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| Die Steilabstürze des Hochzinödl sehen nur am späten Nachmittag etwas Sonne. |
Ende August bot sich mal wieder die perfekte Gelegenheit, in den Alpen ein paar ordentliche Mehrseillängenrouten anzugehen. Der Haken an der Sache? Die anhaltende Sommerhitzewelle neigte sich dem Ende zu und das Wetter in den Bergen zeigte sich extrem instabil.
Besonders in den Westalpen waren die Vorhersagen extrem niederschlagsreich. Die Gebietsauswahl wurde also zur echten Knobelaufgabe. Da erinnerte ich mich an den Tipp eines Kletterfreundes: Das Gesäuse in der Steiermark. Der lokale Kletterführer ist zwar so dick, dass er ein klassisches Telefonbuch wie ein Taschenbuch aussehen lässt, aber er ist phänomenal informativ und absolut vollständig. Trotz des 2-Kilo-Wälzers ohne jegliche andere Vorabinformationen ging die Zielauswahl erstaunlich schnell.
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| Was man nicht an hat konnte beim Zustieg auch nicht Nass werden. Nur blöd das sich die Sonne an diesem Tag nur im Zustieg zeigte. |
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| Am Ruhetag wurde fleißig geplant, der Rucksack gepackt und Gitarre spielen geübt. |
Erste Klettermeter im Gesäuse
Aus logistischen Gründen setzten wir für den Start auf Ziele mit kurzen Zustiegen. Unsere Wahl fiel auf den „Covidpfeiler“ am Rinnerstein – mit 180 Metern eine knackige, kurze Route an der Südseite.
Obwohl es am frühen Morgen noch regnete, wollten wir den kühlen Tag nutzen. Die Zustiegswiesen waren klatschnass, ebenso die zweite und dritte Seillänge. Wir ließen uns nicht beirren: Die Absicherung war top und die Crux präsentierte sich steil und trocken. Allerdings hatte die Sache einen Haken: Die Länge war derart schmutzig, dass wir fast jeden Griff im Vorstieg putzen mussten. Ein sehr „spezielles“ Erlebnis.
Ähnlich erging es uns in der Route „Dailo, Dailo“. Hier seilten wir nach der Schlüssellänge entnervt ab. Unser Fazit: Die schweren Routen im Gesäuse bekommen wohl deutlich weniger Besuch als in anderen bekannten Klettergebieten. Zudem sammelt sich in den niedriger gelegenen Routen viele Schmutzpartikel welche aus darüberliegenden Bändern ausgewaschen werden.
Für uns stand fest: Wir müssen weiter rauf. Höher gelegene Ziele mit langen Zustiegen mussten her. Doch zuvor gönnten wir uns einen wohlverdienten Ruhetag mit Gitarre spielen, Herumalbern und Beine hochlegen.

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| Ab da wird die Crux von Daillo, Daillo schwer. Eigentlich tolle aber sehr weite Plattenzüge. Nach sehr ausgiebigen Putzen gings mit einem kurzen Hänger. |
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| Daillo, Daillo zu begin der Cruxlänge. |
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| Im Abstieg war der Einstieg unserer Route endlich trocken. |
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| Die 6. Seillänge war nur zwischen 2. und 3. Haken Schwer danach war es nur noch pumpig. |
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| Covidpfeiler die 3.und nasseste Seillänge. Der Führer hatte es auch vorhergesagt. |
Das Hauptziel im Visier: Rosskuppe – „Superwix“ (9+, 9- obl., 400m)
Unser Plan für die nächsten Tage: Die Haindlkarhütte als Basecamp nutzen und von dort aus zwei große Routen klettern. Tag 1 hatte es logistisch direkt in sich: Der Zustieg zur Hütte musste mit komplettem Schlafzeug und Essen für drei Tage bewältigt werden – und von dort sollte es direkt weiter zum Einstieg gehen. Ein knackiger Fußmarsch von knapp drei Stunden, aber der Anblick der Wand war einfach genial.
Unser Tagesziel hieß „Superwix“. Zehn Seillängen klangen machbar, doch über die Hälfte davon bewegt sich im Neunten-Schwierigkeitsgrad. Da wir trotz des Aufstehens um 04:00 Uhr morgens nach erreichen der Wand nur noch rund 11 Stunden Tageslicht hatten, war das Zeitfenster extrem sportlich. Aber wer nicht wagt, der nicht gewinnt.
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| Sachen und Essen Packen für die Tage oben bei der Hütte. |
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| Nach der Hütte ging der Zustieg erst richtig los. Obwohl wir etwas gepäck an der Hütte gelassen hatten merkten wir die Höhenmeter. |
Die nackten Fakten der Route: Superwix:
* Schwierigkeit: 9+ (9- obligatorisch)
* Wandhöhe: 400 Meter
* Die Seillängen: 8 | 8- | 9- | 9+ | 9+ | 9- | 8+ | 9
Eine zeitliche Punktlandung: Endlich Klettern.
Trotz der schattigen Nordwand war es 8:00 Uhr mogens bereits angenehm warm und der Fels sah gut aus. Die Motivation war riesig – auch wenn wir am Einstieg auf einem großen Grasband erst einmal direkt unter dem Standplatz einen riesigen Haufen Scheiße vorfanden. Kurzerhand bauten wir einen Steinmann darüber und legten los.
Schon die ersten Meter hatten es in sich: Nach etwas splittrigem Fels wurde es sofort extrem plattig, anspruchsvoll und zwingend zu klettern. Der Kalk war spiegelglatt, was auf den Tritten und weit über dem Haken für ordentlich Nervenkitzel sorgte. Issy, eigentlich duch nichts aus der Ruhe zu bringen ist, war bei der 1. Sl mehrfach voll auf Anschlag und ließ einige power-sceams hören. Bereits unten psychisch wie physisch extrem fordernd für den angegebenen Grad.
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| Von da unten sind wir heute früh losgelaufen und wir sind noch lange nicht da. |
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| Der Begin der 3. Sl. Ab jetzt wirds steil und noch schwerer. |
Der Kampf in den 9+ Längen
Nach einer weiteren 8er Länge war es das mit de. leichten Längen, den wir erreichten den steilen Wandbereich und die erste 9- Länge. Das Gelände war extrem unübersichtlich, weshalb Issy im On-Sight scheiterte. Nach kurzem Ausbouldern klappte es im zweiten Versuch. Dank seiner markierten Griffe konnte ich im Nachstieg direkt durchsteigen.
Jetzt war ich an der Reihe mit Ausbouldern in der ersten 9+ Länge. Acht Haken auf 40 Metern – das ist weder super gut noch extrem schlecht gesichert. Fakt war: In diesem unübersichtlichen, steilen Gelände musst du zwingend weite Strecken zwischen den Haken klettern. Um Kraft zu sparen, rastete ich an jedem Bolt. Ein paar Abflüge blieben dennoch nicht aus.
Der absolute Showdown kam kurz vor dem letzten Haken: Der Ausstieg aus einem Überhang auf eine glatte Platte. Mit völlig dicken Armen nach fast 40 Metern Kletterei visierte ich ein Loch unter dem Haken an. Es fehlten verdammt noch mal 20 Zentimeter! Mit letzter Kraft trat ich frontal an und schnappte dynamisch hinein. Treffer! Das Loch war gut. Um diesen psychischen Druck nicht noch einmal durchleben zu müssen, verlängerte ich den Haken mit einer langen Bandschlinge, markierte die Griffe und ließ mich zum Stand ab.
Issy lieferte im Anschluss eine absolute Glanzleistung ab und stieg die Länge im Flash durch – am Ende gab er 120 Prozent und war völlig am Limit. Über den verlängerten Haken war er mehr als dankbar.
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| Das Glatte Ende der zweiten 9+, auch im Nachstieg. Am Ende der Länge sollte man einen mittelgroßen Friend ( ca #.75) dabei haben oder über den Dingen stehen. |
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| Das Ende luftige Ende der 1. 9+ länge im Nachstieg. Im Vorstieg hatten wir keine Hand frei fürs Selfi. |
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| Der Stand nach der ersten 9+. |
Wettlauf gegen die Uhr
Ich folgte im Nachstieg und direkt im Anschluss folgte die zweite 9+ an. Diesmal ging Issy ans Ausbouldern. Durch den Routenverlauf verschwand er schnell aus meinem Sichtfeld. Es dauerte wie auch bei mir,, bis er die Griffe fand und sich die 45 Meter hochgekämpft hatte. Mittlerweile stand die Sonne in der Wand und die Zeit wurde verdammt knapp.
Als Issy zurück am Stand war, startete ich meinen Flash-Versuch. Der untere Teil lief flüssig, aber die Beine und Arme spürten die Stunden seit 04:00 Uhr morgens deutlich. Je mehr schwere Züge mir auf Anhieb gelangen, desto mehr pumpten meine Unterarme auf. Die Crux lauerte natürlich ganz oben: Eine glatte, trittarme Platte als krönender Abschluss eines Überhangs. Gott sei Dank hatte Issy auch hier die Haken verlängert. Mit zitternden Knien schob ich mich auf den ersten großen Tritt. Geschafft! Puh, das war haarscharf.
Issy zog im Nachstieg nach, war aber komplett platt. Also übernahm ich die nächste 9-. Das Tageslicht schwand rasant. Wir hatten weniger als drei Stunden Licht für die verbleibenden 3 Längen. Mit nur eine einzige Stirnlampe und ein Handy für den gesamten Abseilweg und den Abstieg zur Hütte war im dunklen an Weiterklettern nicht zu denken. Die Devise war klar: Jeder Versuch musste jetzt sitzen.
Dieser Druck beflügelte mich regelrecht. Als ich einen Haken nicht clippen konnte, kletterte ich ohne Zögern einfach weiter. Das rettete den sofortigen Durchstieg, denn meine Ellbogen standen vom Pump schon waagerecht vom Körper ab. Es folgte ein glatter Riss, der sich deutlich härter anfühlt als die angegebenen 8+. Wir quälten uns hoch und standen vor dem Finale.
Die letzte Länge: ein 9er Länge im halbdunkeln
Vor uns lagen die letzten 50 Meter im 9. Grad. Nicht extrem steil, aber verdammt glatt und mit weiten Hakenabständen. Die Preisfrage: Reicht die Kraft noch?
Mehr schlecht als recht boulderte ich mich hoch und markierte die Schlüsselstellen. Bis zur Mitte ging es irgendwie, doch dann hing ich ratlos an einem Haken. Nach einem Überhang führte die Route auf eine Platte – es gab nur noch Seit- und Untergriffe und auf zwei Metern schlichtweg keine Tritte. Wie sollte das gehen?
Nach endlos erscheinenden zehn Minuten des Probierens riskierte ich eine Verzweiflungsvariante: Ich nahm eine Leiste weit rechts außen und brachte die Füße auf Handhöhe und schob mich darüber. Durch eine leicht konkave Wölbung der Wand ging der Plan auf – ich konnte blockieren und an den Seitgriffen aufstehen. Die letzten Meter zum Stand waren nicht mehr so schlim und das Ausbouldern war geschafft.
Die Sonne war weg. Issy stieg die Länge mit meinen Markierungen sofort durch, und ich folgte ihm im Nachstieg – mittlerweile bewaffnet mit der Stirnlampe. Juhu, es war vollbracht!
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| Noch ist der Ausgang ungewiß aber die Stimmung ust gut. |
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| Noch 2 Längen, eine echte Durststrecke. |
Durst, Durst, Durst und das verdiente Ende
Glücklich, aber mit staubtrockenen Kehlen machten wir uns ans Abseilen. Schon zwei Seillängen vor dem Top war uns das Wasser ausgegangen und die süßen Müsliriegel machteb den Rest. Auf dem Rückweg, etwa 45 Minuten vor der Hütte, war der Durst so unerträglich, dass sogar ein kleines Rinnsal an einer Felswand als Retter herhalten musste.
Als wir nach 23:00 Uhr an der Haindlkarhütte ankamen, war alles stockfinster. Um die anderen Bergsteiger nicht zu wecken, rollten wir unsere Schlafsäcke kurzerhand draußen auf dem Boden aus. Vorher wurde aber erst einmal ausgiebig getrunken und etwas Herzhaftes gegessen. Was für ein Tag!
Den nächsten Tag ließen wir extrem entspannt angehen, quatschten mit dem super netten Team der Haindlkarhütte und spürten jeden einzelnen Muskel. Da ich keine 30 mehr bin, tat der Ruhetag dem Körper verdammt gut. Eigentlich war der Plan, am darauffolgenden Morgen um 04:00 Uhr die nächste Mammut-Route anzugehen, doch der einsetzende Regen vereitelte das Vorhaben.
Das Fazit unseres Trips? Wir müssen wohl noch einmal wiederkommen. Aber es ist ja bekanntlich immer schön, noch Ziele zu haben!
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| Die Belohnung auf der Hütte am nächsten Tag war frisch gebackener Apfelstrudel. |
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