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| Auf dem Zeltplatz La Junta war auch ohne Regen jeden Morgen die Wiese nass vom Tau |
Je eingefahrener die eigenen Handlungen desto Stressresistenter sind sie. Leider aber auch umso unflexibeler.
Es war schön wieder im Tal auf dem Zeltplatz zu sein doch was nun?
Nachdem ich ein ganzes Jahr trainiert hatte um eine Route zu Klettern dachte ich zuerst es würde eine Welt für mich zusammenbrechen sie nicht einmal probieren zu können. Ich war jedoch nur froh, dass bei Michas Unfall nicht mehr passiert ist und dankbar für jeden weiteren Tag hier.
Mir war wichtig, dass Micha sich auf dem Zeltplatz wohl fühlte und umgeben von vielen netten Menschen war. Langeweile kam auch keine auf, denn auf dem ebook-Reader warteten viele spannende Krimis auf ihn. Dazu kam, dass wir hier mit über 20°C Sommer war und zu Hause -7°C und graues Winterwetter auf uns warten.
Micha war erst mal versorgt aber was mache ich nun mit meiner Zeit hier?
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| Dort am Cerro Capiqua sollte eigentlich die meiste Zeit geklettert werden. Da Micha bereits am 4. Klettertag einen Unfall hatte nicht wurde das leider nichts. |
Eher durch Zufall erfuhr ich von einem Amerikaner, welcher auf der Suche nach einem Kletterpartner war. Ich schlug mit "Doña Devora Dedos" 12c eine Route im Anfitheater vor die eigentlich zum Anfang der Reise angedach war dann jedoch wegen dem fehlenden Gepäck verworfen wurde. Sam stimmte sofort zu obwohl er die schweren Längen nur nachsteigen wollte. Der Plan war noch am selben Abend die 2h zum Biwak aufsteigen um am Morgen nur noch 1h Zustieg zu haben und nach dem Klettern wieder Abzusteigen. So würde ich Micha keine 24h alleine lassen und hätte trotzdem was geklettert.
Oben im Biwak hörten wir von einer anderen Seilschaft welche die gleiche Route Klettern wollte. Deswegen standen wir noch etwas zeitiger auf und waren somit die Ersten am Fels. Wie der Name vermuten lässt handelt es sich um Fingerrisse angeblich einige der schönsten hier. Auch der Fels ist von außergewöhnlich guter Qualität. Da sich leichte und schwere Längen abwechselten konnten wir gut überschlagen Klettern. Es war ein schöner zusätzlicher Klettertag und die Route gelang mir sogar on sight.
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| Sam in der vorletzten Seillänge von Dedos. |
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| Auch mal ein Bild von mir in Dedos nur nicht beim Klettern. |
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| Im Anfitheater gibt es ein Trockenklo damit die vielen Besucher nicht das Trinkwasser belasten. |
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| Topo Dedos im Sektor Atardecer , also der Sonnenuntergangswand. |
Nach einem Ruhetag im Tal ergab sich wieder so eine Gelegenheit. Dieses mal mit Jose Luis Hartmann der von allen "Chiquinho" genannt wurde. Er ist mit seinen 58 Jahren nicht mehr der jüngste, hat aber hier in Cochamo in den letzten 26 Jahre die meißten großen Erstbegehung gemacht. Es sollte wieder das gleiche Spiel werden Am Vorabend hoch was Klettern und wieder runter. Normalerweise bleibt man für 3-8 Tage oben um das viele Laufen und das Geschleppe zu minimieren. Aber so lange wollte ich Micha nicht alleine lassen.
Mit Chiquinho wollte ich "Entre Cristales y Cóndores" 13b klettern. Da die Crux in der 10. Sl kommt ging es zeitig los. Wieder gab es viele schwere Fingerrisse aber dieses mal war die Einstufung deutlich härter. Auch war es sehr kalt und zum Teil noch nass in den Rissen. Die Schlüssellänge war extrem überhängend und ganz und gar nicht mein Stil. Klimmzüge an kiseligen Fingerklemmern ohne Tritte im 25° steilen Überhang. 5.13+ wäre meine Schätzung aber ich habe diese Länge lediglich A0 gemacht. Alles bis auf die Crux ging o.s. und es war ein schöner Tag.
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| Topo Entee Crystalos y Condores |
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| Die 2. Sl ist ein sehr feiner Verschneidungsriß wo die Fingerspitzen kaum in den Riß passen. |
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| Chiquinho in der 4. Sl |
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| In der 7. Sl dem Condorito crack. |
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| So luftig ist nur die crux |
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| Wer denkt die letzte länge wäre ein Geschenk, der hängt schneller in der Luft unterm überhang als gedacht. |
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| Die Crux von unten betrachtet scheint über einem umzukippen. |
Wieder im Tal gab es 2 Regentage doch uns wurde nich langweilig. Chiquinho schlug vor ein ganzes Schaf zu bestellen um ein Asado zu machen. 10 Leute teilten sich in den Preis und das Schaf wurde mündlich bei den Arrieros - also den Pferdetransporten die uns mit der Zivilisation verbanden- bestellt. Einen Tag später kam auch schon die Lieferung und eine Gruppe von 2 Spanier und 3 Griechen bereiteten das Schaf in 5 stündiger Arbeit über dem Lagerfeuer zu. Es war ein wahres Festessen und das einzig wirklich frische was wir in den 4 Wochen hier verzehrt haben. Schon die Zubereitung war ein Fest für die Sinne ganz zu Schweigen von dem knusprigen und saftigen Fleisch was die Köche gezaubert.
Fast alles an der Zubereitung war improvisiert denn die Mittel waren begrenzt. Umso beeindruckender war das Ergebnis.
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| Das Schaf ist endlich da, und es wurde alles gegessen. |
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| Die Jungs wissen wirklich was sie tun und noch dazu als eingespieltes Team. |
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| Mit einem Grünen Zweig wurdes das Schaf / Lamm immer wieder mit gewürzen unf Soße eingerieben. |
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| Fast fertig und das zuschauen macht ech hungrig. |
Die tägliche Ernährung ist im Alltag eher lästig. Doch hat man den ganzen Tag Zeit und findet gleichgesinnte, lässt es sich wunderbar zelibrieren.
Während der Regentage überlegte ich mit Chiquinho was wir als nächstes machen könnten. Die Bohrhaken welche ich dabei hatte wollte ich nicht wieder mit nach Hause nehmen. Er schlug 2 angefangene Linien und ich die schöne Verschneidung im Zentrum vom Cerro Laguna vor.
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| Cerro Laguna. Das projekt zog von der rechten Verschneidung über die Dächer zur Hauptverschneidung in Wandmitte. |
Am Ende fiel unsere Wahl auf den Cerro Laguna. Wir planten 2-3 Tage für die Durchführung der Neutour. So wurde es wieder einmal ein großes Geschleppe und dass wo die Bohrhaken, die Bohrmaschine und das Portaledge bereits vor Michas Unfall schon oben im Trinidad Valley ware. Da ich damals nicht gewußt habe was genau kommen wird, habe ich alles wieder runter getragen.
Als die Schlepperei hinter uns lag machten wir es uns am See unterhalb vom Cerro Laguna bequem und am nächsten Tag ging es los.
In der ersten Seillänge steckten komischerweise bereits 3 Bohrhaken, obwohl in "Surfing the bamboo chair" eigentlich keine Bolts stecken sollten. Später erfuhren wir, das diese Route aus Unwissen zum 2. Mal erstbegangen wurde. Uns störte dies nicht, denn ich zweigten nach 1,5 Sl auf einem Band links ab und kletterte mit 2 Haken zu einer separaten Rißspur.
Genau dort also in der 3. Länge ging es auch schon richtig zur Sache. An einem seichten Riß waren 4 Haken und einiges putzen nötig. Noch 2 weitere Haken auf der Reibung und es gab wieder einen Stand. Die 4. Sl war wieder meine Aufgabe und es war spannende teils feuchte Verschneidungskletterei. Nur am Ende als die Verschneidung auslief und wo die schwerste Stelle war setzte ich 2 Haken. Chiquinho meinte, dass davor die Absicherung so schlecht war, dass ich beim Abseilen noch 2 nachträglich Haken setzte. Die 5. Sl benötigte etwas Putzarbeit zudem waren auch hier zum Absichern 8 Bolts nötig und Chiquinho querte unter dem Dach nach links zu einem luftigen Stand. Bei trockenen Verhältnissen hätte man sich sicher 1-2 Haken sparen können aber wir wollten nichts schlecht gesichertes hinterlassen. Ich war der Meinung, dass man vor dem Linksquergang ganz gerade mit 4-5 Bh für 8a+ über den Überhang Klettern könnte und wollte dies Variante beim Abseilen einbohren aber uns fehlten leider die Haken. In der nächsten Länge kommt nach einem kurzen Riss der extrem rauh und daher leicht ist ein sehr schwerer Boulderzug (wahrscheinlich 8a+/8b Bloc). Genau am BH über einen Überhang in eine Hangelverschneidung, oder eine A1-Stelle mit sehr kleinen Friends und Mikrokeilen. Um das zu vermeiden könnte auch ein ca. 1-1,5 m langer Clipstick hilfreich sein. 2 weitere Haken und ein rechtsansteigende Reibung brachte uns zum letzten Stand des Tages. Hier wurde endlich das Portaledge aufgebaut und es gab was warmes zu essen. Da die Wand ab 15:00 Uhr im Schatten liegt wurde es wärend der 2. Tageshälfte am Standplatz recht kühl.
Zudem brannten uns die Augen vom vielen Putzen und es knirschte zwischen den Zähnen.
Wir sahen die letzten Sonnenstrahlen am Gipfel des Trinidad verschwinden. Es folgte ein schöne sternenklare Nacht im Portaledge.
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| Hart Arbeiten in wunderschöner Umgebung. |
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| Essen und Trinken für 3 Tage sowie Schlafzeug und Bohrmaschine kamen mit in die Wand. |
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| Das Große Fragezeichen der Linie. Wie komme wir über dieses Dach. |
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| Endlich im warmen Sitzen und was Essen... |
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| ... und dabei dem Tag zusehen wie er zu Ende geht. |
Am nächsten Tag ging es erst langsam los, den wir spürten beide die Anstrengungen vom Vortag. Zwei leichte Verschneidungslängen fürten uns zu einer für Patagonien typischen Rißverschneidung. Gut zum Stehen aber sehr seicht zum Greifen. Auch hier halfen die Offset- Friends sehr sowie eine gute Fußtechnik. Am Ende der Länge gibt es noch einen BH für die Plattenstelle zum Stand hin.
Jetzt wurde es spannend und wegen der kommende Verschneidung sind wir eigentlich hier hoch geklettert. Ich ließ mich einige Meter vom Stand ab und war entsetzt. Beim Blick nach oben war die Verschneidung rissfrei. Das was ich auf dem Handyfoto für einen Riß gehalten hatte, war nur das Moos rechts und links einer feinen Rißspur. Da gab es keine Chance auch nur den kleinen Finger reinzubekommen. Zu dumm, das unsere Kamera bereits am 1. Tag de Urlaubes den Geist aufgegeben hatte. Auf dem Display vom Foto hätte man das vielleicht gesehen gesehen, aber die Handys neigen bei zu starkem Reinzoomen zu sehr dazu Pixel zu interpolieren.
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| Auf dem Foto sieht es wirklich so aus, als wenn eine |
Verschneidung mit Handriss in 2 Sl zum Gipfel führen würde. Da dem nicht so war, querten wir unter dem Überhang nach rechts.
Jetzt war der einzige Ausweg unter dem Überhang nach rechts auf die Kante queren. Das Klettern war weniger das Problem aber aus der Kletterstellung die Haken in die Wand zu bekommen. Entweder war der Fels total hohl oder es gab keine horizontalen Strukturen um sich hinzustellen. Es war harte Arbeit mit der Bohrmaschine auf dem Rücken alle Friends und dazu noch 10 Bohrhaken am Gurt. Mehr waren inklusive Standplatz nicht drin. 2 mal musste ich den Haken durchziehen, weil ich mit über 10kg Zusatzgewicht einen Zug nicht klettern konnte. Zum Glück wurde das Gestein nach dem 6. Haken besser und am Ende gab es einen Riß mit welchem ich mich auf die Kante und zum nächsten Stand retten konnte. Der Blick nach oben machte Hoffnung, dass wir einen kletterbaren Ausweg aus der Wand gefunden hatten.
Lediglich 5 Bolts waren übrig und genau die brauchten wir auch für die letzte Etappe. Es wurde eine sehr technische Länge die mit 7a anstrengender wurde als es auf den 1. Blick aussah. Schuld waren wieder einmal die vollkommen geschlossenen Rißspuren. Irgendwann waren wir Endlich oben!!
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| Langsammer Start in den Tag. |
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| Zum Glug waren die ersten beiden Längen des Tages Leicht. |
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| Dafür hatte es die 10. Sl ganz schön in sich und war recht luftig. Aaerdings mit vielen Haken. |
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| Die Letzte Länge war auch hier kein Geschenk. |
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| Juhu oben, geschafft und glücklich. |
Vom letzten Stand kann man einfach über mehrer Bänder mittels einfacher Kletterei zum Gipfel gelangen. Beim Abseilen wurden noch jeweils eine brasilianischen Hakenlaschen am Stand angebracht und geputzt. Beim Abseilen vom 10. Stand wurde es moch einmal sehr luftig und um den 8. Stand zu erreichen war en nötig mehrere Haken der 10. Sl einzuhängen.
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| Die luftige Abseile vom 10. zum 8. Stand. |
Am Einstieg angekommen war die Erschöpfung groß und ich war auch etwas enttäuscht, dass ich nicht alle Stellen frei geklettert habe. Vielleicht ist das in Patagonien die übliche Herangehensweise, weil soviel Putzarbeit von den Erstbegehern geleistet werden muss. Vielleicht ist es auch meine begrenzte Betrachtungsweise, dass eine Tour immer zu 100% frei geklettert werden muss.
Am Ende nannten wir die Neutour "Wet Wet Wet" nach dem Ruf des Vogels der hier lebt und dessen Ruf immer wieder durch die Wälder schallt.
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| Topo Wet Wet Wet am Cero Laguna |
Nach einem Ruhetag mußen wir ins Tal Absteigen, da Chiquinho krank war. Die Strapazen der zwei Erstbegehungstage waren dann wohl etwas zuviel des Guten.
Am Folgetag wollte es Micha noch einmal Wissen. 12 Tage nach seinem Unfall wollte er im Nachstieg probieren ob es vielleicht wieder mit dem Klettern geht. Er konnte den Fuß halbwegs schmerzfrei belasten, nur Abrollen ging noch nich. Wir wählten "Apnea" 5.10b da der Zustieg sehr kurz war. Dennoch war der Weg mit Krücken beschwerlich. Das Klettern ohne Krücken ging zwar, machte Micha jedoch keine Freude.
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| Erst etwas afpeppeln und erholen nach dem anstrengenden Zustieg. |
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| Micha wieder in Altion. |
Aus diesem Grund entschieden wir uns für einen zeitigeren Heimflug. Micha nahm auf dem Rückweg das Pferd und ich lief alleine ins Tal. In der Zivilisation angekommen gingen wir noch mal schön Steak essen. Nach 4 Wochen Müsli, Kartoffelbrei und Nudeln mal eine kleine Belohnung.
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| Micha nach dem Absteigen von seinem Pferdetaxi. Micha hat es überlebt und das Pferd auch. |
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| Das nenne ich optimale ausnutzung von öffentlichen Verkehrsmitteln. Rings um die Busfahrerin stapeln sich die Rucksäcke bis zur Decke damit alle anderen Sitzplätze belegt werden können. Dazu hält der Bus überall dort an wo man es wünscht oder wo jemand einsteigen will. |
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| Beim Abschlussessen gab es Fleisch. |
Manche Reisen zum Ende der Welt um andere Länder kennen zu lernen andere um zu sich selbst zu finden.