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Dienstag, 28. Juli 2026

Blåbærmonsteret - NeuDatour am Ufshomfjellet Di

 

Topo Blåbærmonsteret 9a am Ufshomfjellet 

„Blåbærmonsteret 9+“: Neues Testpiece im Nissedal eröffnet!

Mit „Blåbærmonsteret“ (Blaubeermonster) ist im norwegischen Nissedal eine spektakuläre neue Mehrseillängenroute geboren. Es ist die vielleicht schwierigste Linie des Gebiets, geprägt von extrem langen, anhaltend anspruchsvollen Passagen – und rein von den Kletterzügen her die wohl abwechslungsreichste Route die ich hier geklettert habe.

Ein völlig neuer Stil: Athletisch statt nur Plattenschleichen

Normalerweise ist das Granitklettern im Nissedal selten homogen. Die meisten Routen leben von einer harten Schlüsselstelle, nach der das Gelände schnell deutlich leichter wird. Nicht so beim „Blaubeermonster“: Hier warten gleich mehrere schwere Stelle die den Kletterer dauerhaft fordern. Schon beim Einbohren brannten mir die Unterarme – und das lag definitiv nicht nur an der Bohrmaschine auf dem Rücken!

Vom Charakter her lässt sich die Route am besten mit Urdviki vergleichen: technisch hochgradig anspruchsvoll und extrem kraftvoll. Der Kletterstil erinnert stark an die alpinen Sportkletter-Klassiker im Rätikon oder an den Wendenstöcken. Die Routenfindung ist knifflig, und zwischen den Haken muss man mental absolut bereit sein, sich voll und ganz auf die Züge einzulassen. Das ist kein reines Plattenschleichen mehr, sondern fast schon athletische Sportkletterei im steilen Fels.

Nervenkitzel bei der Erstbegehung von unten

Das Faszinierende am Erstbegehen von unten ist die absolute Ungewissheit. Einerseits hofft man auf eine echte Herausforderung, andererseits zittert man bis zum Schluss, ob die Linie überhaupt frei kletterbar ist – ob es also genug Griffe gibt, um ohne Unterbrechung vom Einstieg bis zum Ausstieg zu kommen. Die perfekte Wand für solche Ansprüche zu finden, ist schwer. Glücklicherweise bietet das Nissedal noch viel freie Felsflächen. Beim Bohren selbst stellte ich eine faszinierende Dynamik fest: Ich war so dermaßen fokussiert wie selten zuvor beim Klettern. Da blieb für Angst schlichtweg kein Platz.

Micha in der letztenl Länge, es sah schwer aus ging aber besser als gedacht. 


Noch so viel Platz. In dem gesamtenBereich bis nach rechts zum See gibt es nur 1 Route!

 

Materialschlacht, extreme Hitze und Spucke-Kühlung

Schon in der ersten Seillänge erlebten wir ein echtes Material-Drama. Noch bevor der zehnte Haken saß, war bereits der dritte Bohrer abgebrochen! Vor uns lagen noch über 200 Meter Wand und wir hatten nur noch zwei Bohrer im Gepäck. Normalerweise schaffen wir mit einem einzigen Bohrer 30 bis 60 Löcher, bevor der Durchmesser zu eng für den Schwerlastanker wird. Hier scherte die Hartmetallspitze nach nur wenigen Löchern ab – so etwas hatten wir noch in keinem Kletterurlaub erlebt.Der Grund: Die Bohrkrone war bei der neuen Charge flächig aufgelötet. Genau an dieser Nahtstelle brachen die Bohrer ab, einige liefen sogar blau an. Sie wurden in dem harten Granit schlichtweg blitzschnell zu heiß. Also hieß es improvisieren: Neben dem ohnehin schon anstrengenden Bohren aus der Kletterstellung nahm ich den Bohrer alle 10 Sekunden aus dem Loch, spuckte an die Wand und kühlte den Bohrer im Speichel. So holten wir mehr Löcher aus den verbleibenden Bohrern es dauerte aber auch länger.

 

Die 1. Länge von oben gesehen. Wo es schwer ist stecken die Haken dicht sonst etwas großzügiger.

Die 2. und erste schwere Länge ist leicht überhängend und es sind echt weite Züge.

Die 2. Länge sieht von oben so aus...

und das Ender der länge mit Rausschmeißer so.

Das Ende der 3. Länge.

Zusammen mit zwei Bohrern, die uns Götz Wichmann glücklicherweise lieh, konnten wir in der Route am zweiten Tag gegen Mitternacht den letzten Haken bohren. Das es so spät wurde, lag auch am fast schon zu perfekten Wetter. In der prallen Sonne kletterte das Thermometer auf über 40 °C. Da die Wand erst gegen 15:30 Uhr in den Schatten kam, konnten wir nicht einmal den halben Tag effektiv nutzen. Allein für die Crux benötigte ich fast vier Stunden für 13 Haken (+ 3 Verhauer und 2 Standhaken). Dies lag daran, weil die Orientierung im Fels extrem schwer war und die Strokturen erst erkannbar waren wenn man sie unter den Fingern spürte.

Die Cruxlänge, sieht anfangs nicht besonders spektakuläre aus aber dann war es doch knapp das es ging.

Die letzten Meter am Ausstieg. Es gibt einen Wanderweg nach unten, aber ich seile lieber ab.

 

Das Fazit

Benannt wurde die Route nach dem „Blaubeer-Monster“ – Michael Meyer, der maßgeblich an der Erschließung beteiligt war, aber an wirklich jedem Busch anhalten musste, um Heidelbeeren zu naschen. 

 

Das Blaubeermonster am Einstieg seiner Namensroute.

Ein riesiger Pluspunkt zum Schluss: Der Zustieg dauert gerade einmal extrem entspannte 5 Minuten. Ein absolut lohnendes Projekt für alle, die eine anhaltende, athletische Herausforderung im norwegischen Granit suchen!

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