Wir kennen ja alle die Schmerzenden Gliedmaßen wenn man früh aufwacht
das ist im Alter wahrscheinlich normal aber mein Oberschenkel nach dem
Steinschlag war da was anderes. Nachdem der Arzt mir versichert hatte
durch Belastung keinen weiteren Schaden anzurichten ging es mit Zähne
zusammenbeißen wieder zum Klettern.
Den ersten Tag mit "The Great
Escape" 5 Sl schönster Sportkletterei zur Vorsicht trotzdem nur im
Nachstieg. Das linke Knie mehr als 90 Grad anwinkeln ging wegen der
Schwellung und der Schmerzen jedoch noch nicht. Da die Schwellung
zumindest nicht schlimmer wurde ging es probierten wir am Folgetag
erfolgreich "Lighten up" ebenfalls 5 Sl und an der Chappel Wall wie
gewohnt in Wechselführung. Echt geniale gut gesicherte Kantenkletterei
aber da einige Bewegungen noch schmerzten kletterte ich sehr unsicher
und verhalten. Ich befand das Knie wieder für 80% tauglich weshalb wir
eigentlich wie geplant in die High Sierra weiterfahren wollten . Da es
dort zur Zeit aber gerade schneite, graßten wir noch zwei weitere Ziele
im Valley ab. Eines davon war Psycho Bitch 5.13b am Schulzes Ridge.
Diese ist zwar nur 6 Sl lang, aber selbst die leichteste Länge ist
5.12b. Dazu kommt die extreme Steilheit und das alle Längen sehr straff
bewertet waren und es die 3. Begehung zu holen gab.
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Die 2. Sl kurz nach der Crux on Psych Bitch. Ein dünner Fingerriß wo Größe hilft. |
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Die 3. Sl von Psycho Bitch und alles andere als griffig. |
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Die 5.Sl ist sehr steil und anstrengend, aber der kommende Stand ist um einiges schlimmer. |
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Topo Psycho Bitch 5.13b, 6 Sl, links vom Moratorium am Schulzes Ridge |
Am nächsten Tag phillosophierten wir mit den beiden
Engländern James MC Haffie und Dan MC Manus welche sich über die vielen
hilfreichen Tipps und die angechalkten Griffe in El Nino freuten und sich
die 9. Begehung holten. Beide kletterten eigentlich in einer anderen
Ligea, hatte jedoch die selben Probleme wie wir und so trafen wir uns
schon seit über einer Woche in der Cafeteria und unterhielten uns übers
Klettern. Auch der eine oder ander Local gesellte sich mal zu uns.
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Mit den Britten beim Bhilosophieren in der Cafeteria |
Es war auch mal eine neue Erfahrung die Engländer in El Nino von den El
Cap Medows mittels Fernglas zu beobachten und die Seillängen und
Einzelstellen erneut zu durchleben. Ich glaube ohne mein verletztes Knie
hätte ich dafür niemals die Ruhe gehabt. Am Nachmittag liefen Thomas
und ich hinauf zum Half Dome, denn für den Folgetag stand die NW-Face
Regularroute auf dem Programm. Als es dunkel wurde waren wir die letzte
der 4 Seilschaften, welche am folgenden Tag in die Route einsteigen
wollten. Mit etwas überzeugungskraft ergatterten wir Platz 2 und stiegen
gegen 4:30 Uhr hinter den Franzosen ein. Nach einigen warten ließen uns
diese passieren und wir standen nach ca. 12h auf dem Gipfel. Thomas war
zwar total K.O. aber er konnte alle Seillängen im Flash oder On Sight
klettern.
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Der Zustieg zum Half Dome über die Slabs. Wie üblich hingen die nötigen Fixseile. |
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Thomas in der Regular Route am Half Dome eine SL unter dem Zig Zags |
Obwohl die Müdigkeit groß war lockte die warme Dusche und die Spagetti
im Tal und wir stiegen noch am selben Abend ab. Da mein Knie ohnehin
noch etwas schmerzte nahm er mir so viel Gepäck wie möglich ab.
High Sierra
Zur Belohnung für die Strapatzen, gab es am Folgetag ein ausgedehntes
Bad in einer Heißen Quelle der Sierra Nevada.
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Ein Hering in seinem natürlichen Lebensraum mit artgerechter Ernährung. Wichtig ist, das Wasser darf nicht zu kalt sein. |
Den Umweg von 1h auf der
Fahrt zum Incredible Hulk nahmen wir dafür gerne in kauf. Als wir uns in
Mono Village, wo wir parken wollten nach einer
Unterstellungsmöglichkeit für unser Essen erkundigten, sah Thomas seinen
ersten Bären. Auf dem Baum neben unserem Auto saß eine Bärenmutter mit
zwei Jungen. Warum es dann hier keine Bärenboxen gab war für uns
unverständlich.
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Mama Bär. |
Wohin also mit dem Essen was im Tal bleiben soll?
Zum Glück erklärte sich einer der Angestellten in einem Cafė bereit
unsere Essenskiste für die 4 Tage bei sich zu verstauen. blieb nur noch
offen wo wir das Essen über Nacht hinpacken was wir am nächsten Morgen
mit in die High Sierra nehmen? Im Zelt war zu unsicher und das Auto kam
gar nicht in Frage, da sich am Abend bereits einen Bär für unseren offen
stehenden Kofferraum interressierte wärend ich vorne im Auto saß. Die
einzige Lösung die uns einfiel war unseren Essensrucksack in einen
Bärensicheren Müllkontainer zu verstauen und mit einer Mülltüte zu
tarnen.
Alles funktionierte nach Plan, nur das Wetter hatten wir etwas
unterschätzt. Wir schliefen auf 2300 m Höhe und früh war der Rasen
gefrohren. Als wir gegen 6:00 Uhr losliefen um 1000m höher noch an
diesem Tag etwas Klettern zu können kamen uns schon ein paar Zweifel ob
es in der Westseite des Incredible Hulk nicht zu kalt werden würde.
Dieses Problem verdrängend machten wir uns auf die 3-4 h Zustieg. Die
Natur und die Landschaft war so schön, dass wir die Kälte fast vergassen
und die schweren Rucksäcke nach oben buckelten.
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Der Zustieg zum Incredible Hulk |
Wir fanden einen
schönen Zeltplatz 40 Minuten von der Wand entfernt und mußten erst
einmal was warmes essen. Unsere Fettreserven haben inzwischen stark
abgenommen so das wir viele Zwischenmalzeiten zu uns nehmen müssen. Wir
dachten mittlerweile zu spät für die 10 Sl Route "Venturieffekt" dran zu
sein, aber will wollten schauen wie weit wir kommen.
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Topo Venturi Effekt am Incredible Hulk |
Die Wand lag noch
im Schatten als wir uns der ersten Crux stellen mußten an die Wand zu
gelangen. Ein hart gefrohrenes Schneefeld mußte mittels
Klemmkeilentferner zum festhalten überwunden werden. Der Fels war
eiskalt und wie sich die erste Länge anfühlte kann ich nicht genau
sagen. Glücklicherweise wurden wir langsam warm und am 3. Stand kam die
Sonne langsam in die Wand. Genau zur rechten Zeit, denn so blieb Thomas
zumindest warm, während ich mich langsam die erste Schlüssellänge
hochtastete. Ein 90 Grad Verschneidung welche mal zu hangeln und mal zu
Spreizen war. Beim Blick nach oben war ich so eingeschüchtert, das ich
mich fast schon reinsetzen wollten, als ich die ersten Mikrokeile gelegt
hatte.
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Die erste Crux (4.SL) im Venturi Effekt |
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Thomas in der 8. SL von Venturi Effekt |
Obwohl es nicht danach aussah gab es gelegentlich eine
Ruheposition. So kämpfte ich mich bis zum Stand und freute mich tierisch
über das on-sight. Auch Thomas stieg auf anhieb durch, verausgabte sich
aber so in der dünnen Höhenluft, dass er sich an diesem Tag nicht mehr
davon erhohlte. Es folgten noch weitere geniale Längen. Unter anderem
die 8. welche mit 5.12b/c Thomas noch einmal alles abverlangte und die
9. Sl welche mit 5.12d die zweite Crux darstellte. Nach einem langen
Kräfteraubenden on sight erreichte ich den Stand so erschöpft, das ich
bezweifelte die letzte 5.11er Länge noch Klettern zu können. Irgendwie
haben wir uns dann doch noch hochgekämpft und als wir im Sonnenuntergang
Richtung Zelt liefen war die Freude riesig aber die Erschöpfung war
größer.
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Der Incredible Hulk von unserem Zeltplatz aus eine wahre Augenweide. |
Nach einem Ruhetag mit viel Essen und ehrfurchtsvollem
Betrachten der Landschaft waren wir wieder fit für die letzten 2
Klettertage.
Wir hatten uns mittlerweile etwas an die Höhe gewöhnt Nicht etwa
aklimatisiert doch wir bewegten uns langsamer und versuchten auch beim
Klettern öfters mal anzuhalten und zu Atmen bevor wir anfingen zu
Hyperventilieren. Die letzten beiden Tage waren noch mal schön und wir
kletterten mit "Airstream" noch eine selten wiederholte Linie mit vielen
Verschneidungen die man fast ausnahmslos Spreizen mußte. Da die Risse immer vollständig geschlossen waren gab es sogar ein paar mehr Bohrhaken. Thomas kam sogar in der 8. Länge dazu eine 5.12c on sight zu Klettern. Dass war echt eine tolle Leisung und ein guter Kampf.
Beim Abseilen fing es dann leicht zu Regnen an aber da war es uns schon egal.
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Thomas in der 6. SL von Airstream |
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Thomas in der 8. SL von Airstream seiner ersten 5.12c on sight |
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Topo Airstream am Incredible Hulk |
Auch am 2. Tag
war das Timing so gut, das wir kaum wieder am Einstieg von einem
Gewitter begrüßt wurden. Da hatte es sich doch gelohnt in der "Sunspot
Dihedral" mal etwas Gas gegeben zu haben und in 5h durch die 400m Wand
zu spurten. Also stiegen wir im Regen ab und freuten uns auf die heißen
Quellen zur Belohnung. Den Incredible Hulk mit seinen 400 m in der High
Sierra kann man auf jeden Fall empfehlen wenn es im Yosemite zu heiß
wird man sollte nur vorher den Wetterbericht checken denn im Tal ist
kein Empfang. Ansonsten sollte man auf 3200 m Höhe mindestens 55 Grad
Fahrenheit und weniger als 20 Miles/h Wind haben denn sonst ist es zu
kalt.
Da unsere kleine Reise sich nun dem Ende neigt eine kleine
Zusammenfassung. Wir sind haben 5000 Klettermeter zurückgelegt und eine
Menge Spaß gehabt. Sicherlich war die Erfahrung mit dem Steinschlag
unschön, aber es hätte schlimmer kommen können. Es war eine seh schöne
Zeit und ich glaube nicht zu Übertreiben wenn ich sage: "Es gibt weniges
was schöner ist, als eine Leidenschaft mit anderen zu Teilen."
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