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Mittwoch, 21. Januar 2026

Cochamo 2026 Teil 1

 

Camping La Junta ist der beste Platz für Kletterer in Cochamo sollte aber rechtzeitig reserviert werden.

Ab dem Punkt wo jegliche Planung versagt beginnt das Abenteuer oder auch der Stress.
Nach 30h Flug sind wir endlich am Zielort angekommen nur leider unser Gepäck nicht. Ein Rucksack kann mal fehlen aber alle 3 ist wie ein Unfall mit Totalschaden. Einen Tag später sind wir etwas ausgeruhter wieder am Flughafen und bekommen nach langem diskutieren immerhin 2 Gepäckstücke. Ein weiterer Mietwagen für einen Tag und eine Unterkunft für 2 weitere Tage folgen. 

 

Unsere Unterkunft war echt klein und dabei hatten wir noch nicht mal alles Gepäck.

Als am nächsten Tag wieder keinerlei Information zum fehlenden Rucksack vorliegt bin ich am verzweifeln. Jeden Tag 30 Min zum Flughafen fahren und dort die ganze Zeit vergeblich Nachzufragen macht keinen Sinn mehr.
Michael Meyer und ich entscheiden uns für die Flucht nach vorne, denn ob das Gepäck überhaupt noch kommt und wo es sich aktuell befindet kann uns keiner sagen.
Nach einem teuren Nachmittag mit vielen Ersatzbeschaffungen wie Zelte, Schlafsack, Isomate, Rucksack und Klamotten wissen wir am Folgetag geht es endlich raus aus der Stadt. Falls das Gepäck doch noch kommen sollte habe ich eine Nachlieferung inklusive Pferdetransport organisiert.


Das Gepäck für die Packpferde wird ordentlich gewogen damit kein Pferd mehr als 60 Kilo trägt.

Tolle Bäume in einem Regenwald.

Unser "Baumarktzelt, da unser Gepäck immer noch fehlte.


Endlich liefen wir die 4h mit kleine Gepäck durch den Regenwald zu unserem Basecamp. Das Essen für 4 Wochen und das Kletterzeug mussten wir zum Glück nicht schleppen, denn es kann per Pferd transportiert werden. Doch wir wollten nicht lange im Basislager verweilen. Zum Klettern ging es am nächsten Nachmittag weiterere 4h ins Trinidad Valley.
Wie im Regenwald zu erwarten war es teilweise schlammig aber auch angenehn schattig. Die Ruchsäcke drückten schwer auf unseren Schultern aber wie blieben immer Wieder stehen und bestaunten die Vegetation und die großen Alerce Bäume.

Nach einer kühlen und lauten Nacht, es war leider Silvester, ging es endlich an den Fels. Selbst jetzt war noch 1h Zustieg nötig, denn ohne Laufen geht hier nichts. 
Die Route hieß Tio Tiedro und war für 5.12a anspruchsvoll gesichert und auch die Wegfindung war nicht leicht. Micha bemerkte zurecht, dass das Verhältnis von Zustieg zu gekletterten Seillängen mit über 1h immer noch schlecht ist.

See unterm Cerro Laguna im Trinidad Valley

Vorletzte Seillänge in Tio Tiedra

Gleiche Seillänge nur im Vorstieg. Ein sehr enger und kiseliger Fingerriß

Topo Tio Tiedra


Wir suchten uns für die kommende Nacht einen ruhigeren Biwakplatz den wir genau am See unterhalb vom Cerro Laguna fanden. Da es dort wenige ebene Plätze gibt waren wir allein. Der Platz ist einfach ein Traum überall um einen wachsen Granitwände in die Höhe und bei Windstille spieget sich der Trinidad mit seinen 3 Gipfeln im Wasser.
 Beim Klettern von Velho Alerce 5.13b waren wir den ganzen Tag in der Sonne und durch den kühle Wind merkten wir zu spät wie wir lagsam verbrannten. Ohne es zu wissen sollte dies eine der besten Routen des gesamten Urlaubs werden. Der gute Fels und die vielen excellenten Fingerrisse machten ihn zu einem echt tollen Erlebnis. Doch die war nicht immer so, denn nach der Erstbegehung durch Jose Luis "Chiqinho" Hartmann war die Absicherung abseits der Risse extrem schlecht. Kein Wunder, den große Teile der Route wurde damals nicht frei geklettert sondern mittels Trittschlinge. Weil sich viele Kletterer über die schlechte Absicherung beschwert hatten, kehrte "Chiqinho" 20 Jahre später zurück und setzte zusätzliche Haken. Ein schönes Beispiel für die Evolution des Kletterns. Nach einem langen anstrengendem Tag waren die Finger geschunden und wir freuten uns auf einen Ruhetag am See.

 

So sahen die Finger am Abend aus.

6. Sl in Velho Alerce

2. Sl von Velho Alerce

2. Sl von Velho Alerce wie fast alle Längen ein Traum

Topo Velho Alerce

 

Obwohl Micha am Vortag noch sagte an diesem Tag "keinen unnötigen Schritt zu machen", lief er nach dem Frühstück ca 1h zu einem Aussichtspunkt. Manche Sachen ändern sich halt nie. Ich hielt tapfer durch und war am nächsten Tag wieder motiviert bei der Sache. Ziel war endlich einer der 3 Trinidad-Gipfel. Wir entschieden uns für "Pegadito en la Pared" 7c+ und ohne es zu wissen war die Route wieder von Chiquinho.
Da es eine Schattenseite ist, war der Fels eher durchschnittlich, aber die 5. Sl war eine total schöne Hangelrippe. Gefolgt von der Crux, einer Hakenleite an einer Kante die frei zu Klettern gehen sollte. Die Kante sah extrem glatt aus und der Absatz darunter machte es nötig den 2. Haken vorzuhängen. So gesichert gab ich einen ernsten On Sight go. Sowohl die Kante als auch die darauf folgenden Reibung glückte. Es folgte eine so dünne und hohle Granitschuppe, dass ich diese nur ganz vorsichtig an der Wand nach unten belastete um nicht mit ihr auszubrechen. Obwohl die Sicherung durch Bohrhaken unkritisch war gruselte ich mich fürchterlich aber machte motiviert weiter. Als die Schuppe auslief und die nächste erst 2,5m über mir einsetzte war ich am verzweifeln. Sollte das o.s. nur 10m vor dem Standplatz enden. Lange kletterte ich vor und zurück aber so wie es aussah ging es nur mit einem Doppeldynamo. Micha war 35 m unter mir außer Sicht, die Startposition war voll überstreckt und ich fühlte mich sehr unwohl aus dieser Position loszuspringen. Es half alles nichts, ich musste einen richtig entschlossenen Versuch machen. Ich brachte mich erneut in die voll überstreckte Position mit dem falschen Fuß unter dem Körper damit die schräg stehende Hüfte überhaupt einen Zentimeter mehr Länge bot um loszuspringen zu können. Der linke Fuß war auf die glatte Wand gestellt und ich explodierte in Richtung der nächsten Rippe. Ich hielt die Luft an und flog ... ... lange genug nach oben um die Rippe zu fassen zu bekommen. Jetzt noch den Schwung abfangen und geschafft. Juhu, die Freude war riesig und die letzten Meter zum Stand waren auch kein Problem mehr. Eine weitere Länge und es war geschafft. Um 13:00 Uhr standen wir wieder am Einstieg und freuten uns auf den Abstieg ins Tal. Nicht jedoch ohne vorher unsere Material am Trinidad Norte zu deponieren.

Topo Pegadito en la Pared

Micha in der 3. Sl mit einem Condor über ihm.

Die 5. und Beste Länge in Pegadito... .

Nach 30m Kletterei kommt dieser  besch... Längenzug. Zum glück ging dieser mit einem komplizierten Dopeldynamo wo man einen Knoten in den Beinen hat.

Was für ein toller Regenwald mit den riesigen Alerce- Baumen und einigen Blumen.


So war der Abstieg sehr angenehm und die Rückkehr zu La Junta war wie das erreichen einer Oase nach einer langen Wüstenwanderung Nach den Regenwäldern und der Granitwüste war die grüne Wiese des Zeltplatzes eine Wohltat für Körper und Geist. Um das ganze noch zu steigern war sogar unser vermisstes Gepäckstück endlich bei uns angekommen. Jetzt können wir endlich das machen weshalb wir nach Cochamo gekommen sind.

Endlich mal was leckeres zum Essen. Rührei aus Eipulver.


Einen kompletten Ruhetag im Tal bevor es wieder mit Essen für 7 Tage ins Trinidad Valley ging. Leider lief es dann anders als gedacht. Nicht nur das Wassermusik sehr schmutzig und brüchig war, sondern in der 10. Sl welche A0 geklettert wurde hielt kein einziger Griff an der Wand. Zudem waren die Bohrhaken so weit auseinander, das Micha kaum von Haken zu Haken kam. Bei einen dieser Versuche mittels Trittschlinge brach eine kleine Leiste weg und er kippte aus der Wand. Dummerweise blieb Michas Fuß in der Schlinge hängen und die Bänder am Fuß gaben nach. Der Fuß schwoll gewaltig ab und Laufen war jetzt nicht mehr möglich. Zum Glück ging das einbeinige Abseilen bei Micha.
Wir schliefen erst mal am Wandfuß und wollten schauen wie es am Morgen aussah. Als der Fuß am nächsten Tag noch dicker war, lief ich mit sehr viel Gepäck ins Tal und besorgte 2 Krücken. Vom Zeltplatz La Junta liefen Juan, Nina und Pablo mit mir hoch zu Micha um zu Helfen. Innerhalb von 2,5h stieg Micha mit Krücken ins Tal ab. Als wir sicher waren das nichts gebrochen war, entschueden wur uns erst mal in Cochamo zu bleiben.

 

Wenn man alt wird hängt man am Tropf und geht am Stock enn man blöd runterfällt auch.

Das Team von La Junta war immer hilfsbereit für alle auf dem Zeltplatz da und es war eine echt angenehme Stimmung auf dem Camp.

Das war es dan wohl mit dem Klettern für einige Zeit.


Freitag, 26. Dezember 2025

Patagonien 2026

 




 

Jetzt ist es genau 11 Jahre her, dass ich zum ersten Mal im Patagonien war.
Beim ersten Mal hatte ich Pech mit dem Wetter. Dazu kam noch Pech mit den Kletterpartnern, aber weder das Wetter noch die Gesundheit lässt sich planen.

Elf Jahre sind eine lange Zeit und in der Erinnerung vergisst man zum Glück viel. Deswegen will ich es noch einmal probieren diesmal im Norden von Patagonien. Nach den vielen extremen stürmischen & schneereichen Nächten beim letzten Mal, wollte ich dieses mal etwas anderes neues probieren.

 Dieses Mal bin ich in Begleitung von Michael Meyer mit dem ich bereits viele große Wände in Europa geklettert  bin.

Das Ziel dieses Mal liegt in Chile und heißt "Cochamo". Als Yosemite von Südamerika bekannt gibt es dort extrem viele große Granitwände aber auch extrem viel Niederschlag. Zum Glück von Januar - März meist nur in Regen. Ich hoffe dass wir keine Arche bauen müsse um trocken aus dem Tal wieder rauszukommen.


Zum Glück passte alles in 3 große Säcke und das Kleinzeug (oben stehend) ging ins Handgepäck.

Zum Glück gibt es auch die Möglichkeit das unnötige Geschleppe zum Basecamp zu minimiere. Hier werden wir 2-beinigen Lastenesel durch 4-beinige Artgenossen unterstützt. Immer haben wir über 145 kg Material dabei davon ca. 50 Kg Lebensmittel. Da es im Basecamp weder Strom noch Internet geben soll erfolgt das Update bzw. der nächste Post erst am Ende der Reise

 Ich bin gespannt was für dieses Mal erleben werden. Es gibt im Anschluss auf jeden Fall einen Vortrag darüber. 

Euch eine guten Rutsch ins neue Jahr.

Endlich auf dem Weg ins Abendteuer.

 

Freitag, 29. August 2025

100. Erstbegehung von unten

 

Bernd Großer in "Baatzillus Spiller " RP 10b

Letzte Wochenende hatte ich das Glück meine hundertste Erstbegehung zu beenden.

Wir haben die Route an der Feiertagswand (Sváteční stěna) im Kamnitzgrund "Baatzillus Spiller" getauft und mit 10a RP 10b bewertet.
Der Name kommt von den beteiligten Personen an diesem Jubiläum. Bernd Großer aka "Baatzillus" und Chris Jan Stiller der nicht nur unsere handwerklichen Misgeschicke ausgemerzt hat, der König des Skyhooks ist, die bequemsten Schuhe in schweren Längen trägt, eine unglaubliche Geduld hat, mit Bohrmaschine auf dem Rücken einfach alles Klettern kann und der auch mal eine lose Rippe mit Spillen vor dem abbrechen sicher macht.
Welche seiner hervorragenden Fähigkeiten beim Jubiläum eingesetzt wurde kann der aufmerksame Leser vom Namen ableiten.


Wie auch bei den vorhergehenden Routen wird ein sehr vielseitiges Programm geboten: Weite Züge, Leisten, Löcher, Untergriffe und Reibungstritte geben sich gegenseitig die Klinke in die Hand. Oben gibt es nach der ganzen schöne old-school-Kletterei ein sehr modernes Ende. Mangelnde Körpergröße und Armspanne muss mittels eines Toehooks zu einem schlechten Aufleger gezogen werden. So was gibt es heute fast in jeder Boulderhalle aber in einer senkrechten Wand selten.
Alles in allem eine gute 100. Erstbegehung die mitlerweile auch von Kletteren aus Böhmen wiederholt und nicht abgestuft wurde.


Zudem spiegelt sie auch die 99 vorangegangen Erstbegehungen wieder. Ich war nie ein Freund der Masse was Erstbegehungen es angeht es hat sich halt so ergeben. Ich war eigentlich immer auf der Suche nach was richtig schweren zum Klettern. So sind nur 10 Routen im 9ten Sachsengrad dabei der Rest sind 10er oder 11er geworden. Lediglich 2 Mal ging die geplante Route nicht zu Klettern und 4 mal haben wir die Haken wieder entfernt, weil das Gestein und/oder die Kletterei unseren Ansprüchen nicht gerecht wurde. Dabei betone ich gerne, dass wir immer versucht haben mit einem notwendigem Minimum an Haken das beste Klettererlebnis aus der Wand zu holen. Nicht irgendwie auf Krampf unlogische Hakenabstände vorzulegen damit die Nachwelt uns bewundern kann. Meiner Meinung nach geht es beim Erstbegehen darum ein schönes Gesamtkunstwerk zu hinterlassen was den Kletterern Freude bereitet. Ein Lob des Wiederholers ist eine gute Belohnung für die Mühen und Kosten.

Bei den 100 Neutouren wurdenbinsgesamt über 200 Seillängen erschlossen und mehr als 2000 Bohrhaken & Ringe sind dabei in die Wand gefahren. Die längste Route war 16 Seillängen bzw. 650 m lang, die kürzeste ist nicht einmal 30m. Am häufigsten musste ich zum Frienstein gehen um "Herr der Ringe" einzubohren und RP zu Klettern. Mal sehen wie viele Routen noch folgen werden, es ist jedoch immer wieder ein unglaubliches Glücksgefühl wenn beim Erobern einer neuen Route von unten ausreichen Griffe und Tritte zum Hochklettern vorhanden sind.


Wärend der letzen 100 Neutouren wurde ich von viele Freunden begleitet und unterstützt. An dieser Stelle noch einmal vielen Dank an alle beteiligten für die viele positive Energie.
Hier nur ein paar namentlich genannt:
 
Chris-Jan Stiller, Thomas Küntscher, Michael Meyer, Kerstin Wolf, Robert Hohlfeld, Robert Leistner, Stephan Isensee aka Isee, Uwe Richter, Jens Manka, Michael Scharnweber, Bernd Großer aka Baatz, Rüdiger Helling, Martin Pötschke, Phillip Popitz, Georg Fürst, Sven Martin, Julian Schreiber, Tillmann Walter, Thomas Hering und viele andere.

Die Idee der Route kam von Baatz.

Endlich Klettern? Denkste am Tag wo die Hake gebohrt wurden war ich mehr mit Putzen und runterfallen als mit Klettern beschäftigt. In dem Fall ist von unten Erstbegehen mehr als doppelt so anstrengend wie sonst.

Fast immer dabei. Chris-Jan Stiller stand mir entweder mit Taten oder mit einem guten Rat zur Seite. Außerdem hat er mir gezeigt wie wichtig kleine Details sind.


Montag, 7. Juli 2025

Mjöllnir, Neutour am Hägefjell

Hægefjell das Juwel der Telemark Region


Ich stehe zitternd an der Wand und weiß nicht wo ich lang klettern soll. Links bei der Rippe gibt es keine Tritte und der Riß ist geschlossen. Also versuche ich mein Glück auf der Wand weiter rechts. Zug um Zug steige ich weiter. Das Zittern kommt mehr von der Kälte als vor Angst. Dazu der böige Wind oder besser gesagt die orkanartigen Böen. Beim Ansetzen der Bohrmaschine biete ich dem Wind noch mehr Angriffsfläche. Das macht das Ganze echt brenzlig. Ich versuchte die Böen abzuwarten aber 2 Fehlversuche waren trotzdem dabei. Beim 3. Mal klappte es. Zwischendurch musste ich mich einmal am Bohrer festhalten um nicht aus der Wand zu kippen. Irgendwann war der Haken drin und das Spiel ging von vorne los.


Wo sind wir eigendlich? Wir befinden uns am Hægefjell in der Telemark Region von Norwegen. 


Vor 2 Jahren bereits konnten Michael Meyer & ich hier mit "Vinland Saga" ein altes Projekt von Ralf Reißig vollenden. (<https://kayakandclimb.blogspot.com/2023/07/vinland-saga-klettern-am-hgefjell-in.html>)

Das Ziel dieses Besuches war die glatte und kletterwegfreie Zone zwischen "Hägar" und "Treasure Island".

Zwischen den 2 Wasserstreifen ist die von uns geplante Route.


Ist in diesem Wandbereich eine Freikletteroute möglich? Kann man diese von unten erstbegehen? Bei unserem letzten Besuch 2023 habe ich viele Fotos von dem Wandbereich gemacht, die so gut wie möglich die Wandstrukturen erkennen lassen, um eine eventuell mögliche Routenfühung zu finden. Bei einer 400m Wand kann an jedoch nur erahnen, was für Schwierigkeiten auf uns zukommen aber die Fantasie wurde beflügelt und die Vorfreude stieg ins unermessliche.

Noch geschafft von der langen Fahrt ging es sehr schnell zur Sache. Der Wetterbericht war sagte 4 Tage regenfrei voraus.Also mussten wir schnell mit dem Projekt anfangen. Nach fast 30h Fahrt ging es am Folgetag übermüdet nach dem Familienpaddeln zum Einklettern.

Ein weiterer Tag für die Familie und somit ein Ruhetag für die Füße und es konnte losgehen.

Voll beladen ging es zur Wand

Das Hægefjell vom Parkplatz aus gesehen. unsere Route is ca. 10-15 Min weiter links.


2 Tage blieben uns die Route einzubohren bevor 3-4 Tage Regen dem Klettern am Hægefjell eine Zwangspause verordnen würde. Dazu sollte ich erwähnen, das es sich am Half Dome von Norwegen vorwiegend um liegende Wände handelt, also meist weniger als senkrecht. Das Klettern hier ist bei feuchtem Fels deutlich schwerer bis unmöglich. Mitunter läuft es mehrere Tagen nach Regen aus den Bändern und Rissspuren die Wand herunter.


Der erste Tag an unserem Projekt startete spät und anders als gedacht. Um 6:00 Uhr nieselt es noch auf dem Zeltplatz am Nisser. Also noch 1h Weiterschlafen. Der schnelle Start verzögerte sich weiter, weil wir einen Zustiegspfad zu zeitig abbiegen und voll beladen mit Seilen, Bohrmaschine & Haken, Akkus, Friends & Keilen an der Wand entlang stolpern. Durch das nasse Gras waren die Schuhe sowie die Hosen bis zum Knie durchgeweicht. Es ging zum Glück etwas Wind und somit trocknete der Fels schnell ab.Die Sonne scheint und es wird angenehm warm.So etwas waren wir vom Hæhefjell bisher nicht gewohnt. Da wir wegen einer 10m hohen Steilstufe am Wandfuß den oberen Wandteil nicht sehen konnten liefen wir erst mal 200m zu weit. Also alles Material wieder zurückgeschleppt. Gegen 10:00 Uhr, also für meinen Geschmack zu spät, ging es endlich ans Klettern. Zum Glück ging das Klettern dann besser als der Zustieg, vom kleinen Angriff der Wespen, die irgendwo im Felsen nisten, einmal abgesehen.Die ersten 10m waren etwas bröselig aber 2 Bohrhaken (BH) sicherten dies gut ab.



 Danach war die Felsqualität der Traum. Fester Granit und die tollsten Strukturen die man sich wünschen kann. Leisten, Rippen und gelegentlich ein Loch. Manchmal glatt wie Glas und ein anderes mal schön rau, aber immer genug um höher zu gelangen. Es war wie ein Tanz auf der Reibungsplatte und dank der Bohrmaschine auf dem Rücken könnte man wenn nötig einen Haken setzen. So ging es zügig voran. 



Endlich geht es los ich darf Bohen. Die 3.Sl

Toller fester Fels und massenweise gute Tritte.  Da macht das Bohren aus der Kletterstellung Spaß.


Am 4. Standplatz gab es ein größeres Band. Nach einer tollen Reibungsstelle spaltete ein 15 m Riß die glatte Wand. Ein Geschenk der Natur an uns. Dank vieler Friends wieder ein gut gesicherte Länge mit nur 3 BH.Die Zuversicht steigt, da wir sehr gut vorankommen.Aber die nächste Wandzone sieht sehr glatt aus.

Der Begin der 4. Sl

Micha am 3. Stand

Ich am 5. Stand.

Der Riß der 5. Länge sowie Rollbrett un Micha in Aktion

Die nächsten beiden Längen waren da schon ein anderes Kalliber. Die kompakte Wand machte das Lesen der Strukturen schwerer und so war ein kleiner Linksbogen nötig um in kletterbares Terrain zu kommen.



Der 2. Haken der 6. Sl wird von Micha gebohrt. Da Kerstin mit dem Fahrrad unterwegs war gibt es auch Bilder aus dem Tal.

Der kleine 3 Quergang der 6. Sl


 Es wurde aber nicht leichter sondern es blieb die ganze Zeit anspruchsvoll. Entweder es gab Tritte oder Griffe, aber nie beides. Das stehen auf winzigen Tritten und das Bohrem der Haken aus der Kletterstellung ist für die Füsse und Waden eine kleine Tortur. Dreimal helfen Slyhooks bei Bohren auf der steilen Platte. Dies zermürbte Micha zusehends und er kämpfe sich Haken um Haken nach oben. Es blieb spannend bis zum Schluß. Ich fieberte bei jedem Haken mit Micha bis endlich das Seil eingehängt werden konnte. Diese 6. Sl wurde eine richtige Ausdauerlänge und sollte die 2. Crux werden. Die 7. Seillänge sieht komplett unmöglich aus, weshalb wir auch kurz an der Machbarkeit zweifelten. Ich war schon dabei einen Rechtsbogen zu anzusetzen, als mein Gefühl sagte das geht auch gerade. Etwas zögerlich aber innerlich völlig unter Strom kletterte ich los. Bisher hatte ich alle Haken freistehend gebohrt und dabei blieb es auch. Das ging gewaltig die Wadenmuskeln. Beim Bohren des 2.BH brach mir der Bohrer ab. Ich stand kurz vor dem Wadenkrampf als ich aus der Kletterstellung den Bohrerest in die Tasche gesteckt sowie den Ersatzbohrer installiert hatte. Leider musste ich ein neues Loch beginnen für den Fall, dass noch Teile das alten Bohrers im Loch steckten. Wir mussten es vermeiden unseren 3. und letzten kurzen Bohrer abzubrechendes. Noch 2BH blieb es ungewiß ob die glatte Wandzone überwunden werden kann, dann wurden die Strukturen besser. Juhu!! Dies war bisher ohne Zweifel die Crux und der Blick nach oben zeigte leichteres Gelände.


Der Blick zurück beim Abseilen.

Micha zum Begin der 8. Sl.

Noch mal die 6. Sl diesmal bom Stand fotografiert.


 Nach der 8. Sl machten wir gegen 20:00 Uhr für den 1.Tag Schluß und seilten an unseren mitgebrachten Seilen ins Tal. Den Haulbag, das Rollbrett und den Großteil der Ausrüstung ließen wir oben in der Wand hängen. Zum Glück dachten wir an den Autoschlüssel, was uns sonst  einen anstrengenden Aufstieg mit den Steigklemmen beschert hätte.


Auf dem Weg zum Auto warfen wir einen Blick zurück und staunten nich schlecht, als wir feststellten, das unser Rucksack keine 100m vom Ausstieg entfernt hing. Hätten wir das oben gewusst hätten wir die 2Sl auch gleich noch bohren können. Dafür war es jetzt aber zu spät Für den Folgetag bedeutete dies noch einmal harte Arbeit. Zudem wollten wir versuchen nach dem Abschluß der Bohrarbeit auch noch alle Längen im Rotpunktstil durchzusteigen. Dann könnten wir an den Regentagen in ein anderes Gebiet fahren um etwas Neues zu sehen. 

Es gibt auch schöne Boulder am Hægefjell aber erst wenn im August die Mücken gestorben sind geht die Saison los.






Auf dem Parkplatz fragten wir einen Norweger nach dem Wetter für den Folgetag. Er sagte: "Regen in der Nacht und bis 9:00 Uhr dazu Wind." Die Tatsache mir dem Wind betonte er merkwürdig, so das ich nicht wusste weshalb, es ging doch auch heute eine leichte Briese. Wir sollten noch erfahren was genau er meinte.


Nachdem uns die kleinen schwarzen Beißfliegen beim Abendessen fast aufgefrassen blieb uns nichts anderes übrig als beim Essen herumzulaufen. Das machten die Norweger auch so und es half. 


Beim Frühstück gab es dieses Problem nicht, denn es war richtig windig. Wir packten noch die Abseilringe für die Standplätze sowie ein paar Bohrhaken ein und es ging zurück in die Wand. Ziel war es heute alle Längen RP zu klettern und die letzten beiden Seillängen zu bohren. Da wir alles wichtige oben gelassen hatte, konnten wir nicht von unten anfangen um dann oben weiter zu bohren. So schlug Micha vor "An den Seilen aufzusteigen, oben fertig zu bohren und beim Abseilen die Längen durchzusteigen." Das war der Plan.

Je höher wir kamen um so stürmiger wurde es. Die einzelnen Böen waren orkanartig. Die Seile hingen fast wagerecht. An diesem Tag war das Klettern nicht das Problem, sondern sich nicht vom Wind aus der Wand wehen zu lassen.Zudem kühlte der Körper trotz der 10-15°C sehr schnell aus. Bis ich mir die Regenjacke als Windbreaker anzog, frohr ich erbärmlich.Wir kämpften uns weiter und fanden leicht rechtshaltend eine Lösung aus der steilen Wandzone herraus. Die Felsqualität blieb auch hier einfach ein Traum.



Mittag zum Aufwärmen auf dem Ausstiegsband.

Nachddem am Vortag T-Shirt-Wetter war gab es am 2. Tag das volle Program an Anziehsachen und es war immer noch kalt.

Leider stecken die ersten 4 Haken der 9. SL mal nicht in gerader Linie da die Wegführung ungewiß war. Das läßt sich aber mit langen Exen beheben

Beim Bohren der 9.Sl. Nicht nur die Seile auch der Bohrstaub war in der Wagerechten.


 Gegen 12:00 Uhr war die Route fertig gebohrt. Bei der Mittagspause auf dem windgeschützen Grassband am Ausstieg wurde mir dank Daunenjacke endlich wieder warm. Anschließend seilten wir über unsere Neutour ab und kletterten allen längen RP. Das machte abgesehen von dem Sturm und der ungewohnten Reihenfolge richtig Spaß. Am Ende des Tages fühlten wir uns wie Ballettänzer auf einer Naturbühne aus Granit. Unser kleines Kunsstück war nach 2 Tagen vollbracht und wir waren stolz auf unser Werk. Mit 10 Standplätzen, einem Abseilstand in der 8.Sl sowie 55 Zwischenhaken auf 450m ist die Route ausreichend gesichert. Es sind jedoch Friends zwingend erforderlich. In leichten Passagen sind die Abstände etwas größer.

Mehr dazu im Topo.



Da sowohl die Linie als auch die Felsqualität der Hammer waren wurde dies auch zum Routennamen.

Um das ganze nordisch zu verpacken und weil meine Frau ein Fan des Gottes Thor ist, nannten wir die Route "Mjöllnir" nach Thor's Hammer.


Die folgenden 4 Tage in denen es immer wieder ausgiebig regnete genossen wir den Familienurlaub und Gefühl wieder ein Kapitel beendet zu haben.