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Montag, 8. Oktober 2018

Dolomiten, Ambiente mit Coolnessfaktor



Dolomiten wir denken das es der Rosengarten ist) im Morgenlicht.
Dieses Jahr war es wie verhext mit den Alpen. Egal ob gutes Wetter, Kletterpartner oder Zeit irgendwas fehlte immer.
Endlich war es soweit und es ging in die Dolomiten. Dieses Mal ging es mit Oliver Schmidt in die Berge.
Ziel war ein mehr oder weniger geheimes Tal in Südtirol. Hier wurde für die Gegend Klettergeschichte geschrieben und hier sind Routen wie "Kendo" und "Looping" zu Hause. Da man es früher mit der Ethik nicht so ernst nahm sind etliche Routen mit dem Motto " Was nicht passt wird passend gemacht" eingerichtet worden.
Da die Informationslage zu dem Tal sehr schlecht war, hielten wir in Bozen am Kletterladen. Alleine das war schon ein Erlebnis. Die zwei Verkäufer meinten, das niemand ohne Begleitung eines Locals in Tal Klettern gehen, da diese dort ihre Ruhe haben wollen. In der Vergangenheit kam es wohl schon zu Handgreiflichkeiten, platten Autoreifen oder nassgelbe und schlecht riechenden Schuhen am Einstieg.
Naja so schlimm wird es schon nicht werden. Auch die Absicherung und die Einstufung sollte sehr unangenehm sein aber damit kann man ja noch leben.

Spigolo Maerin 8a+/ 9SL
Die Maerins im Val di san Nocolo. Die Route Spigolo ist die rechte Kante.
 
Am nächsten Morgen klingelte noch im dunklen der Wecker doch der frühe Start kam jäh zum erliegen. Die Batterie des Autoschlüssels war leer und das Auto ging nicht auf. Echt blöd, wenn alles im Auto ist und man nicht reinkommt. Zum Glück gab es etwas versteckt unter einer Plasteabdeckung noch ein Schlüsselloch was echt schwer zu finden war.
So konnte es doch noch pünktlich zur Morgendämmerung losgehen. Der Zustieg vertrieb die Kälte aus den Knochen und noch in der Ersten länge erreichte uns die Sonne. Die Kletterei war abwechslungsreich und manchmal etwas splittrig. Wir gewannen rasch an Höhe und in der ersten schweren Länge kamen auch schon mehrere künstliche Griffe. Es folgte eine 7c+ die sehr unübersichtlich war und die Oliver mit Bravour meisterte.
Oliver in der 7c+ Länge
 Dann kam die Cruxlänge. Ausgesetzt an der Kante zog es wie Hecht. Ich brauchte recht lange ehe ich eine Lösung fand. Dies war eine Mischung aus Heelhooks und aufhocken. Besonders das erstere sehr ungewöhnlich für eine Platte.  Leider wurde es immer windiger und die kleinen Griffe konnte man beim besten Willen im Durchstieg nicht mehr fühlen weshalb wir abseilten. Am Wandfuß war es ironischer weise warm und windstill wo es doch oben an der Kante windig und kalt war. So ungerecht kann das Wetter manchmal sein.


Torre di Mezzaluna, Giallo Dream 8a, 250m 9 SL
Topo Giallo Dream

Nach der windigen Angelegenheit vom Vortag schauten wir uns das Wetter etwas genauer an und achteten auf die Windrichtung im Wetterbericht. Eigentlich nichts neues aber es war bereits spät im Jahr und da war es uns im Wind doch zu kalt. Da Nordwind angesagt war sah es erst einmal gut aus. Ziel des Tages war der Torre die Mezzaluna mit einer Route von Rolando Larcher die "Giallo Dream" heißt. Die Routen von Rolando sind quasi immer gut weshalb ich mich schon freute. Nur die Länge des Zustieges und die Ausrichtung der Wand war eine Unbekannte.

Der Frühe Vogel, ... sucht den Zustieg im Dunkeln

Die Wände welche auf die Giallo Dream schauen.
 Von der Stunde Zustieg aus dem Topo konnte leider nicht die Rede sein sondern es war eher 1,5-2h. Die Wand jedoch war eine Augenweide. Unten steil und gelb und oben etwas flacher und grau. Da der Gipfel auf über 2800m lag war es am Morgen extrem kalt und obwohl wir keinen Wind hatten war es nie richtig warm. Da die Sonne recht tief stand kam diese nur im oberen Teil und ab 13:30/14:00 Uhr in die Wand. Wir ließen uns dennoch nicht beirren und Kletterten Länge um Länge.
Oliver in der 2. Seillänge von Giallo Dream. Steil und richtig geil. In Franken würden die leute hierfür schlange stehen.

Die Gelben Längen waren der absolute Hammer. Geniale Züge an Fingerlöchern und die Absicherung war auch ok. gelegentlich hingen mal Schlingen oder fixe Expressschlingen in den Haken. Die Crux war zum einen technisch aber auch Ausdauer mit einem Dynamo am Ende. Leider waren einige Löcher nass, weil an der kalten Wand das Wasser kondensierte. Nach der Crux kamen wir in die Sonne und es wurde etwas flacher. Der graue Kalk war stellenweise sehr glatt und die Griffe alles andere als leicht zu finden. Alles in allem eine sehr homogene durchweg anspruchsvolle Route die Lust auf viel mehr macht. Wenn man im Sommer Zeitig anfängt kann man auch durkommen bevor das Gewitter kommt. Da manch einer lieber ausschläft als an  kaltem Fels zu Klettern ist hier zu erwähnen das wir erst im stockdunkeln wieder am Einstieg standen. Auch die Biwakschachtel 20-30 min von der Wand entfernt hat nur 4 statt wie angegeben 6 Schlafplätze und ist oft gut besucht.
Ich freue mich schon wieder auf einen weiteren Abstecher in das schöne Hochtal. Das wird zwar nicht mehr dieses Jahr werden, aber die Dolomiten laufen uns ja nicht weg.


Dienstag, 10. Juli 2018

Sandstein, Sandstein, Sandstein

Ein ungewöhnlich trocker Frühling bescherte uns viele Klettertage im Sandstein wie z.B. hier in Drabske Svetnicky. Da ich nur mit Micha Meyer allein unterwegs war haben ich nur ein paar Fotos mit einem Time Laps Script in der Route "Thale zeme neni pro stary" 10a geschossen. Doch die Felszeichnung welche die Form eines riesigen prähistorischen Fisches hat ist einmalig. Genau wiie die Schlüsselstelle welche mit 4 extrem weiten Zügen zwingend zwischen den Ringen zu klettern ist. Ein tolles Erlebnis mit viel Überwindung.








Freitag, 4. Mai 2018

Delicatessen im Schatten ( Klettern in Korsika)


Roby kam per Fähre und ich per Lüft nach Korsika.

Nachdem ich Monatelang nur Bouldern war und wir eine tolle Zeit in Bleau hatten war entlich mal wieder Zeit die größeren Wände in Angriff zu nehmen. Das der Anfang hart wird war klar aber musste es so hart sein? Dieses mal war ich mit Roby Rudolf aus der Schweiz unterwegs. Den ersten Tag sollte es ohne Einkletter gleich richtig losgehen.

Das Ziel unseres Besuches die Delicatessen oben rechts die kleine schattige Wand an der Punta U Corbu.

Mit der nötigen Geduld und Ausdauer kann die Natur selbst Felsen spalten.

Roby im Zustieg zu den Delicatessen.

Delicatessen (1, Tag = 1. Teil)
Beim ersten Tageslicht ging es hoch zur Punta U Corbu. Noch bevor man die Sonne sah, spürte man die Hitze des Tages. Durch Unterholz und Dornen kämpfte wir uns hoch zum Einstieg der Delicatessen. Es gibt bekannte Kletterer die für diesen Zustieg beim ersten mal 4 h statt 1,5 h benötigt haben aber bei uns blieb alles im Rahmen.

Ab da gingen die Probleme langsam los. Der 5. Haken fehlte, aber da ich immer eine Bohrhakenlasche und eine Mutter dabei habe war dies ein kleines Problem. Ab da ging es eine abgefahrene seichte Rinne hoch die kniffelig war und die ebenso gut an der Taipan Wall in Australien sein könnte. Leider steckte auch der 9.BH alles andere als dort wo man entlangklettert. Am 10. Haken war es mir viel zu warm in den Kletterschuhen. Ich hatte aber alle Züge bisher gebracht. Ich war der Meinung das es nach dem No-Hand-Rest deutlich leichter wird und die Platte schon irgendwie geht, doch ich sollte mich täuschen. Roby kam den unteren bereits ausgeboulderten Teil sehr flott hoch und fand noch eine Verbesserung in der genialen Rinne. Auf der Platte die nur 4 Haken lang war dauert es jedoch ewig bis zum ersten Stand. Roby hatte trotz der Hitze sehr enge schuhe an und musste sich an 2 Stellen sehr lang machen. Da er 10 cm größer war und meine Füße bereits um 11 Uhr höllisch schmerzten ließ ich diese weg. Am Begin der 2. Länge war noch mal so ein Zug. Das gemeinste war allerdings der Rausschmeißer an Auflegern kurz vor dem 2. Stand. In der 3. Länge merkte ich das meine Kraft vollkommen am Ende war und ich hatte arge Probleme die Einzelzüge zwischen den Haken zu Klettern ohne permanent runterzufallen.
Der 3. Stand der Delicatessen ist echt bequem.

Diese Formation haben wir Angelhaken getauft. Wenn man zu loker sichert fällt man aus der Crux der 4. Länge genau dirt drauf.

Ordnung am Stand ist wichtig.

Die letze schwere Länge war wieder eine Platte wo es nur eine 2-3 m schwere Stelle gab die zu Lösen Roby mehr als eine Stunde benötigte. Die Lösung war so gut, das ich mir diese Länge ausnahmsweise mal vorstellen konnte. Mittlerweile war die Sonne seit mehreren Stunden aus der Wand und in Bälde würde es nun dunkel werden.
Ich hoffte noch für die 3 Stellen die ich nicht Klettern konnte eine Lösung zu finden aber ich fand keine. Geschlagen, vollkommen erschöpft und mit durchgekletterten Fingern ware wir um 22:00 Uhr zurück am Auto.

3 Tage hatten wir für die Route eingeplant, also haben wir einen Teil des Materials oben gelassen. Doch nach einem Klettertag einen Ruhetag machen egal wie geschafft wir waren war keine Option. In den Kletterführern die wir von Korsika hatten gab es 10 Mehrseilängenrouten wo der 8te Franzosengrad vermutet oder gefordert war. Wir wollten so viele wie möglich davon probieren.

Conteforts de la Punta di a Muvra/ Petit Plongeoir/ Fitzcaraldo 250m 7a+
Am 2. Tag ging es zu den Felsen unterhalb der Punta U Muvra wo es laut Führer ein gigantisches 50 Grad überhängendes Rißdach in der 5. Länge gab welches eventuell für 8a frei zu Klettern wäre. Dieses war unser Ziel doch der feuchte und schmutzige Zustieg war alles andere als ein Genuss. Das Dach jedoch war beeindruckend. Die erste Hälfte ging ganz gut und wäre etwa 7c doch dann wurde der Riß breit und man konnte nur mittels windiger Knieklemmer 2 m überbrücken bis es wieder besser wurde. Entweder man ist richtig gut in dieser Breite oder es ist schwerer als 8a. Das wird bestimmt der schwerste Riß auf Korsika. Für eventuelle Aspiranten ist ein Kneepad empfehlenswert und die Füße gehen an der Crux leider nicht über den Kopf zu klemmen.
Damit der Tag nicht ganz umsonst war kletterten wir noch Fitzcaraldo welches stellenweise mutig und oben sehr ausgesetzt war.

Das Dach von Petit Plongevoir wird bestimmt der schwerste Riß auf Korsika. 45 Grad steil und sehr anstrengend.

Beim Blick auf den Wetterberich wurde uns kühleres Wetter in 3 Tagen versprochen. Deshalb setzten wir zur anderen Seite der Insel in die Region Portu um. Hier gab es 3 der 10 französischen 8er Routen.

Signore Occidentale, "Tangue au coeur de rêves" 8a?, 450 m 19 Sl
Blick von Portu zu den 3 Signores. Der rechte ist der Signore Occidentale unser Ziel.

Nach dem ausgibigen durchblättern des Führers wurden wir fündig. Die beiden wichtigsten Suchkriterien waren Schattig, schwer und schön.
Es stimmt jedoch nicht alles was im Führer steht.
Was man jedoch nicht abstreiten kann ist das der Gipfel ein beeindruckender Felsturm ist. Das rechtfertigt die 2h Zustieg und die 3h Abstieg schon erst einmal. Es wurde auch gesagt, dass die Haken etwas ävom Seewasser angegriffen sind, aber das diese in einigen Jahren ein ernste Sicherheitsrisiko sein werden hätten wir nicht gedacht. Das die ersten Längen etwas bewachsen sind wurde erwähnt aber das dies nach 19 Längen immer noch der Fall sein wird war uns unklar. Wir wollen uns jedoch nicht beklagen 2 oder 3 schöne Längen waren auch dabei. Zum Glück war die Crux eine davon.
Das Meer hat den Haken stark zugesetzt zudem wurden auch viele 8 mm Haken verwendet. 

Abgefahrene Strukturen in der Länge vor der Crux.

Das Ende der Crux. Mit 8a hat das unserer Meinung nach nichts zu tun aber abgefahrene Strukturen sind es schon.

Wir hätten für diese tolle Rinne maximal 7c vorgeschlagen aber die letzte 7b Länge an einer Rißspur fühlte sich im onsight etwas schwerer an. Wir konnten alles Durchsteigen ware am Abend jedoch sehr schmutzig und von der Sonne gequält die bereits um 14:30 Uhr in die Wand kam.
Blick vom Gipfel zu Meer.

I Cascioni, "Le non-sens et la joie" 7c+
Nur 10 km vom Touristenmekka Portu entfernt waren wir unter der Woche ganz alleine. Der Zustieg war kürzer als am Vortag und die Wand war Atemberaubend schön und steil. Viele Strukturen dieser Wand erinnerte mich an Mt Arapiles mit seinen runden Strukturen und den zugekniffenen Rissen. Nur das hier durch die großen Kristalle die Reibung auf den Griffen besser war. Auch hier war die erste Länge etwas bewachsen und bröselig aber dann war es genial. Wenige Borhaken, weite Abstände und immer mal wieder ein Friend. Durch die Steilheit war auch das Fluggelände perfekt. Das Dach was die Crux sein sollte war gar nicht so schwer wir fanden die beiden Längen danach anspruchsvoller. Die Routenfindung war nicht ganz ohne und die Griffe in einer Wand voller Aufleger zu Finden war echt schwer. Weniger hilfreich war da die Sonne die leider bereits 12:00 Uhr in die Wand kam und sich in der Oberfläche spiegelte. Das die Hitze auch nicht hilfreich war brauche ich wohl nicht zu betonen. Wir machten beim Ausbouldern beide einige Flugmeter in Friend und hatten viel Freude dran. Eigentlich falle ich nicht gerne in Friends, aber wenn man viel Luft untern Hintern hat und alles gleich aussieht kommt auch das mal vor. Da es uns zu warm wurde und Robys Arme so dick waren das er sie nicht mehr anheben konnte kletterten wir den Ausstieg von "Entre mon Coeur" nicht mehr mit.
Wenn jemand nur ein Gebiet auf Korsika besuche kann und athletische Kletterei zum Selbstabsichern mag, dann ist I Cascioni das Gebiet was ich empfehlen würde.
Roby in "Le non-sens.. in der Stelle nach dem Dach. Nicht schwer aber luftig und ausgesetzt.

I Cascioni eine der tollsten Wände in Korsika.

Punta U Corbu, Delicatessen 8b, 180 m (2 Tag = 2. Teil)
Meine Motivation für die Delicatessen hielt sich in Grenzen aber wir waren jetzt etwas eingeklettert und Roby brannte förmlich für die Route. Ich wollte ihn so gut es ging unterstützen auch wenn ich nicht wusste ob die 3 Einzelstellen heute gehen würden. Da Roby die besten Aussichten auf den Durchstieg hatte, fing er an und stieg um 7:30 Uhr noch einmal ein um die Züge durchzubouldern. Da die Abschlußplatte der ersten Länge sehr agressiv für die Haut auf den Fingern war tapte er vorbeugend damit die Züge zum einschleifen mehrfach geklettert werden konnten. Als ich an der Reihe war war es bereits wärmer aber ich hatte keine großen Erwartungen an den Tag. Das einzige was sicher sein würde, dass mir die Füße wegen der engen Kletterschuhe am Abend schmerzen würden. Ich ließ unten die Züge großzügig aus um schnell auf die Platte nach dem bequemen No-Hand-Rest zu kommen und war erstaunt als diese Stelle sich intuitiv mit einem Heelhock an der linken Hand lösen lies. Die war nun kein Problem mehr. Mehr Schwierigkeiten bereitete mir der Spreizschritt nach rechts. Ich kam zwar in die Spreizposition zwischen den zwei guten Tritten kam aber wegen der winzigen Tritte nicht mehr aus dieser raus. Um besser probieren zu können tapte auch ich mir einige Finger denn die Griffe waren sehr scharf und winzig. Ich musste auf zwei sehr kleinen Tritte mit fast nichts überkreuz treten um in eine Position zu gelangen die den Spreizschritt etwas verkürzt. Endlich hatte ich Glück und die Füße rutschten nicht ab. Nach mehrmaligem Probieren blieben die Füße zumindes gelegentlich stehen. Ich könnte zwar die Wahrscheinlichkeit etwas erhöhen indem ich die Kletterschuhe ganz eng schnürte aber das wäre bei den flachen Reibungstritten vorher eher schlecht. Jedenfalls war es nun soweit, dass auch ich RP- Versuche machen konnte.
Das Juwel von Korsika. Rechter Teil der Punta u Corbu wo die Delicatessen durchklettern.


Bis 13:30 Uhr mussten wir warten, bis die Wand im Schatten lag. Roby kam in seinem 3. Versuch bis zum Ende des Quergangs kurz vor dem no-Hand-Rest. Das war echt knapp und ich fieberte voll mit. Mein 3. Versuch endete am Ende der Rinne weil ich einen Fehler machte und auch vorher schlecht geklettert bin. Ich schaute mir die Züge nochmals an und Roby war wieder an der Reihe. Alles lief wie am Schnürchen: Rinne, Quergang und zum Ruhepunkt. Auf der Platte konnte ich Robby nicht mehr sehen und hielt fast den Atem an. Er kletterte immer weiter am Spreizschritt vorbei was auch für ihn die letzte Crux war. Als dann der Jubelschrei vom Stand kam hatte er es geschafft und war glücklich. Er kam runter und ich war an der Reihe. Ich entschied mich die Schuhe etwas fester zu Schnüren damit ich besser auf den kleinen Leisten stehe, hatte aber Angst das die Füße oben bereits taub sein würden.
Auch mein 4. Versuch lief wie am Schnürchen und ich stieg durch: Rinne, Quergang, no-Hand-Rest. Nun war das Problem, dass meine Füße von den engen Schuhen taub waren. Da man im Ruhepunkt in eine Rinne gelehnt war öffnete ich die Schnürsenkel der Schuhe. Nach einigen Minuten fühlte es sich besser an und ich schnürte die Schuhe erneut fest. Die Stelle mit dem Heelhock ging spielend und beim Spreizschritt zögerte ich nur einmal kurz. Dann belastete ich den kleinen Tritt mit einem Mal und tat so als ob dieser groß ist. Das ganze Unterfangen glückte und ich kam zum Stand. In etwa 3 Stunden würde es dunkel werden und wir hatten noch 4 Längen (7c+, 7c, 8a, 6c) vor uns, die wir nur einmal durchgebouldert hatten. Wir wollten es versuchen und der auffrischende Wind beflügelte uns.
Als wir auf Schatten warteten kam schon der nächste Aspirant für die Route der sogar ohne Seil Durchstieg. Wir nanten ihn Alex.

Warten im Schatten am Einstieg auf Schatten in der Wand.
Die geniale Rinne der Cruxlänge im Durchstieg. Da denkt man wirklich man wäre wieder an der Taipan Wall in Australien

Die Rinne in der 1. Länge beim Ausbouldern in der Sonne.

Ich hängte die Exen und das Materialseil die
nächste Länge hoch und schafte dank der guten Bedingungen und der engen Schuhe auch die letzte noch offene Einzelstelle. Roby stieg gleich durch und bei mir klappte es im Nachstieg. Weil ich mich so sehr beeilte bekam ich sogar dicke Arme. Ich ging gleich weiter die 7c hoch und stieg durch. Als Roby bei mir ankam war der Wind bereits zu einem richtigen Sturm angeschwollen. Wenn einen die Böen nicht aus der Wand schüttelten war der Grip echt perfekt. Roby hängte Expressen und Materialseil hoch und ich stieg gleich durch. Das Zickzack am ende der Länge war so schlimm, das man den letzten Haken links drüben besser nicht einhängt oder später wieder aushängt. Auch Roby gelang jetzt im Nachstieg der Boulder. Nach der letzten ganz und gar nicht trivialen 6c standen wir glücklich oben. Normalerweise sind 180 m schnell abgeseilt, aber bei dem Sturm hingen die Seile überall nur nicht unter uns. Dadurch dauerte das Ganze 1,5 h und wir waren glücklich und geschafft um 22:30 Uhr am Auto.
Ein kurzes Wort am Ende: Ohne Frage eine der besten Routen hier. Auch wenn wir uns wegen der Sonne und dem schlechten Bedingungen etwas angestellt haben ist bei dieser Route nichts was den Grad 8b+ rechtfertigen würde. Selbst 8b ist schon sehr hochgelobt aber wir sind ja auch nur 2 "Hobbyalpinisten" und keine Profikletterer, die wissen es ja besser.

Punta a Muvra, "Tafunata Galattica" 7b+, 190 m
Obwohl wir nur wenig geschlafen hatten klingelte noch im dunklen der Wecker. Wir wollten keinen Klettertag verschwenden und wie das Wetter aussah würde es danach eh regnen. Also versuchten wir früh die A0-Stellen von RoMa und scheiterten dort. Dann stiegen wir noch Tafunata Galattica ein. Beides waren nach Führer Route die Frei im 8ten Franzosengrad anzusiedeln. Doch auch bei der letzten Route war die angebliche 8a Länge nie geklettert worden. Sobald man versuchte sich auf die kleinen Tritte zu stellen brachen diese ab. Zum Glück gab es eine Umgehungsvariante dieser Stelle. Alles in allem sehr krümeliger Fels und lediglich die erste und letzte Länge (Der Umgehungsvariante) sind lohnend.
Roby in Tafunata mit " Dos de Elefant" im Hintergrund

Hübsche Strukturen....

...aber ein Sinnloser Hängestand 2 m neben diesem tollen Sitzplatz.

Da wir ja alle Zeit der Welt hatten konnten wir uns das Trauerspiel bzw. das Anstellen von 10 Leuten im "Dos de Elefant" anschauen.

Das Wetter wurde leider so schlecht das wir die Insel vorzeitig Richtung Heimat verlassen mussten. Dennoch war die Statistik nicht schlecht: Von den 10 französischen 8er konnten wir 6 probieren und 4 Klettern ehe das Wetter schlecht wurde.
Nach 6 Tagen Hitze kam das Mittelmeertief und machte unserem Schaffen ein Ende.

Noch eine Bemerkung am Ende: Das Klettern in Korsika ist zwar schön aber die Zustiege sind nie kurz weshalb ich auf jeden Fall das mitführen einer Stirnlampe empfehle. Bei unseren 6 Klettertage hatten wir ohne Abseilen über 17 h zu Fuß laufend zurückgelegt.
Wer nach Korsika fährt sollte gut zu Fuß sein den die Zustiege sind lang und voller Dornen. Wer eine kleine Gartenschere dabei hat ist gut beraten.

Freitag, 5. Januar 2018

Madagaskar Vortrag am Mo. 15.01 um 18:00 Uhr beim SBB

      Madagaskar Vortrag am Mo. 15.01 um 18:00 Uhr beim SBB.
Wer also noch mehr Bilder sehen und die Geschichte live hören will den sehen wir am Montag.

p.s. Wir zeigen auch gerne wie man den Gurt und das Abseilgerät improvisiert. Bequem ist zwar anders aber es hat uns schon mehr als einen Klettertag gerettet.  :-)

Donnerstag, 2. November 2017

Motivation ist alles (eine Frage des Alters?)


 
Im Frühtau zu Berge


Der Pontione A'lnasca mit dem Skorpionbiwak im vordergrund


Die Arme sind platt und die Einzelzüge gehen einfach nicht. Nach über 30 Minuten gebe ich auf. Ich sehe was ich an der Stelle machen muss aber ich kann den Griff nicht halten. Bei 7b+ passiert das nicht oft und schon gar nicht wenn man gerade mal 7 Längen geklettert ist. Naja man wird halt alt. Vielleicht war es ein Zeichen, dass ich auf dem großen Band mehrfach vor dem Einschlafen war. Es ist schon komisch sich daran zu gewöhnen alt zu werden aber die 4 vorne rückt halt immer näher. Noch vor 5 oder 10 Jahren war es egal ob man nach 10 h Autofahrt und quasi ohne Schlaf mehrere Stunden zum Einstieg gelaufen ist. Danach konnte man immer noch gut klettern.
Jetzt ist man nach einer Woche Arbeiten und mit Kinder rumtoben wahrscheinlich so vorgeplättet, das man die 9 h Fahrt und den 4 h Zustieg nicht mehr so gut wegsteckt. Aus dem Grund hängen wir halt etwas durch. Da wir keine vorschnellen Entscheidungen treffen wollen seilen wir zum Band ab und lassen das Seil hängen. Dann erst einmal Essen und Schlafen morgen wissen wir mehr.
Ein klein wenig bedenken das es zu kalt wird haben wir zwar aber was solls.
Issy hatte deshalb heimlich einen 2. Schlafsack eingepackt, weil ihm der Daunenschlafsack nicht warm genug ist. Dazu sollte gesagt werden das in Patagonien in einer Woche Schneesturm dieser Schlafsack warm genug war. Während ich dort zwei deutlich wärmere Schlafsäcke dabei hatte, habe ich jetzt nur einen dünnen Daunenschlafsack. Da kann man schon mal Angst vor der Nacht haben. Wie ich Issy in Patagonien eine Daunenjacke geborgt hatte, habe ich jetzt seine um die Füße gewickelt. So ging es mit 2 Daunenjacken in den Schlafsack und noch bevor ich richtig lag war ich eingeschlafen.

Bequem aber etwas stachelig
Porte Interiori 1.SL nach dem Band


Porte Interiori, 4.SL
So sah es im Biwak aus. Es war alles da.

Zum Glück zogen über Nacht  Wolken auf und es wurde nicht so kalt. Dennoch entschieden wir uns am Morgen zum Skorpion Biwak abzusteigen um einen Ruhetag zu machen. Diesen verbrachten wir mit Essen und Schlafen. Das Biwak ist eine echte Augenweide und sehr schön gelegen. Da wundert es mich nicht, dass manche Leute nur aus diesem Grund den langen Zustieg in Kauf nehmen. So erholten wir uns im Hotel Skorpion bis es früh wieder zeitig los ging. Wir planten zwar die kommende Nacht wieder auf dem Band in Wandmitte zu schlafen aber daraus wurde dann leider nichts. Beim Aufstieg zum Band schien alles ganz normal weil wir uns bewegten. Als wir jedoch an unserem Seil zur Crux von "Porte Interiori" aufstiegen merkten wir wie kalt der Fels und die Luft war. Es war nahezu unmöglich im Schatten zu klettern. Als die Sonne gegen 10:30 Uhr in die Schlüssellänge kam ging es zumindest halbwegs. 

 
Der Trick beim schnellen aufstieg mit der Brusikschlinge ...
... liegt darin hoch anzutreten.



Nach längerem Bouldern fand ich für alle Züge eine Lösung außer für den Untergriffzug überm 2. Haken. Für diesen war ich einfach zu klein. Aus dem Seil sitzend kam ich oben gerade so an aber nicht wenn ich mit den Untergriffen vorher aufgestanden bin. Dafür musste ich mich zu sehr strecken und auf die Zehenspitzen gehen.  Da hilft nur wachsen denn 168 cm sind gelegentlich doch ein Zentimeter zu wenig. Unser Plan B war es den unteren Teil von "Futura" zu machen um nach der Nacht den oberen Teil zu klettern aber die Sonne kam viel zu spät in die Wand als das die 8h Heimfahrt noch machbar wären.
Sonnig aber leider zu klein, Die Crux zum 2. BH ging noch die nach dem 2. BH leider nicht mehr.

Impronte dorso in un story infinita, die längen sind so kurz, dass man immer 2 klettern kann.



Um doch noch eine Route geklettert zu haben stiegen wir in "Impronte dorso in un story infinita" (7b, 11Sl) ein und waren 4h später wieder auf dem Band. War nicht die beste Route und für meinen Geschmack zu viele Bohrhaken aber die Aussicht war schön und die Bewegung hielt uns warm
Die Alternative zum Frieren war wieder einmal der Monte Eos und perfekt für den Heimreisetag. Mit diesem Ziel vor Augen stiegen wir schweren Herzens die 3h ins Tal ab. Das 4h Zustig wegen 5 cm zu wenig umsonst waren ist schon etwas bedrückend.




Der Monte Eos ist eine Perle der Mehrseillängen Kletterei im Gneis und selten habe ich so tolle Strukturen gesehen wie dort. Felsadern, Löcher und ganz tolle Reibungskletterei wartet dort auf die Aspiranten. Der Zustieg kam mir nach dem 4h Zustieg vom Samstag mit 1,5 h unheimlich kurz vor. Ich freute mich weil es bereits morgens deutlich wärmer als im Nachbartal war. Das lag zum einen daran, dass wir 700m tiefer waren und die Sonne kam deutlich eher bis zum Wandfuß und wärmte die Luft.
Ich habe zwar bereits einige tolle Route am Mt. Eos geklettert aber "Un Mondo Difficile" war mit Abstand die schönste davon. Die Kletterei war sehr abwechslungsreich nicht zu schwer und die Strukturen einfach nur der Hammer. Es war einfach nur ein Tag Genusklettern mit einer Absicherung die nicht langweilig war. Nur das im Topo angegeben Material ist etwas übertrieben. Es reichen 5-6 kleinen Friends (bis 0,75 Camelot) die schon nötig sind um die Route abzusichern. Mein persönlicher Favorit war die 3 Sl mit einer Quarzader die steil ist und mit Hammerzügen aufwartet. Da wir nur 6h brauchten um sofort Durchzusteigen ging es mal zeitig nach Hause und wir träumten beiden vom kommenden Jahr in den Alpen.

Der Hammer die 3. Sl von Un Mondo Difficile, Felsadern der besten Art.

Reibung ist schon was tolles. 2. SL



Und oben wartet die Alp mit alten Steinhäusern, was für eine malerische Gegend

Topo un Mondo Difficil