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Donnerstag, 23. Mai 2013

Father Time



Um nun richtig zu sehen ob Issys Ellenbogen im Nachstieg mehrere Tage durchhält wählten wir den kleinen schattigen Bruder des El Cap den Middle Cathedral Rock. Er ist zwar nur 600m hoch, genau gegenüber vom El Cap aber schön schattig.
Die passende Route war auch schnell gefunden, denn im Oktober beendete Mikey Schäfer nach über 50 Tagen die Route Father Time.
Topo Father Time Middle Cathedral Rock

Das bemerkenswerte an dieser Route ist, dass wenige Tage nach der Erstbegehung Alex Honold die 2. Begehung holte und Tommy Caldwell und Jonathan Siegrist es zeitlich nicht in einem Tag bis hoch schafften. So planten wir Essen und Trinken für 2 Tage und nahmen das Portaledge mit. Dadurch war der Haulbag echt schwer aber wenn so gute Leute es nicht ganz bis hoch schafften, dann wollten wir doch sicher sein, dass wir genug Zeit für den Durchstieg jeder einzelnen Seillänge hatten.
So ging es  nach einem halben Ruhetag zum Einstieg wo wir schliefen da wir ohne Auto nicht sehr flexibel sind und der Shuttle Bus zum El Cap noch nicht fährt. Eigentlich hätten wir zwei Tage Pause gebraucht aber die Zeit war gegen uns und viel zu kurz. Da Issy nicht vorsteigen konnte was ihm irgenwie Leid tat und er somit um das Haulen herum kam, schleppte er tapfer den Haulbag zum Einstieg.
Father Time im Morgenlicht
Wir hatten eine schöne Nacht und im Morgenlicht bekam die Wand sogar etwas Sonne. Trotz des Haulens was etwas nervte da der Haulbag mit Portaledge bereits bei 40 kg war, war die Kletterei genial. Der Fels war bombenfest die Linie Logisch und die Absicherung ausreichend aber nicht zu gut. Kurz, genau richtig und sehr motivierend.
Die erste 5.12er Länge mit genialer technischer Kletterei

Dennoch benötigten wir den ganzen Tag für die ersten 13 Seillängen. Damit brachten wir die erste Crux 5.13b noch am Abend kurz vor Sonnenuntergang hinter uns. Die "Boulder Pitch" war kurz und schwer, aber es reichte gerade noch so um im letzten Tageslicht durchzusteigen. Wir fanden, dass die mit Bohrhacken abgesicherten Längen deutlich schneller gingen als die gelegendlich eingestreuten Trad Seillängen. Auch war es trotz des geringen Racks erstaunlich, dass der Gurt mit allem Gear und dem Haulseil schnell mal mehr als 10kg wiegt. Da ist jede Minute die man länger an den Armen hängt extrem anstrengend. Nach der Länge 13 fanden wir einen genialen Platz um das Portaledge aufzubauen und wir waren genau gegenüber vom El Cap. Wir waren echt glücklich so einen schönen Platz gefunden und in dem Meer aus Granit etwas zum Schlafen dabei zu haben. Als es dann dunkel wurde, leuchteten am El Cap an verschiedenen Stellen Stirnlampen auf und das 3D Kino war einfach nur genial. Ein Paar Seilschaften stiegen gerade an der Nose aus ein paar andere kletterten im dunklen weiter und wieder andere bereiteten sich am Einstieg der Nose auf den folgenden Tag vor. Wenn es einen schöneren Platz zum Schlafen gibt als in einem Portaledge mehrere Hundert Meter über dem Boden dann ist mir dieser noch nicht bekannt.

Himmelbettledge
So wurde es eine stille Nacht nur gelegendlich hörte man das Klagen von Issy dessen Fingerspitzen extrem schmerzten. Der rauhe Granit und das Magnesia hatten die Haut unter seinen Fingernägel so angegriffen, dass jede Bewegung schmerzte. Da nützte auch meine Handcreme für die überlebenswichtige Handkosmetik in steilen Wänden nur wenig. Auch die Fingernägel reißen gerne ein durch die scharfen Granitkristalle, welche sich gerne einmal darunterbohren. Wenn es allerdings nur das ist, damit läßt sich leben.






Am nächsten Morgen nach dem Frühstück und allem was man Morgens normalerweise verrichten muß hatten wir noch 2 mal den Grad 5.13b vor uns. Das ist zum Aufwärmen ganz schön schwer und dann noch zum selber Absichern. Die Erste Länge, welche ironischerweise "Athletic 5.12c" hieß, war eine so ausdauernde Hangel bei welcher man nur auf Reibung steht. Anfangs konnte ich mir bei der Absicherung einen Durchstieg zumindest nicht vorstellen.
Issy in der "Athletic 12c" die 13b Crux von Father Time nach meinem Gefühl

Nach ausreichenem ausbouldern und unter Issys Anfeuerungen gelang diese im 2. Versuch. Noch schlimmer sah es in der nächsten Länge aus. Eine schmale Verschneidung die nur zum Beginn eine Spur von Riß aufwieß.

Die letzte 5.13er Länge
 Was danach kommt war fraglich und wie man das Klettern sollte ebenfalls. Diesmal hatte die Lösung wenig mit Kraft zu tun. Es war ein Stützen und Pressen wo man jederzeit auf den nicht vorhandenen Tritten aus der Verschneidung rutschen konnte. Lediglich einige Punkte Magnesia markierten die Stellen, wo man hintreten mußte und kaum noch lose Kristalle den Kletterschuh in einen Rollschuh verwandelten. Da war das sächsische Füße abwischen für den Durchstieg unabdingbar, denn immer wieder knirschte es unter den Füßen. Wie diese Länge im 2. Versuch ging kann ich nicht sagen aber es fühlte sich auf keinen Fall so unmöglich schwer an wie es Aussieht. Die letzten Längen gingen dann besser und wir ließen den Haulbag hängen. Da uns das Essen ausging und nicht noch eine Zweite Nacht in der Wand geplant war seilten wir im dunklen mit Stirnlampen ab. Das Abseilen im Dunklen ist echt gruselig vor allem weil wir die Route verfehlten. Auch wußten wir trotz Lampen nicht wo in dieser gigantischen Schwärze sich der nächste Abseilstand befand. Wir waren extrem müde, hungrig und orientierungslos. Irgendwie schafften wir es dennoch in 2-3 Stunden bis runter. Das Seil was sich beim letzten mal Abseilen verfing ließen wir für die Nacht hängen, es war uns im Moment einfach nur egal denn wir wollten nur noch Essen und Schlafen. Am nachsten Morgen (was heute ist) leider ohne gescheites Frühstück, trampten wir zum Camp 4 und aßen erst einmal. Wir sind eigendlich fix und alle, aber da uns die Zeit unter den Fingern verrinnt, geht es morgen wieder in die Wand. Diesmal ist El Corazon das Ziel der Wahl und wir planen 5 Tage ein mal sehen was daraus wird Issy meint jedenfalls das es mit seinem Arm geht.

Wir versuchen doch noch den El Cap Issy meint sein Ellenbogen macht das mit


Kommentare:

  1. Toller Bericht von Eurer Kletterei im Yosemti.
    Bin gespannt, wie die Tour zum El Corazon ausgegangen ist und freu mich bald mal wieder etwas Aktuelles von Euch zu hören.
    Ich hoffe mit Stephans Arm wird es besser.
    Sind in Gedanken oft bei Euch.
    Beste Grüße und Berg heil von Issys Vater

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  2. Netter Bericht von euch zwei Dirtbaggern :-) Eine Nacht im Portaledge kann ich ja auch noch nicht vorweisen, es klingt aber toll! Ich wünsche euch auch weiterhin viel Erfolg im Valley und alles gute dem lädierten Arm. Soweit, Gruß, roho

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