat sich halt so ergeben. Ich war eigentlich immer auf der Suche nach was richtig schweren zum Klettern. So sind nur 10 Routen im 9ten Sachsengrad dabei der Rest sind 10er oder 11er geworden. Lediglich 2 Mal ging die geplante Route nicht zu Klettern und 4 mal haben wir die Haken wieder entfernt, weil das Gestein und/oder die Kletterei unseren Ansprüchen nicht gerecht wurde. Dabei betone ich gerne, dass wir immer versucht haben mit einem notwendigem Minimum an Haken das beste Klettererlebnis aus der Wand zu holen. Nicht irgendwie auf Krampf unlogische Hakenabstände vorzulegen damit die Nachwelt uns bewundern kann. Meiner Meinung nach geht es beim Erstbegehen darum ein schönes Gesamtkunstwerk zu hinterlassen was den Kletterern Freude bereitet. Ein Lob des Wiederholers ist eine gute Belohnung für die Mühen und Kosten.

Bei den 100 Neutouren wurdenbinsgesamt über 200 Seillängen erschlossen und mehr als 2000 Bohrhaken & Ringe sind dabei in die Wand gefahren. Die längste Route war 16 Seillängen bzw. 650 m lang, die kürzeste ist nicht einmal 30m. Am häufigsten musste ich zum Frienstein gehen um "Herr der Ringe" einzubohren und RP zu Klettern. Mal sehen wie viele Routen noch folgen werden, es ist jedoch immer wieder ein unglaubliches Glücksgefühl wenn beim Erobern einer neuen Route von unten ausreichen Griffe und Tritte zum Hochklettern vorhanden sind.


Wärend der letzen 100 Neutouren wurde ich von viele Freunden begleitet und unterstützt. An dieser Stelle noch einmal vielen Dank an alle beteiligten für die viele positive Energie.
Hier nur ein paar namentlich genannt:
 
Chris-Jan Stiller, Thomas Küntscher, Michael Meyer, Kerstin Wolf, Robert Hohlfeld, Robert Leistner, Stephan Isensee aka Isee, Uwe Richter, Jens Manka, Michael Scharnweber, Bernd Großer aka Baatz, Rüdiger Helling, Martin Pötschke, Phillip Popitz, Georg Fürst, Sven Martin, Julian Schreiber, Tillmann Walter, Thomas Hering und viele andere.

Die Idee der Route kam von Baatz.

Endlich Klettern? Denkste am Tag wo die Hake gebohrt wurden war ich mehr mit Putzen und runterfallen als mit Klettern beschäftigt. In dem Fall ist von unten Erstbegehen mehr als doppelt so anstrengend wie sonst.

Fast immer dabei. Chris-Jan Stiller stand mir entweder mit Taten oder mit einem guten Rat zur Seite. Außerdem hat er mir gezeigt wie wichtig kleine Details sind.


Montag, 7. Juli 2025

Mjöllnir, Neutour am Hägefjell

Hægefjell das Juwel der Telemark Region


Ich stehe zitternd an der Wand und weiß nicht wo ich lang klettern soll. Links bei der Rippe gibt es keine Tritte und der Riß ist geschlossen. Also versuche ich mein Glück auf der Wand weiter rechts. Zug um Zug steige ich weiter. Das Zittern kommt mehr von der Kälte als vor Angst. Dazu der böige Wind oder besser gesagt die orkanartigen Böen. Beim Ansetzen der Bohrmaschine biete ich dem Wind noch mehr Angriffsfläche. Das macht das Ganze echt brenzlig. Ich versuchte die Böen abzuwarten aber 2 Fehlversuche waren trotzdem dabei. Beim 3. Mal klappte es. Zwischendurch musste ich mich einmal am Bohrer festhalten um nicht aus der Wand zu kippen. Irgendwann war der Haken drin und das Spiel ging von vorne los.


Wo sind wir eigendlich? Wir befinden uns am Hægefjell in der Telemark Region von Norwegen. 


Vor 2 Jahren bereits konnten Michael Meyer & ich hier mit "Vinland Saga" ein altes Projekt von Ralf Reißig vollenden. (<https://kayakandclimb.blogspot.com/2023/07/vinland-saga-klettern-am-hgefjell-in.html>)

Das Ziel dieses Besuches war die glatte und kletterwegfreie Zone zwischen "Hägar" und "Treasure Island".

Zwischen den 2 Wasserstreifen ist die von uns geplante Route.


Ist in diesem Wandbereich eine Freikletteroute möglich? Kann man diese von unten erstbegehen? Bei unserem letzten Besuch 2023 habe ich viele Fotos von dem Wandbereich gemacht, die so gut wie möglich die Wandstrukturen erkennen lassen, um eine eventuell mögliche Routenfühung zu finden. Bei einer 400m Wand kann an jedoch nur erahnen, was für Schwierigkeiten auf uns zukommen aber die Fantasie wurde beflügelt und die Vorfreude stieg ins unermessliche.

Noch geschafft von der langen Fahrt ging es sehr schnell zur Sache. Der Wetterbericht war sagte 4 Tage regenfrei voraus.Also mussten wir schnell mit dem Projekt anfangen. Nach fast 30h Fahrt ging es am Folgetag übermüdet nach dem Familienpaddeln zum Einklettern.

Ein weiterer Tag für die Familie und somit ein Ruhetag für die Füße und es konnte losgehen.

Voll beladen ging es zur Wand

Das Hægefjell vom Parkplatz aus gesehen. unsere Route is ca. 10-15 Min weiter links.


2 Tage blieben uns die Route einzubohren bevor 3-4 Tage Regen dem Klettern am Hægefjell eine Zwangspause verordnen würde. Dazu sollte ich erwähnen, das es sich am Half Dome von Norwegen vorwiegend um liegende Wände handelt, also meist weniger als senkrecht. Das Klettern hier ist bei feuchtem Fels deutlich schwerer bis unmöglich. Mitunter läuft es mehrere Tagen nach Regen aus den Bändern und Rissspuren die Wand herunter.


Der erste Tag an unserem Projekt startete spät und anders als gedacht. Um 6:00 Uhr nieselt es noch auf dem Zeltplatz am Nisser. Also noch 1h Weiterschlafen. Der schnelle Start verzögerte sich weiter, weil wir einen Zustiegspfad zu zeitig abbiegen und voll beladen mit Seilen, Bohrmaschine & Haken, Akkus, Friends & Keilen an der Wand entlang stolpern. Durch das nasse Gras waren die Schuhe sowie die Hosen bis zum Knie durchgeweicht. Es ging zum Glück etwas Wind und somit trocknete der Fels schnell ab.Die Sonne scheint und es wird angenehm warm.So etwas waren wir vom Hæhefjell bisher nicht gewohnt. Da wir wegen einer 10m hohen Steilstufe am Wandfuß den oberen Wandteil nicht sehen konnten liefen wir erst mal 200m zu weit. Also alles Material wieder zurückgeschleppt. Gegen 10:00 Uhr, also für meinen Geschmack zu spät, ging es endlich ans Klettern. Zum Glück ging das Klettern dann besser als der Zustieg, vom kleinen Angriff der Wespen, die irgendwo im Felsen nisten, einmal abgesehen.Die ersten 10m waren etwas bröselig aber 2 Bohrhaken (BH) sicherten dies gut ab.



 Danach war die Felsqualität der Traum. Fester Granit und die tollsten Strukturen die man sich wünschen kann. Leisten, Rippen und gelegentlich ein Loch. Manchmal glatt wie Glas und ein anderes mal schön rau, aber immer genug um höher zu gelangen. Es war wie ein Tanz auf der Reibungsplatte und dank der Bohrmaschine auf dem Rücken könnte man wenn nötig einen Haken setzen. So ging es zügig voran. 



Endlich geht es los ich darf Bohen. Die 3.Sl

Toller fester Fels und massenweise gute Tritte.  Da macht das Bohren aus der Kletterstellung Spaß.


Am 4. Standplatz gab es ein größeres Band. Nach einer tollen Reibungsstelle spaltete ein 15 m Riß die glatte Wand. Ein Geschenk der Natur an uns. Dank vieler Friends wieder ein gut gesicherte Länge mit nur 3 BH.Die Zuversicht steigt, da wir sehr gut vorankommen.Aber die nächste Wandzone sieht sehr glatt aus.

Der Begin der 4. Sl

Micha am 3. Stand

Ich am 5. Stand.

Der Riß der 5. Länge sowie Rollbrett un Micha in Aktion

Die nächsten beiden Längen waren da schon ein anderes Kalliber. Die kompakte Wand machte das Lesen der Strukturen schwerer und so war ein kleiner Linksbogen nötig um in kletterbares Terrain zu kommen.



Der 2. Haken der 6. Sl wird von Micha gebohrt. Da Kerstin mit dem Fahrrad unterwegs war gibt es auch Bilder aus dem Tal.

Der kleine 3 Quergang der 6. Sl


 Es wurde aber nicht leichter sondern es blieb die ganze Zeit anspruchsvoll. Entweder es gab Tritte oder Griffe, aber nie beides. Das stehen auf winzigen Tritten und das Bohrem der Haken aus der Kletterstellung ist für die Füsse und Waden eine kleine Tortur. Dreimal helfen Slyhooks bei Bohren auf der steilen Platte. Dies zermürbte Micha zusehends und er kämpfe sich Haken um Haken nach oben. Es blieb spannend bis zum Schluß. Ich fieberte bei jedem Haken mit Micha bis endlich das Seil eingehängt werden konnte. Diese 6. Sl wurde eine richtige Ausdauerlänge und sollte die 2. Crux werden. Die 7. Seillänge sieht komplett unmöglich aus, weshalb wir auch kurz an der Machbarkeit zweifelten. Ich war schon dabei einen Rechtsbogen zu anzusetzen, als mein Gefühl sagte das geht auch gerade. Etwas zögerlich aber innerlich völlig unter Strom kletterte ich los. Bisher hatte ich alle Haken freistehend gebohrt und dabei blieb es auch. Das ging gewaltig die Wadenmuskeln. Beim Bohren des 2.BH brach mir der Bohrer ab. Ich stand kurz vor dem Wadenkrampf als ich aus der Kletterstellung den Bohrerest in die Tasche gesteckt sowie den Ersatzbohrer installiert hatte. Leider musste ich ein neues Loch beginnen für den Fall, dass noch Teile das alten Bohrers im Loch steckten. Wir mussten es vermeiden unseren 3. und letzten kurzen Bohrer abzubrechendes. Noch 2BH blieb es ungewiß ob die glatte Wandzone überwunden werden kann, dann wurden die Strukturen besser. Juhu!! Dies war bisher ohne Zweifel die Crux und der Blick nach oben zeigte leichteres Gelände.


Der Blick zurück beim Abseilen.

Micha zum Begin der 8. Sl.

Noch mal die 6. Sl diesmal bom Stand fotografiert.


 Nach der 8. Sl machten wir gegen 20:00 Uhr für den 1.Tag Schluß und seilten an unseren mitgebrachten Seilen ins Tal. Den Haulbag, das Rollbrett und den Großteil der Ausrüstung ließen wir oben in der Wand hängen. Zum Glück dachten wir an den Autoschlüssel, was uns sonst  einen anstrengenden Aufstieg mit den Steigklemmen beschert hätte.


Auf dem Weg zum Auto warfen wir einen Blick zurück und staunten nich schlecht, als wir feststellten, das unser Rucksack keine 100m vom Ausstieg entfernt hing. Hätten wir das oben gewusst hätten wir die 2Sl auch gleich noch bohren können. Dafür war es jetzt aber zu spät Für den Folgetag bedeutete dies noch einmal harte Arbeit. Zudem wollten wir versuchen nach dem Abschluß der Bohrarbeit auch noch alle Längen im Rotpunktstil durchzusteigen. Dann könnten wir an den Regentagen in ein anderes Gebiet fahren um etwas Neues zu sehen. 

Es gibt auch schöne Boulder am Hægefjell aber erst wenn im August die Mücken gestorben sind geht die Saison los.






Auf dem Parkplatz fragten wir einen Norweger nach dem Wetter für den Folgetag. Er sagte: "Regen in der Nacht und bis 9:00 Uhr dazu Wind." Die Tatsache mir dem Wind betonte er merkwürdig, so das ich nicht wusste weshalb, es ging doch auch heute eine leichte Briese. Wir sollten noch erfahren was genau er meinte.


Nachdem uns die kleinen schwarzen Beißfliegen beim Abendessen fast aufgefrassen blieb uns nichts anderes übrig als beim Essen herumzulaufen. Das machten die Norweger auch so und es half. 


Beim Frühstück gab es dieses Problem nicht, denn es war richtig windig. Wir packten noch die Abseilringe für die Standplätze sowie ein paar Bohrhaken ein und es ging zurück in die Wand. Ziel war es heute alle Längen RP zu klettern und die letzten beiden Seillängen zu bohren. Da wir alles wichtige oben gelassen hatte, konnten wir nicht von unten anfangen um dann oben weiter zu bohren. So schlug Micha vor "An den Seilen aufzusteigen, oben fertig zu bohren und beim Abseilen die Längen durchzusteigen." Das war der Plan.

Je höher wir kamen um so stürmiger wurde es. Die einzelnen Böen waren orkanartig. Die Seile hingen fast wagerecht. An diesem Tag war das Klettern nicht das Problem, sondern sich nicht vom Wind aus der Wand wehen zu lassen.Zudem kühlte der Körper trotz der 10-15°C sehr schnell aus. Bis ich mir die Regenjacke als Windbreaker anzog, frohr ich erbärmlich.Wir kämpften uns weiter und fanden leicht rechtshaltend eine Lösung aus der steilen Wandzone herraus. Die Felsqualität blieb auch hier einfach ein Traum.



Mittag zum Aufwärmen auf dem Ausstiegsband.

Nachddem am Vortag T-Shirt-Wetter war gab es am 2. Tag das volle Program an Anziehsachen und es war immer noch kalt.

Leider stecken die ersten 4 Haken der 9. SL mal nicht in gerader Linie da die Wegführung ungewiß war. Das läßt sich aber mit langen Exen beheben

Beim Bohren der 9.Sl. Nicht nur die Seile auch der Bohrstaub war in der Wagerechten.


 Gegen 12:00 Uhr war die Route fertig gebohrt. Bei der Mittagspause auf dem windgeschützen Grassband am Ausstieg wurde mir dank Daunenjacke endlich wieder warm. Anschließend seilten wir über unsere Neutour ab und kletterten allen längen RP. Das machte abgesehen von dem Sturm und der ungewohnten Reihenfolge richtig Spaß. Am Ende des Tages fühlten wir uns wie Ballettänzer auf einer Naturbühne aus Granit. Unser kleines Kunsstück war nach 2 Tagen vollbracht und wir waren stolz auf unser Werk. Mit 10 Standplätzen, einem Abseilstand in der 8.Sl sowie 55 Zwischenhaken auf 450m ist die Route ausreichend gesichert. Es sind jedoch Friends zwingend erforderlich. In leichten Passagen sind die Abstände etwas größer.

Mehr dazu im Topo.



Da sowohl die Linie als auch die Felsqualität der Hammer waren wurde dies auch zum Routennamen.

Um das ganze nordisch zu verpacken und weil meine Frau ein Fan des Gottes Thor ist, nannten wir die Route "Mjöllnir" nach Thor's Hammer.


Die folgenden 4 Tage in denen es immer wieder ausgiebig regnete genossen wir den Familienurlaub und Gefühl wieder ein Kapitel beendet zu haben.