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Freitag, 21. Juli 2023

Vinland Saga - Klettern am Hægefjell in Norwegen

 

Der Hægefjell wird nicht umsonst als der Half Dom von Norwegen bezeichnet, denn etwas Ahnlichkeit mit dem amerikanischen Vorbild hat er schon.
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Die Granitreibung glänzt goldgelb im Sonnenlicht. Wenn ich es nicht besser wüsste, könnte man meinen im Yosemite zu sein. Alles sieht glatt aus und ich weiß nicht wo es weiter geht. Griffe sind eher selten aber die Tritte stehen besser als gedacht. Einmal noch aufstehen dann wirds brenzlig. Der Tritt hat keinerlei scharfe Kante, aber es wird schon irgendwie gehen. Bohrmachine vom Rücken nehmen ganz weit strecken und losbohren. Ohne richtige Griffe fühlt sich das komisch an. Als das Loch halb drinnen ist, fängt die Wade an zu krampfen. Ein Trittwechsel geht jetzt auch nicht mehr, zuviel Bohrstaub überall. Nachdem das Loch fertig ist, zittert das Bein und die Wade ist reif für den Feierabend. Wenn ich jetzt wegrutsche gehts abwärts mit der Maschine in der Hand. Also die Bohrmaschine wieder auf den Rücken hängen. Nach der Exe mit dem Bohrhaken im Karabiner greifen und den Schwerlastanker schnell rein ins Bohrloch stecken. Mist! Es geht leider nicht so leicht, das Loch ist sehr weit oben und bei dem Bohrstaub auch schwer zu finden. Mit einem letzten Kraftakt der Wade noch einmal etwas hochdrücken und den Haken ins Loch schieben. Anschliessend nach dem Hammer greifen und einige Schläge, dann kann ich in den rettenden Haken greifen und das Seil einhängen und endlich das Gewicht von den Füssen nehmen. Das weitere Einschlagen des Schwerlastankers und das Festziehen waren nicht mehr so aufregend und die unteren Extremitäten erholten sich langsam wieder.

 

Micha in der 5.Lange, mit tollen Zügen aber was die Waden und die Nerven beim Bohren erlebten habt ihr ja gerade gelesen.


Wieso heißt der Post eigentlich "Vinland Saga"? Dies ist in den nördlichen Ländern eine historische und wohlbekannte Geschichte von der Reise nordischer Wikinger mit ihren offenen Booten über Grönland nach Nordamerika. Das Ganze gibts auch als Buch, geschrieben von Josef Nyáry, und handelt um 900 nach Christus. Das Buch ist ein muss für Freunde historischer Romane.
Wir haben unsere Erstbegehung so genannt, weil wir genauso wie die Wikinger auf der Suche nach Neuland waren. Wir sind im "Felsozean" unterwegs einem neuen Weg zum Gipfel zu finden. Die Wikinger hofften jenseits des Atlantiks auf ein exotisches Land zu stoßen (bei ihnen wuchs Wein, deswegen Vinland). Wir hatten nicht erwartet, in Norwegen auf Granit mit ähnlicher Qualität, wie im Yosemite zu stoßen. Dazu kommt, dass der Route schon eine längere Vorgeschichte hat. Er wurde 2007 von Ralf Reißig & Dieter Ulbrich begonnen. 2011 probierte er mit Katja Reißig erneut. Schlechtes Wetter und ein Sturm hatte sie vertrieben und seitdem hat das Projekt über Jahre hinweg im Dornröschenschlaf geschlummert. Den Elbsandsteinkletterern unter den Lesern sollte dieser Name bekannt vorkommen, gehen doch über 100 Erstbegehungen und etliche 10er in Sachsen auf Ralf's Konto. Auch in Norwegen war er sehr aktiv und nicht weniger als 7 Routen am Hægefjell und weitere im Nissedal gehen auf das Konto von ihm und seinen Kletterpartnern.

Von Ralf Reißig kam auch der Tipp sein altes Projekt zu probieren. Ich war sofort Feuer und Flamme für diese Idee. Was gibt es denn schöneres als behangen wie ein Weihnachtsbaum ins unbekannte zu klettern.

 

Mit diesem Bild als Motivation von Ralf Reißig gings nach Norwegen. ( Blau war bereits gebohrt, Rot die Idee der weiteren Linie)

Nun zurück zu unserer Vinland Saga in die wir bald vollständig eintauchten.
Michael Meyer und ich liefen mit der Flut des ersten Tagesliches gegen 4:30 Uhr aus. Es war ein klarer kühler Morgen und begleitet wurden wir von Tausenden kleiner Quälgeister die uns Geleit gaben. Die einzelnen Seillängen würden uns bald wie Tage auf hoher See vorkommen. Auch unser Gefährt der Wogenwolf (unser Rollbrett) half beim Transport des Gepäcks über die steinernen Wogen.

 


 Es ging gut los, denn die ersten beiden Tage waren wir in bekanntem (bereits gebohrtem) Terrain. Am 3. Tag segelte Micha vorran und es wurde ein langer Tag. Große steinerne Wellen gaben die Richtung vor und dazwischen war das Meer spiegelglatt.

Micha beim Bohren in den 3. Sl.

 

 Nach harter Arbeit über 60m machte Micha Stand. Vorher musste er beim Kurs hart Backbord ( links) feststellen, dass wir beim Umschiffen des markanten Daches zu nah an einen neue Nachbarroute kommen würden. Also gab es nur einen Weg, mitten übers Dach. Beim erstem Versuch brach Micha der Bohrer ab und er musste zurückspringen. Weiterklettern ging jetzt nicht mehr, das Hilfsseil reichte nicht zum Nachholen eines neuen Bohrers. Also Anker werfen, einen Stand bauen und Nachholen. Ich war an der Reihe und auch hier wurde es ein langer Tag. An der Stelle wo Michas Bohrer brach kam ich mit neuem Bohrer ins liegende Gelände.

In der 3. Sl hier beim Durchstieg. Oben am Horizont das Dach über dem Micha der Bohrer abbrach.
 

 Wenig später lud eine Mulde zum erneuten Ankern ein, aber ich segelte weiter. Wussten wir doch nicht ob uns bis Vinland entweder der Strom oder die Haken ausgehen würden. Die See lag unberührt und glatt wie ein Spiegel vor mir. Da die See geneigt war, kam ich langsam in Fahrt, aber es ging nicht ohne den Einsatz von Material. Aller 3-4m war eine Boje nötig. Es war wie im Blindflug. Die winzigen Strukturen sah man oft erst in Augenhöhe und das setzen der Bojen war eine Tortur für die Waden. Bis zuletzt blieb es spannend.

 

Die 5. Sl  ist von oben wie von unten gesehen spiegelglatt. Zum Glück ist der Fels rauher als im Yosemite.

 Am Ende trieb mich der Seitenwind leicht nach Steuerbord ( rechts) ab. Dafür wurde ich mit einem perfekten Ankerplatz belohnt.
(--> Später teilten wir wegen der Anzahl der benötigten Expressschlingen, der Seilreibung und den bequemeren Standplätzen diese beiden in 3 Längen auf)
Der nächst Tag war final der 6. und sah aus wie gerade aus segeln. Nach 20m und 3 Bojen gab es Untiefem und Micha zu kehrte zu mir zurück. Er versuchte diese steuerbords zu umschiffen, aber nach 3 Haken gab es dort zu viel Gegenwind. Er musste kräftig Rudern kam aber nicht voran.

 

Micha in der 6. Länge kurz bevor er das Ruder abgab.

 Also versuchte ich mein Glück und da ich ausgeruht war, kamen wir nach einem langen Tag zum nächsten Ankerplatz. Ich gab das Ruder am 7. Tag an Micha ab. 

 

Micha in der 7. Länge.
 

Es waren wenige Bojen nötig und wir konnten natürliche Strömungen (Risse) gut nutzen. Am 8.Tag ging es schwer los und hier musste die Strömung genutzt werden um zur ersten Boje zu gelangen. Am Ende des Tages glaubten wir Land zu sehen, doch es war nur eine Sandbank mit Seegras. Langsam ging uns Verpflegung, die Kraft und auch die Zeit aus. Manche Seeleute hätten sich mit der Sandbank zufrieden gegebe und wären den Untiefen seitlich gefolgt. Wir jedoch wollten auf direktem Weg zum Ziel kommen. Es sah glatt und steil aus und es drohte die Gefahr auf die Sandbank zurückgeworfen zu werden. Glücklicherweise gab es massenweise versteckte Strömungen und zudem noch Rückenwind. Der 9. Tag wurde erst anspruchsvoll, als nicht mehr die Gefahr der Sandbank drohte. Der 10. Tag war nicht mehr der Rede wert, er war kurz und von jedem Hobbymatrosen zu bewältigen.

Gleich am ersten Friend heist es anstrengen in der 8. Sl.
Sieht schwer aus geht aber echt gut die 9. Länge vom Band weg und dann kommen auch noch gute cams zum 1. Haken.


So erreichten wir zum ersten Mal auf diesem Weg Vinland und waren von den Strapazen der Reise vollig geschafft. Nach 20h waren wir wieder zurück an unserem Auto und kehrten von unseter Reise in die Realität zurück.

Nach 2,5 Regentagen waren wir wieder zurück und segelten auf der bekanntem Route erneut nach "Vinland".Damit andere diese Route ebenfalls segeln können zeichneten wir eine Karte und nannten die Route "Vinland Saga". 

Feedback ist immer gerne willkommen, also einfach ein Kommentar hinterlassen. Wenn ihr dazuschreibt das es nicht öfftlich idt zu lösche ich es nach dem Lesen

Am End der 2. Sl heißt es Aufstehen ohne Tritte.

Die erste Länge vom Einstieg gesehen.


Beim Abseilen wurden die alten Haken der beiden ersten Längen gegen Edelstahl getaucht.


Topo Vinland Saga

Montag, 5. Juni 2023

Zehn 10er Wege an einem Tag in Sachsen. aka ein besonders anstrengendes Wochenende im Elbi

 
Das Ziel der Enchainments, hier mit der Route Nr. 3. Foto Reike Rassbach

Was kann man machen,  dass es einem im heimischen Klettergebiet nicht langweilig wird?
Nach fast 40 Jahren Klettern im heimischen Sandstein hat man fast alles schon gesehen und vieles bereits geklettert.  Auch hatte ich dieses Jahr mit 25 Jahre XIa sogar ein rundes  Jubiläum. Doch was könnte man noch machen was eine schaffbare Herausforderung darstellt. Schaffbar deshalb, weil die Morphologie des Sandsteines und meine beschränkte Kraft verhindern, dass ich bestimmte Routen klettern kann . Auch ist das extrem schwere Klettern in der warmen Jahreszeit in etwa so attraktiv wie eine Reibung mit Rollschuhen klettern.  Mann kann es vielleicht machen, aber die Freude hält sich in Grenzen und viele Versuche hat man wegen der begrenzten Haut auch nicht.
 Da fiel mir eine alte Wette wieder ein.  Es wurde gewettet das es nicht möglich ist 10 Routen im 10ten Grad an einem Tag durchzusteigen. Also mindestens Zehn RP 10a's
Eine Spannende Idee und in anderen Klettergebieten ist  das Zusammenhängen oder Enchainment  von schweren Routen auch schon längst normal. Wer hat nicht schon von dem Klassiker im Yosemité gehört - Half Dome und El Capitan an einem Tag zu klettern. Das Thema hat sogar Geschichte.  Bereits 1988 hat sich  Thomas Bubendorfer  mit seinem "5-Wände- Enchainment" in den Alpen so ein Ziel gesetzt. Nur dass er sich mit dem Hubschrauber vom Ausstieg des einen zum Einstieg des nächsten Weges  fliegen lassen hat ist nicht mehr ganz zeitgemäss. 
 
Ortswahl
Das Ziel war gesetzt ,wenn auch vielleicht etwas zahlenaffin, nur ein geeigneter Ort fehlte noch. Im Zschand gab es viele 10er aber die waren zu weit auseinander. Die Affensteine sind sehr hautintensiv und auch weit verstreut. Am Teichstein habe ich mal sechs 10er an einem Tag durchgestiegen weil  die Kletterhallen aber dabei waren 2 10c und das geht arg in die Kraft und die Haut. Zudem mangelt es in unmittelbarer nähen an weiteren Zehnerrouten. Brand und Pfaffenstein scheiden wegen der  warmen Temperaturen aus also blieb nur noch Rathen und dort haben Lok und Honigstein mit NO sogar die richtige Ausrichtung 
 
Das eigentliche Problem
Klettern in Sachsen ist nicht einfach nur Klettern es ist mehr eine Symbiose aus mehreren Bedingungen die ich in einem Post mal scherzhaft zusammengefasst hatte (Link). Ich beschränke mich hier auf 3 wesentliche. Kopf, Haut und Kraft. Wenn der Kopf nicht mitspielt sorgt die Angst dafür, dass man die Griffe sinnlos zuballert und die Haut und Krafft finden ein schnelles Ende. Gleiches passiert wenn man zu lange nach den Griffen sucht oder es zu warm ist. Am besten kennt man die Wege gut genug damit dies minimiert wird. Wer schon mal in Sachsen schwere Routen RP-Klettern bzw. durchsteigen wollte hat sicherlich bemerkt, dass im Gegensatz zum AF-Klettern winzige Details  und vor allen die richtige Fußposition über Erfolg & Misserfolg entscheiden. Es sind also extrem viele Informationen die man erst beim Ausbouldern sammeln und die man sich genau einprägen muss. Manche Leute haben schon Probleme sich eine Route zu merken um diese 1h später durchzusteigen hier waren es gleich 10 Wege. Zudem lag einige Zeit zwischen den Routen.
 
Vorbereitung:
Ein Probeversuch startete am Wochenende vor Himmelfahrt. Freitag nach Feierabend fuhr ich zum Honigstein  und schaute mir alleine aus dem Abseilsitz und mit der Microtraxion die Einzelstellen von vier Xer-Routen an. Zum Teil dauerte das Ausboulder einer Einzelstelle über eine Stunde aber es nützt ja nichts wenn man die Einzelstelle nur irgendwie gemacht hat und hinterher nicht genau  weiß wie. Am Folgetag boulderte ich weitere 2  Routen aus und stieg alle 6 durch. Leider  verhinderte der nachmittägliche Regen ein weiteres Klettern. Dafür kam ich an diesem Tag zumindest zu einigen Fotos. Auch merkte ich,  dass es besser ist alle Wege so gut zu kennen damit ich "nur noch" Hochklettern muss. Auch das Ausbouldern am Vortag war nicht sehr clever denn die Haut regeneriert sich nicht so schnell. Leider schien sich das Zeitfenster für dieses Enchainment wieder zu schließen, denn die langen Wochenenden waren bereits für die Alpen verplant. Lediglich in 3 Wochen würde eine letzte Möglichkeit bestehen dieses Projekt zu beenden. Danach würde es zu warm werden, oder die Zeit fehlte wegen des Sommerurlaubes. Auch unter der Woche Klettern schied arbeitstechnisch bei mir aus.
Je geringer die Erfolgswahrscheinlichkeit, umso größer die Motivation. Bei mir zumindest. Also wurden Pläne gemacht für eins der anstrengenderen Sandsteinwochenenden des Jahres.
Am Freitag den 02. Juni ging es Mittags wieder alleine zur Lok und zum Honigstein. Ich hatte mir vorgenommen alle Xer  Routen  an Lok, Lamm und Honigstein auszubouldern die im Kletterführer oder der Datenbank mit mindestens RP 10a eingestuft sind. Also blieben jetzt noch 9 offen. So hatte ich notfalls ein paar Routen die ich weglassen konnte. Ich hatte diese Routen alle schon mal geklettert aber bei den meisten ist es über 20 Jahre her. Zudem war mit "Todesbeginn" auch eine !-Route mit schlechter Absicherung dabei. Bis zum dunkel werden schaffte ich es tatsächlich mir alle 9 Routen anzuschauen und zu putzen. Wobei  bei den letzten beiden die Kraft schon weg war und es keinen Spaß mehr machte. Für die 6 Routen die ich vor 3 Wochen bereits geklettert war blieb mir keine Zeit mehr diese noch mal anzuschauen. Am Samstag war ich total im Eimer uns es schmerzten die Finger und die Füße. Zudem geisterten die Einzelzüge der  Routen in meinem Kopf herum. Auch bei der beste Reihenfolge war ich mir noch unsicher. Ich war aufgeregt und  hatte auch meine Zweifel ob ich am Sonntag bereits ausreichend erholt sein würde. All das kenne ich von schweren Mehrseillängenrouten wo alles an einem Tag passen muss um erfolgreich zu sein aber im Elbi hatte ich das so noch nicht. Das zeitige zu Bett gehen hatte nur zur Folge, dass sich das Karussell im Kopf weiterdrehte. Die Aufregung kennen ich auch vor dem Durchstieg von großen Wänden 
 
Jetzt geht es endlich los
Am Sonntag den 4. Juni war es endlich so weit es war wie zur guten alten Prüfungszeit. In mir kehrte die Ruhe ein denn jetzt kann ich nichts mehr ändern. Der Plan war, das ich 1,5h  vor Thomas an der Lok bin und mich allein bereits warmklettern würde. Somit wurden die 9h wo ich einen Kletterpartner hatte besser für die 10er genutzt werden. Leider verspätete sich Thomas 1h , weil sein Auto streikte. Das war halb so wild, denn es waren noch fast alle Routen in der Sonne. Zudem war Julian auch an der Lok und konnte mich beim ersten Weg mal kurz sichern. Ich entschied spontan die Routen an Lok und Lamm einfach von rechts nach links zu klettern und so ging es los.
 
Michael Meyer klettert Traumtänzer an der Lok. An der Stelle steckt jetz leider ein nR der neuen Nachbaroute Lo(c)kdown.
 
1. Traumtänzer RP10a
2.  Dir. Lockführer RP 10a
3. Tender RP 10a
4. Signal RP 10b
 
Soweit so gut, aber der Kopf ist gerade nicht so entspannt wie er sein sollte. Ich klettere eher auf Nummer sicher, das geht auf die Kraft und die Haut. Zudem ist es recht warm und bei  Nr. 2 und Nr. 4 besteht bei einem Sturz in der Crux die Gefahr auf einem Band oder Absatz zu landen. Deshalb habe ich mich bereits leider stärker als nötig festgehalten. Es folgt mit "Todesbeginn" ein moralischer Sandkasten mit einem Boulder und Längenzug. 
 
5.  ! Todesbeginn 10a
6. Milder Winter RP 10a
7. Fischnetz RP 10a
8. Tabu RP 10a
 
Ja die Wege am Lamm sind nicht so sehr beeindruckend aber die wollen auch mal geklettert werden. Weiter geht es am Honigstein wo es bei "MFG" die ersten Stürze in den ersten Ring gab das kostet Kraft und Haut. Also wieder von unten starten. Echt schwer die Route und meiner Meinung nach eher  RP 10b. Da viele Ringe zu hoch stecken strengt auch das reinhängen der Exen sehr an. Der Weg kostete  so viel Kragt und Haut das war gar nicht gut. Besonders auf den flachen Griffen unten hatte ich wenig Spaß bei der Wärme mit der dünnen Haut
 
Irgendwie rutschen die Griffe heute so stark...
 
... das man sie kaum halten kann. Also MFG und wieder von vorne beginnen. (beide Fotos Steffen Schröter)
 
9. MFG RP10b
 
Eigentlich sollte die Nr. 10 "Cerebrum" werden aber nach 2 Fehlversuchen lief mir die Zeit davon und die Kraft wurde auch nicht besser also leider ohne diese Route. Weiter ging es mit "Ein Stück Glückseligkeit" und das passt ja eigentlich auch recht gut, weil es die zehnte Route im 10ten Grad war.  Zum Glück hatte ich im Anschluss eine längere Pause weil Thomas seine Route RP-versuchte.
10. Ein Stück Glückseligkeit 10a RP 10b
 
Thomas Hering in Ein Stück Glückseligkeit unten kräftig... . Foto Reike Rassbach
 
... und oben technisch. Wenn da die Arme dick sind wirds schwer. Foto Reike Rassbach
 
Ich wäre aber nicht ich selbst wenn ich mich damit zufrieden geben würde. Spätestens wenn ich wieder erholt bin würde ich mich sicher ärgern warum ich die anderen Wege nicht auch noch probiert hatte. Also ging es weiter auch wenn die  Arme langsam ein zügiges Fortbewegen zwischen den Schüttlern forderten.  
 
11. Power on the Edge RP 10a
12. Still on the Edge RP 10a
13. Nimmersatt RP 10a
14. Fliegender Teppich RP 10a
 
Power on the Edge, wer so weit kommt hats fast geschafft. Foto Jens Lauke
 
Nimmersatt in Nimmersatt. Leider haben unvorsichtige Kletterer im oberen Teil viele gute Griffe abgebrochen. Foto Reike Rassbach
 
Beim letzten weg hätte es beinahe noch einmal einen fliegenden Wolf gegeben, denn beim einhängen des 4. Ringes gingen mir langsam die Hände auf. Beherztes nachgreifen und schnelles weiterschnappen an das 2-Fingerloch habe den Durchstieg gerade noch gerettet.
Nach ca. 350 Klettermetern und 9h hatte ich es geschafft. Zudem verzichtete ich diesmal ausnahmsweise auf die Abwärmroute. Danke an Thomas für die Geduld mit mir.
 
Die hier beschriebene Problem  kann man natürlich in jedem beliebigen Grad, Klassikern, berühmten Rissen oder zum Beispiel von Meisterwegen machen.
Was zählt ist ein Ziel auf welches man hinarbeitet, die Vorbereitung und die Freude bei der Sache, vielleicht auch erst wenn es vorbei  ist.
Hauptsache man kehrt dem heimischen Gebirge nicht aus  Verdruss den Rücken denn dafür ist unser  Elbi einfach zu schön.
 
p.s. Es war ein echt anstrengendes Wochenende, denn mit dem Ausbouldern am Freitag kam ich rein theoretisch auf Dreiundzwanzig  10er . Das werde ich so schnell nicht noch mal machen.

Dienstag, 30. Mai 2023

Steinplatte /Loferer Alm - Slab Dance

 



Die Kletterei war sehr unübersichtlich ging aber gerade noch . Alles nur flache Reibungstritte zum Stehen aber zum Greifen nur Seit- und Untergriffe.
Ein echter Albtraum zum Bohren im Vorstieg. Chris-Jan stand einige Meter überm letzten Haken. Stehen ist das falsche Wort. Er versuchte verzweifelt zwei Skyhooks an zwei Seitgriffe zu hängen und diese gegeneinander zu verspannen. Mit abnehmender Kraft stieg die Spannung. Endlich fand er etwas Entlastung und bohrte das Loch. Haken ins Loch und endlich reinsetzen. Geschafft oder doch nicht?
Beim Klettern ins Unbekannte gibt es immer wieder etwas unvorhersehbares aber das war selbst für uns was Neues. Die Anspannung ließ nach und Chris-Jan musste nur noch die Mutter festziehen. Der Schwerlastankers hält bereits nach dem reinschlagen den Vorsteiger weshalb er auch im Haken saß. Doch beim Festziehen mit dem Ratschenschlüssel gab es plötzlich ein metalisches Bling .... und einen Schrei und ein Rauschen in der Luft. Der Schreck war genauso groß wie der Sturz, doch was war passiert? Die Ratsche, welche bekanntlich in eine Richtung festzieht und in die andere clickend zurückratscht hatte sich verstellt und Chris-Jan hat zielsicher den Haken abgeschraubt in dem er gesessen hatte.

Einige Haken später gab es den oben beschriebenen Freiflug von Chris-Jan.


Nun von vorn. Wo waren wir den? Wir befinden uns an der Steinplatte bzw. Loferer Alm. Je nachdem welchen Teil des 7 km langen Felsriegels man meint. Wir waren wieder auf der Suche nach Neuland und haben das Notwendige mit dem nützlichen verbunden. Zum einen klettern wir gern die Nachbarrouten in Wänden wo wir eine Neutour planen. Desweiteren ist die Einstufung und die Kletterei in jedem Klettergebiet so unterschiedlich das es gut ist vor Ort Vergleichswege für die Einstufung zu haben.
Nach den ausgiebigen Regen- und Schneefällen der letzten Tage starteten wir im nassen "Tiegerauge" Wir schauten nicht schlecht wie raufaserartig und schwer 7c Plattenstellen sind. 


 

Mehr feucht als trocken waren die Risse und Löcher im "Tiegerauge".


Mit eingefahrenen Reibungsschuhen ging es am Folgetag weiter mit "Woher Kompass" 8a+ wo wir deutlich gezeigt bekamen wo hier der Hammer hängt. Allein die Einzelstelle am Ende der Crux auszubouldern kostete mich über 1h. Das steht im krassen Kontrast zu vergleichbar steilen spanischen Routen, die ich im März Flash bzw. On Sight klettern konnte. Aber jedes Gebiet ist halt anders. Auch Chris-Jan glänzte an diesem Tag als er die 7c+ Länge mit seinen bequemen Kletterschuhen Flash Klettern konnte.

Chris-Jan in der 4.Sl von "Woher Kompas" nach dem beeindruckenden Flash der 3. Sl.

Wir schlossen die Steinplatte mit dem "Alpengeier" 8a ab,
Die 2.Sl im Alpengeier.


 

der von der Linie beeindruckt jedoch nicht so unser Stiel war. Hier wurden wir leider nicht fündig und wollten unser Glück an der Loferer Alm versuchen wo wir noch ein Projekt hatten.

Im aktuellen Kletterführer zur Steinplatte steht ein Zitat eines Locals: " Ein Kletterer unter 192 cm ist ein Krüppel". Dem geneigten Leser meines Blogs soll gesagt sein, dass die Routen trotzdem im Durchstieg gingen aber wie immer, gerade so und auf letzter Zehenspitze. :-)


Loferer Alm - Sektor Tanzboden - Erstbegehung

Nasser Fels soweit das Auge reicht. Obwohl es bereits Mittag ist tropft es überall.


2 Regentage später seilen wir über den Tanzboden ab. 4 Jahre zuvor hatten wir am 8. Haken aufgegeben und die Laschen wieder abgeschraubt. Die Wand war klatschnass und an Klettern war noch nicht zu denken, schon gar keine Steilreibung. Wer schon mal über einen Wasserfall abgeseilt ist, weiß wie glatt nasser Kalk sein kann. Noch dazu wenn er eine dunkelgraue Farbe hat. Diese kommt nämlich von oberflächlichen Verschmutzungen die die Feuchtigkeit länger halten. Leider trocknete es nur langsam, besonders in den Löchern. 

An dem Überhang über Chris-Jan war 2019 für uns Schluß.

So dauerte es länger als gedacht bis wir uns ins Vergnügen Stürzen konnten. Die nassen Längen (1.& 4.) mussten wir teilweise mit Seil von oben bohren um voran zu kommen. Durch die Nässe dauerte es 2 Tage bis die Route fertig gebohrt und geputzt war. Ungewöhnlich lange für uns denn für die beiden Nachbarrouten "Der mit dem Wolf tanzt" und "Dans op de deel" haben wir nur einen Tag gebraucht. Vielleicht werden wir langsam älter aber Spaß macht es trotzdem noch. Besonders das Bohren der 3. Länge war ein echter Genuss für mich. 

Glücklich nach fertig gebohrter 3. Sl

Da wir an dem Tag nicht fertig wurden mussten wir zum Ausstieg Hochjümarn, aber wir kommen wieder. :-)

Im Letzten Tageslicht kamen wir am Parkplatz an.

 

Spannend wurde es noch mal am Durchstiegstag, 

 

Noch bevor wir richtig fertig waren kam schon der erste Local um unsere Route zu probieren. :-)
 

Denn die erste Seillänge konnten wir wegen der Feuchtigkeit nicht putzen und Ausbouldern. Jedoch waren die Nachbarouten noch deutlich feuchter als unsere Neuroute. Am Sonntag war endlich soweit und es sah auch wieder etwas trockener aus. Die erste Länge hat es in sich. Kleine Griffe, weite Züge und die Tritte waren flach und selten dort wo man sie sich gewünscht hätte. Nach ausgiebigen putzen und Ausbouldern waren die Einzelzüge im Sack. Fehlte nur noch der Durchstieg. Bereits jetzt war klar das es schwerer wird als "Woher Kompass" sowie die Nachbarouten am Tanzboden. Die Frage war nur ob der  Durchstieg gelang. Ja der Boulder an der Dachkante war knapp aber das Glück war uns hold. 

 





Wenn der Erstbegeher von unten kommt führen einen die Griffe nicht immer gerade hoch. So macht die 1.Sl leider einen größeren Bogen um den Überhang zu Überwinden.

Chris-Jan nach dem Überhangsboulder der 1. Sl
 

Bei der 2. Länge (10-) ging es etwas besser, aber auch hier mussten die guten Kletterschuhe herhalten damit man optimal auf Reibung und auf kleinen Tritten stehen bleibt. Ganz ökonomisch war der Durchstieg dort leider nicht, weil ich die Griffe ganz schön zugebrummt habe um nicht runterzufallen. Tja, wer auf seinen Füßen stehen will muss sich auch trauen das ganze Gewicht daraufzustellen und das ist echte Kopfsache.

Ist deutlich schwerer als es aussieht die 2. Sl

Spannend wurde es noch mal bei der 4. Sl die (9+) über einen großen Überhang geht. Dieses mal war die richtigen Schuhe eher nicht das Problem, denn es gab keine Tritte. Zum Glück waren die  Griffe trocken und die Oberarme deutlich erholter als die Unterarme.

Die 4. Sl steil und trittarm.

 

Über die glatte Platte da unten sind wir hoch gekommen. Blick von der 4. Sl nach unten.
 

Als auch dies erledigt war kam noch eine leichte Länge zum Abschluss und dieses Kapitel hat fast 5 Jahre nach dem ersten Versuch einen Abschluß gefunden.

 




Jeder geht anders mit dem Ergebnis um. Endlich ausruhen nach getaner Arbeit.

Da hat sich ja das Wintertraining gelohnt. 2 Überhänge an einem Tag geklettert. Vielleicht schule ich ja doch zum Überhangkletterer um.

Topo Slab Dance, Tanzboden Lofer Alm
 

Am nächsten Tag kletterten wir noch in 2h die Route "Brexit" und genossen den Ausblick auf unsere neue Kreation. Wir freuen uns schon auf den nächsten Bohrurlaub.

Weil es so schön war zum Abschluss noch eine tolle Route zum ausklettern ..


.. und mit Foto finish.